Schluss mit Ausreden – Selbstbewusst Nein sagen

Nein sagen ohne Ausreden

Fällt es dir schwer, Nein zu sagen? Verwendest du oft Ausreden, um dich abzugrenzen und das Nein-sagen zu umgehen? Falls ja, dann kennst du vielleicht das unangenehme Gefühl, von Erwartungen erdrückt zu werden:

  • „Sei mal so lieb…“
  • „Könntest du bitte…“
  • “Ach komm schon, stell dich nicht so an…”
  • „Das macht dir doch nichts aus, wenn du…“
  • „Das geht auch ganz schnell…, bitte sei so gut.“
  • „Ich weiß nicht, wen ich sonst fragen soll.“

Es sind Momenten, in denen du dich überrumpelt, überfordert oder übergangen fühlst und in denen du gerne deutlich nein sagen würdest, doch es dir nicht gelingt. Du sagst entweder ja (und bereust es) – oder windest dich heraus mit einer Ausrede oder Entschuldigung, um andere nicht zu enttäuschen, sie nicht hängen zu lassen oder um keinen Streit zu riskieren.

Kennst du das?

Wenn du hochsensibel bist, wirst du diese Situationen wahrscheinlich besonders gut kennen. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum wir gelernt haben, Ausreden und Entschuldigungen zu benutzen, statt klar nein zu sagen, warum es wichtig ist, ehrlich Grenzen zu setzen und wie dir das in der Praxis gelingen kann.

Warum wir gelernt haben, Ausreden zu erfinden, statt klar Nein zu sagen

Der Ursprung liegt – wie so oft – in der Kindheit. Als Kind konntest du deine Grenzen deutlich setzen. Du warst in Kontakt mit deiner inneren Stimme und hast das getan, was sich für dich richtig angefühlt hat. Wenn du zum Beispiel nicht mit dem Nachbarskind Marie spielen wolltest, dann wolltest du das nicht. Wenn du nicht von deinem Onkel zur Begrüßung gedrückt und geküsst werden wolltest, dann wolltest du das nicht. Und das hast du auch gezeigt.

Das Problem war nicht, dass du deine Grenzen nicht gespürt oder gesetzt hast. Das Problem war, dass dir deine Grenzen häufig nicht erlaubt wurden.

Deine Eltern haben zum Beispiel nicht akzeptiert, dass du nicht mit Marie spielen willst oder „unhöflich“ deinem Onkel gegenüber bist. Sie hatten bestimmte Vorstellungen davon, wie du als (anständiges, braves,…) Kind zu sein hast und wollten dich dahingehend erziehen. Auf ihre Frage nach dem Warum, konntest du deine Abneigung auch oft nicht erklären. „Darum halt!“. Es war ein Gefühl. Du wusstest einfach, dass du das nicht willst.

Wenn das Gefühl nicht reicht, braucht es eine Begründung

Da Eltern die Aussage: „Darum halt.“ oft nicht reicht, suchen Kinder Gründe, um ihr Verhalten zu erklären. Kinder sind noch sehr im Spüren verankert. Sie haben noch keinen analytischen Verstand entwickelt und können daher nicht wirklich verstehen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Dennoch hast du (im Beispiel Marie) versucht, eine Begründung zu finden, um deine Eltern zufrieden zu stellen (und so deinem inneren Bedürfnis nachgehen zu können).

Doch auch das hat oft nicht zum Erfolg geführt. „Weil Marie doof ist.“ oder „Der Onkel riecht komisch.“, sind meist keine Begründungen, die Eltern so einfach akzeptieren. Sie steuern gegen: „Aber das stimmt doch gar nicht, Marie ist so nett! Komm, geh‘ rüber mit ihr spielen. Sie ist deine Nachbarin.“ Oder: „Stell dich nicht so an. Sei ein liebes Kind und gib deinem Onkel ein Bussi. Es macht mich traurig, wenn du so unhöflich bist.“

Kennst du solche oder ähnlichen Aussagen?

