Wie ich lernte, mit Respektlosigkeit umzugehen

Respektlosigkeit

Fühlst du dich respektlos behandelt und fragst dich, was du dagegen tun kannst? Dann ist dieser Beitrag für dich. Er ist sehr persönlich, denn ich erzähle dir von meiner belastenden Zeit in einem Job, in dem ich Respektlosigkeit erfahren habe. Diese Erfahrung hat mir mal wieder gezeigt, wie wichtig es ist, in Harmonie mit sich zu leben.

Leider ist ein respektloser Umgang in unserem Leben alltäglich geworden. Das fängt zu Hause im engsten Kreis an, wenn sich die Partner oder Kinder gegenseitig anschreien und hört im Geschäftsleben auf. Manche Menschen neigen dazu, aus Angst oder der scheinbar ausweglosen Situation, sich diesen Umgang gefallen zu lassen und stecken deswegen oft und zum Teil jahrelang in unerträglichen Situationen fest.

Was du dir damit antust, wenn du dir Respektlosigkeit gefallen lässt und wie du für dich einstehen und zu deinem inneren Frieden finden kannst, möchte ich dir an meinem persönlichen Beispiel zeigen.

Die Höhle des Löwen – Respektloses Verhalten erkennen

Im Allgemeinen wird Respekt als Wertschätzung, Achtung und Anerkennung einer anderen Person gegenüber verstanden. Respektlosigkeit ist demnach ein Verhalten, das keine Wertschätzung und Achtung einer anderen Person gegenüber aufweist. Und trotzdem ist Respektlosigkeit in gewisser Weise Definitionssache. Nicht jeder hat den gleichen Toleranzbereich und was für den einen respektlos ist, kann für den anderen in Ordnung sein. Daher ist es wichtig, für dich selbst zu erkennen, welcher Umgang für dich inakzeptabel ist.

Respektloses Verhalten kann unter anderem sein:

  • Beleidigungen
  • Belästigungen
  • Demütigungen
  • Anschreien
  • Befehlender Umgangston
  • Übergangen werden
  • Schuldeinredung/seelische Verletzungen
  • Körperliche Gewalt
  • Grenzen überschreiten (Intimsphäre / Intimzone)

Was für dich respektlos ist, erkennst du in der Regel an deinen Gefühlen, die ein Umgang mit dir hervorruft:

  • Du wirst wütend oder bist empört.
  • Du fühlst dich schwach und hilflos.
  • Du fühlst dich unterdrückt.
  • Du fühlst dich unwohl.
  • Du fühlst dich ausgenutzt / benutzt.
  • Du bekommst Angst.

Aus diesen Gefühlen heraus wächst die Macht der Person über dich, die dich respektlos behandelt. Denn je mehr du dir den Umgang gefallen lässt, desto größer werden diese Gefühle in dir und je mehr du sie zulässt, desto größer wird deine Angst gegenüber der Person. Und je größer die Angst, desto größer die Macht, die diese Person über dich hat.

Wenn Respektlosigkeit an Unterdrückung und Mobbing grenzt, ist es besonders wichtig, für dich selbst einzustehen, damit du nicht an den Folgen der Demütigung zerbrichst.

Ich wurde von meinem Chef sehr respektlos behandelt und habe die Folgen deutlich zu spüren bekommen. Ich habe gemerkt, wie schwer es sein kann, für sich einzustehen und wie wichtig es im Leben ist, für sich selbst da zu sein und zu seinem inneren Frieden zurück zu finden.

Wie ich den Löwen weckte

Ich erwarte keine besondere Aufmerksamkeit oder einen besonderen Umgang in meinem Job, ich erwarte aber einen gewissen Respekt. Mein ehemaliger Chef hat davon nicht viel mitgebracht und gerne seine Machtposition auf unangenehme Art deutlich gemacht – sowohl im Umgang mit seinen Mitarbeitern, als auch mit Kunden. Es war paradox. Er konnte sehr charmant sein und hochgradig respektlos.

Er ist ein Choleriker. Wenn etwas nicht so läuft, wie er es möchte, verliert er schnell die Fassung. In diesem Zustand wird er beleidigend, demütigend und sehr laut.

Als ich beispielsweise einen Sonntagszuschlag einforderte, der mit laut Vertrag zustand (zwei freie Tage für einen geleisteten Sonntagsdienst) ist er im wahrsten Sinne des Wortes explodiert. Von jetzt auf gleich. Ich wurde angeschrien und beleidigt, dass das noch nie so gemacht worden sei und nie so gemacht werden wird und ich nicht zu glauben brauche, dass meine Arbeit