Deine Eltern wollten dich mit diesem Verhalten nicht bestrafen. Eigentlich meinten sie es nur gut mit dir. Sie wollten, dass du eine Spielgefährtin hast, dass du gut erzogen wirst oder ein beliebtes Enkelkind bist. Dass sie dir dadurch beibringen, deine (emotionalen) Grenzen zu missachten und dich zu verbiegen, ist ihnen meist nicht bewusst.

Wenn die Begründung nicht reicht, braucht es Ausreden

Was tust du also, wenn du als Kind merkst, dass auch deine (ehrlichen) Begründungen nicht ausreichen, um gehört zu werden und dir deine Bedürfnisse zu erfüllen? Du fängst an, Ausreden und Entschuldigungen zu (er)finden, in der Hoffnung, dass diese von deinen Eltern besser akzeptiert werden. Sprich: Ausreden, mit denen du deine Bedürfnisse erfüllen kannst, ohne Widerstand von deinen Eltern zu bekommen oder sie zu enttäuschen.

Was sich dann als Lüge zeigt, ist nur das kindliche Bemühen, für die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse zu sorgen und die Gefühle anderer Menschen dabei nicht zu verletzen.

Diese Verhaltensweise tragen wir dann mit in unser Erwachsenenleben. Wir erfinden und verwenden auch dort noch Ausreden, wenn wir etwas für uns tun wollen. Die Angst, andere zu enttäuschen und der Wunsch, niemanden zu verletzen leiten uns dabei.

Geringer Selbstwert führt zu vermehrten Entschuldigungen

Wenn wir einen geringen Selbstwert haben, neigen wir noch mehr dazu, Ausreden und Entschuldigungen zu benutzen. Das liegt daran, dass wir mit einem schwachen Selbstwertgefühl unseren Wert vom Verhalten anderer Menschen abhängig machen. Dadurch sind wir besonders daran interessiert, nicht anzuecken und die Harmonie zu wahren. Durch Ausreden und Entschuldigungen gelingt es uns, diese Harmonie – zumindest im Außen – beizubehalten.

Genauso neigen wir vermehrt zu Ausreden und Entschuldigungen, wenn wir hochsensibel und sehr einfühlsam sind. Ein hohes Einfühlungsvermögen ist die ausgeprägten Fähigkeiten, uns in andere Menschen hinein fühlen und ihre Stimmungen spüren zu können. Diese Fähigkeit bringt uns oft dazu, noch stärker Rücksicht auf die Gefühle anderer Menschen zu nehmen und macht es uns zeitgleich schwerer, klare Grenzen zu setzen. („Das kann ich ihm/ihr nicht antun.“ „Sie wäre am Boden zerstört.“)

Oft spielen ein schwacher Selbstwert und Hochsensibilität zusammen, was die Situation nochmal verschärft. (Mehr zum Thema Selbstwertgefühl findest du in diesem Beitrag „Selbstwertgefühl steigern – Die Basis für dein glückliches Leben“ und zum Thema Hochsensibilität hier: 5 große Gaben und Herausforderungen von hochsensiblen Menschen).

Was passiert nun, wenn du ständig Ausreden benutzt und nie deutlich sagst, was du brauchst?

Nein sagen ohne Ausreden

Lügen, statt Wahrheit sagen – Das tust du dir damit an

1. Du musst ständig Lügen erfinden

Stell dir vor, eine Freundin will sich schon lange mit dir treffen und du hast meist keine Lust dazu, weil dir die Treffen mit ihr immer zu lange gehen.

Nun sagst du ihr jedes Mal ab – einmal hast du einen Termin, ein anderes Mal bist du schon verabredet, wieder ein anderes Mal bist du krank und noch ein anderes Mal hast du so viel zu tun, dass dir ein Treffen nicht möglich ist.

Kommt dir das bekannt vor? (Wenn ich diese Zeilen so schreibe, erinnere ich mich an früher, als mir diese Ausreden selbst nur allzu vertraut waren.) Was passiert durch dieses Verhalten?

Du musst immer etwas vor haben, etwas zu tun haben oder gesundheitliche Beschwerden haben, wenn du dir Zeit für dich oder für anderes einräumen willst. Du musst ständig Lügen erfinden, wenn du nicht zufällig tatsächlich etwas anderes zu tun oder vor hast. Das ist auf Dauer nicht nur lästig und anstrengend, sondern führt auch zu einem weiteren Konflikt.

2. Du lebst entgegen deiner inneren Wahrheit

Durch Ausreden erfüllst du dir zwar dein Bedürfnis, zum Beipspiel jenes nach Ruhe, doch innerlich fühlt sich das trotzdem nicht vollkommen gut an. Du stehst nicht zu dir und diesen Konflikt spürst du. Er macht sich als innere Unruhe oder schlechtes Gewissen bemerkbar. Deine Seele zeigt dir dadurch, dass es nicht heilsam ist, entgegen deiner Wahrheit zu leben (als auch andere zu belügen).

Ausreden zu benutzen ist somit etwas, was du im tiefsten Inneren nicht gerne tust und weshalb du das auch möglichst vermeiden willst. Zeitgleich ist es aktuell noch deine Hauptstrategie, um dich abzugrenzen. Schließlich hast du es nicht anders gelernt. Und damit wären wir beim nächsten Konflikt:

3. Du lebst vermehrt in Angst und Stress

Deine Angst, in eine Situation zu kommen, in der du dich abgrenzen musst, steigt – Du weißt, du kannst sie im sozialen Miteinander nicht vermeiden, zeitgleich fühlst du dich ihr nicht gewachsen. Es ist die Angst vor der Angst. Du bekommst (unbewusst) Angst vor Menschen, die dich (häufig) um etwas bitten oder dich um etwas bitten könnten. Du bekommst Angst vor dominanten Menschen, die deine Grenzen (jeglicher Art) einfach so überschreiten oder vor Menschen, die dich dahingehend beeinflussen (manipulieren), das selbst zu tun.

Diese Angst kann sich in folgenden Gedanken zeigen:

  • Hoffentlich sehe ich heute meine eine Kollegin nicht, die drückt mir immer was aufs Auge.“
  • „Oh, die Nachbarin ist draußen! Ich verlasse nicht das Haus, sonst quatscht die mich wieder zu und ich komme eine halbe Stunde zu spät.“
  • “Ich gehe einfach nicht ans Telefon, wenn mein Chef anruft. Dann muss ich nicht absagen, wenn ich aushelfen soll.“

Schon allein die Vorstellung, dass du solchen Menschen begegnest, löst Stress in dir aus, weil du weißt, dass du möglicherweise vor der Situation stehen wirst:

  • deine Grenzen zu setzen (Nein zu sagen)
  • oder deine Grenzen zu überschreiten (Ja zu sagen), obwohl du es nicht willst.

Häufig entsteht dadurch auch Wut auf die Menschen, die dich in eine solche Situation bringen und (auf den ersten Blick) verantwortlich für den Stress in dir sind. Und diese Wut führt auch zu einem unheilsamen Aspekt:

4. Du denkst und sprichst negativ (über andere Menschen)

Wenn du dich von bestimmten Menschen übergangen oder bedrängt fühlst, wirst du dazu neigen, über diese Menschen schlecht zu reden: „Meine Kollegin ist so eine blöde Kuh. Sie nutzt mich und meine Gutmütigkeit immer aus.” “Haha, sie hat ihren Urlaub nicht genehmigt bekommen. Geschieht ihr recht.”

Ebenso wirst du zum Katastrophen-Denken neigen: „Oh je, wenn ich jetzt schon daran denke, morgen ins Geschäft zu gehen, kriege ich die Krise.“ Vor deinem inneren Auge siehst du bereits den immensen Berg an Arbeit, der dir bevorsteht oder du klagst schon darüber, dass dir alles zu viel ist, obwohl deine Befürchtungen noch nicht einmal eingetroffen sind. “Oh je, wenn ich jetzt schon an den Geburtstag denke… Das ist mir zu viel. Immer muss ich mich um alles kümmern.”

Lästern und Schadenfreude trägt viel negative Energie in sich, die nicht nur in dir zu spüren ist, sondern dem Gesetz der Anziehung nach auch auf dich zurückgeworfen wird. (Stichwort Karma: Ursache – Wirkung). Katastrophen-Denken führt auch dazu, dass du dir genau die Ereignisse in dein Leben ziehst, die du eigentich vermeiden willst. Stichwort Fokus – Warum du bestimmst, welche Erfahrungen im Leben du machst).

Deine Lebensqualität sinkt drastisch

Entgegen deiner inneren Stimme zu leben und vermehrt Stress und Angst zu haben wirken sich auf dein Gemüt und deine Gesundheit aus. Du lebst nicht in deinem Gleichgewicht. Innere Unruhe, Unzufriedenheit, Grübeln, Schlafprobleme, Unglücklichsein, negative Erfahrungen, als auch Krankheit können die Folgen davon sein.

Warum erzähle ich dir so ausführlich von den negativen Folgen? Weil ich dir zeigen will, wie wichtig es für dein Wohlbefinden und deine Lebensumstände ist, einen gesunden Selbstwert zu entwickeln und ehrlich und klar Grenzen zu setzen.

Daher stellt sich jetzt die wichtige Frage: Wie kann es dir gelingen, dich selbstbewusst und ohne Ausreden abzugrenzen? Neben konkreten Praxistipps, die ich dir weiter unten vorstelle, braucht es zunächst zwei Voraussetzungen, um klare Grenzen setzen zu können:

2 Voraussetzungen, um klare Grenzen zu setzen

1. Wahrhaftig sein

Um dich ohne Ausreden abgrenzen zu können, darfst du lernen, zu dir selbst und damit zu deinen wahren Bedürfnissen und Werten zu stehen, also: wahrhaftig zu sein. Das hat zur Folge, dass du zwar nicht jedem gefallen wirst, jedoch dein innerer Frieden gewahrt wird. Dein Fokus darf daher nicht mehr darauf gerichtet sein, anderen zu gefallen, sondern sollte darauf gerichtet sein, deine eigene Wahrheit zu leben.

Eins sei dabei gesagt: Du wirst nicht drum herum kommen, andere zu enttäuschen. Sei dir dessen bewusst. Das ist ein Preis, den du zahlen musst (und irgendwann auch völlig bereit bist, zu zahlen). Echt zu sein und es allen immer recht zu machen ist ein Widerspruch. Enttäuschungen bleiben nicht aus. Doch bedenke bei einer Enttäuschung, dass dabei eine Täuschung auffliegt. Das heißt, das Bild, das andere von dir haben, erfüllt sich nicht. Und wenn du möchtest, dass dich andere so mögen, wie du bist, dann musst du dich auch so zeigen, wie du bist. Vielleicht werden sich sogar vereinzelt Menschen von dir abwenden, doch es werden sicher nicht diejenigen sein, die dir guttun und dein Leben bereichern.

Gesundes Selbstwertgefühl

Um wahrhaftig sein und mit dem Widerstand umgehen zu können, brauchst du ein gesundes Selbstwertgefühl. Wenn du das nicht ausreichend hast, wird es dir oft nicht möglich sein, überzeugend zu dir zu stehen. Vielleicht kennst du das: Du sagst zwar nein – und achtest damit deine Grenzen, aber du bist dabei nicht wirklich selbstbewusst und selbstsicher. Es ist ein zögerliches und unentschlossenes Nein, das dich Kraft kostet und dich auch oft unzufrieden stimmt, weil dich im Nachhinein Schuldgefühle plagen. („Hätte ich doch ja sagen sollen? Wäre es echt so schlimm gewesen? Jetzt ist sie enttäuscht.“ „Warum habe ich nicht von vorn herein klar Nein gesagt? Jetzt habe ich den Salat.“,…)

Wahrhaftig zu sein, heißt, dir selbst treu zu bleiben.

Wie du nachhaltig ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln kann, lernst du auch in meinem erfolgreichen Onlinekurs “Selbstwert steigern – Dein Weg zu einem neuen ICH”

2. Eigenverantwortung tragen

Um wahrhaftig zu sein, braucht es Eigenverantwortung. Eigenverantwortung bedeutet, du übernimmst die Verantwortung für dich und dein Wohlbefinden – also für die Erfüllung deiner Bedürfnisse und das Beachten deiner Grenzen. Oft erwarten wir, dass andere auf uns Rücksicht nehmen: „Warum fragt sie immer mich, sieht sie denn nicht, dass ich noch so viel zu tun habe?! Sie weiß doch, dass ich total im Stress bin.“)

Wenn du Verantwortung für dich übernimmst, erwartets du nicht mehr, dass andere auf dich Rücksicht nehmen – deine Bedürfnisse wahrnehmen und deine Grenzen beachten. Du weißt, dass du selbst für dein Wohlbefinden verantwortlich bist und somit selbst die Sorge dafür trägst, dass deine Grenzen eingehalten und Bedürfnisse erfüllt werden.

Wenn nun diese zwei Voraussetzungen – Wahrhaftigkeit und Eigenverantwortung – gegeben sind, kannst du dich abzugrenzen, ohne Ausreden und Entschuldigungen zu benutzen. Was dir konkret in der Praxis helfen kann, sind folgende Tipps.

8 Gedanken & Tipps, um dich im Alltag achtsam und ehrlich abzugrenzen

1. Nein ist ein ganzer Satz

Es braucht nicht immer eine Begründung, wenn du etwas nicht möchtest. Es kann sinnvoll sein, das Warum zu erforschen, wenn du zum Beispiel ständig deiner Freundin absagst. Doch wenn sich etwas einfach nicht richtig für dich anfühlt und du dieses Gefühl nicht einmal genau erklären kannst, dann darfst du zu diesem Gefühl stehen. Einfach so. Ohne Begründung. Ohne Entschuldigungen oder Ausreden. „Es fühlt sich für mich gerade einfach nicht richtig an.“ ist Begründung genug.

2. Kenne deine Werte und bleibe ihnen treu

Je besser du weißt, was dir im Leben wichtig ist, desto besser kannst du diese Werte vertreten. Ist dir deine Familie besonders wichtig, die Zeit für dich oder das monatliche Treffen mit deiner Freundin? Dann schütze diese Werte. „Ich kann dir an diesem Wochenende nicht helfen, die Zeit mit meiner Familie ist mir heilig.“ „Täglich Yoga zu machen schenkt mir Ruhe und Kraft. Darauf möchte ich nicht verzichten.“ „Ein anderes Mal gerne, aber das Treffen mit meiner Freundin ist mein Lichtblick im Alltag. Das sage ich nicht ab.“

3. Nein sagen mit Rücksichtnahme

Für ein harmonisches Miteinander ist es wichtig, achtsam miteinander umzugehen. Dazu gehört für mich auch, auf die Gefühle anderer in gesundem Maße Rücksicht zu nehmen. Das muss man nicht tun, aber kann man tun. Ich ziehe es vor, weil ich als empathischer Mensch sowohl aus eigener Erfahrung weiß als auch fühlen kann, wie weh es tun kann, wenn jemand keine Rücksicht auf andere Gefühle nimmt.

Mitgefühl ist eine Einladung und eine Stärke, die viele hochsensible Menschen besonders ausgeprägt haben und lernen dürfen, als Stärke einzusetzen.

Aus diesem Grund lade ich dich dazu ein, weiterhin Rücksicht auf andere zu nehmen, doch ihr Wohl nicht über dein eigenes zu stellen.

„Ich kann deine Enttäuschung verstehen, aber dieses Jahr übernehme ich die ehrenamtliche Aufgabe nicht schon wieder. Ich möchte meine freie Zeit nun anders nutzen.“ „Ich weiß, dass du dir das anders vorgestellt hast, aber ich helfe dir nicht schon wieder aus. Ich komme mit meinen eigenen Aufgaben kaum hinterher.“

4. Verantwortung zurückgeben

Manchmal werden wir darum gebeten, Entscheidungen oder Aufgaben von anderen zu übernehmen, weil diese sich davor drücken wollen, kennst du das?

  • „Kannst du das Gespräch nicht übernehmen? Mir fällt es so schwer, mit Kunde XY zu reden.“
  • „Kannst du mir helfen und das kurz machen, ich versteh das Programm nicht.“
  • „Bei dir geht das viel schneller, kannst du das nicht machen?“

In solchen Situationen kann es hilfreich sein, den anderen an seine Verantwortung zu erinnern: „Auch ich musste lernen, mit dem Kunde zurechtzukommen. Ich gebe dir gern ein paar Tipps, wenn du willst.“ „Frag doch den Chef, ob du nochmal eine Schulung bekommst. Es kann nicht die Lösung sein, dass ich das immer für dich übernehme.“

5. Biete eine Alternative an

Wenn du um etwas gefragt wirst, dir jedoch etwas anderes wichtiger ist, kannst du eine Alternative anbieten. Achte jedoch darauf, ob du das wirklich möchtest! Falls ja, könnte das so aussehen:

„Morgen geht bei mir nicht. Hast du vielleicht in zwei Wochen Zeit für ein Treffen?“

Diese Aufgabe will ich nicht übernehmen, aber ich könnte dir etwas anderes abnehmen.”

Eine Alternative kann Beschwichtigen und dir helfen, dich leichter abzugrenzen.

6. Kleine Lügen sind erlaubt

Es bedarf viel Achtsamkeit und Disziplin, um ganz frei von Lügen zu sein. Und das müssen wir auch gar nicht. Wir dürfen auch Ausreden benutzen, wenn uns eine ehrliche Abgrenzung zu kräftezehrend erscheint oder wir damit rechnen, dass diese nicht akzeptiert wird (zum Beispiel vom Chef).

Wichtig ist bei diesen Notlügen, dass du dir bewusst bist, dass du gerade lügst (und was das für Folgen hat), diese Lügen auch mal zu hinterfragen und ggf. an den Ursachen, wie zum Beispiel deinem Selbstwertgefühl, zu arbeiten.

7. Nein heißt nicht Ablehnung – sondern Schutz

„Nein, ich will heute nichts mit dir machen.“ Hast du das schon mal gesagt bekommen? Ein klares und bestimmtes Nein kann sich für uns (feinfühlige Menschen mit einem schwachen Selbstwertgefühl) oft wie eine Ablehnung anfühlen. Wie ein Schlag in die Magengrube. Wir fühlen uns verletzt, alleingelassen, nicht würdig oder gut genug. Kennst du das?

Es ist wichtig zu lernen, ein Nein als eine Grenze anzusehen und nicht als eine persönliche Ablehnung. Ein Nein ist ein Schutz des eigenen Raums und der eigenen Energie. Ein Kind schützt sich zum Beispiel vor zu viel Nähe, in dem es sich aus dem Arm windet. Ein Hund schützt sich, wenn er Ruhe will, in dem er knurrt, wenn du ihm zu nahe kommst und ihn streicheln willst. Wenn du ein Nein hörst, dann erinnere dich an die Grenze, die gesetzt wird und bewundere, dass es diesem Wesen gelingt, seine Grenzen zu setzen. Es ist es sich wert, seine Energie und seinen Schutzraum zu wahren. Nimm dir ein Beispiel an ihm und lerne durch ihn. Denn wenn dir ein Nein von anderen weh tut, dann fällt es dir selbst schwer, Nein zu sagen.

8. Innehalten – Spüren – Entscheiden

Wenn wir von einer Frage überrumpelt werden und uns schnell entscheiden sollen, kann es sein, dass wir vorschnell ja sagen und hinterher spüren, dass wir lieber nein gesagt hätten. Um das zu vermeiden hilft es, einen Abstand zwischen der Frage und deiner Reaktion zu schaffen. Stichwort Achtsamkeit. Diese Achtsamkeit kann durch ein paar bewusste Atemzüge gelingen.

  1. Halte inne.
  2. (Er)Spüre, was in dir vorgeht.
  3. Und entscheide dann.

Wenn du nicht klar spürst, ob es ein ja oder nein ist, dann bitte um etwas Bedenkzeit oder sage lieber Nein, als deine Grenzen zu übschreiten. Wenn deine Entscheidung noch aussteht, frage dich nach deinem Warum. Warum willst du vielleicht ja sagen? Aus Schuldgefühl? Aus Pflichtgefühl? Um anderen zu gefallen? Oder weil du wirklich Lust und auch die Kraft dazu hast?

Lerne echt – und frei – zu sein

Der wichtigste Schlüssel, um in Zukunft leichter und vor allem ehrlich und klar Nein sagen zu können, ist ein gesundes Selbstwertgefühl. Mit einem starken Selbstwertgefühl bist du dir selbst wichtig.

  • Du willst, dass es dir gut geht.
  • Du kümmerst dich um deine Bedürfnisse und erfüllst sie dir.
  • Du kannst klar und liebevoll nein sagen.
  • Du nimmst dir Kritik und Ablehnung nicht so zu Herzen, weil du weißt, dass diese Ablehnung nichts mit dir und deinem Wert zu tun haben.
  • Dir ist dein innerer Frieden wichtiger, als der Wunsch, anderen zu gefallen.

Dieser Selbstwert erhebt dich zu wahrer Stärke. Zu einem gesunden Selbstbewusstsein. Zu einer Freiheit von Abhängigkeit und einer Freiheit für dein eigenes Sein. Und danach sehnen wir uns doch am meisten:

Sein zu dürfen, wie wir sind.

Nein zu sagen, wenn uns danach ist und auch ja zu sagen, wenn uns danach ist.

Nicht auf überhebliche und abgehobene Art, sondern liebevoll und mitfühlend. Und das ist möglich!

Wie gelingt dir das Nein sagen ohne Entschuldigungen und Ausreden? Was fällt dir besonders schwer? Was fällt dir leicht und warum? Ich freu mich auf den Austausch mit dir.

Mögest du jeden Tag mehr und mehr lernen, dir selbst treu zu sein und deine innere Harmonie aufrechtzuerhalten.

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2 Gedanken zu „Schluss mit Ausreden – Selbstbewusst Nein sagen

  1. Maria Angerer Antworten

    Liebe Bettina.
    Herzlichsten Dank für diesen wunderbaren Beitrag. Du hast einfach sowas von recht!! Ich finde mich in deinem Schreiben zu 100% wieder. Ich will auch immer gefallen und keinen Unmut bei anderen Mitmenschen auslösen. Wie du schon richtig schreibst, es hat nur mit dem Selbstwert zu tun.
    Wenn das Gegenüber dann auch noch eine dominante Person ist, ist es doppelt so schwer, standhaft bei mir zu bleiben.
    Aber ich arbeite daran, weil ich auch wirklich das Gefühl der Freiheit bekomme, wenn ich für mich einstehe – ich bin achtsam geworden.
    Hab auch dein Buch ” Wach auf” erworben und finde es unglaublich bereichernd!!
    Vielen lieben Dank Bettina!! 👍

    • BETTINA Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Maria,
      ich danke dir für deinen Kommentar und freue mich, dass ich wieder deinen Nerv getroffen habe 😉 Ich kenne diese Herausforderungen selbst sehr gut und bin auch immer wieder noch gefordert, bei mir zu bleiben und achtsam und klar Grenzen zu setzen. Wie schön, dass du achtsamer geworden bist und die Freiheit spürst, wenn es dir gelingt. Das ist wundervoll! Und ich freue mich auch sehr, dass dir mein Buch gefällt und hilft! Viel Freude weiterhin damit und alles Liebe
      Bettina

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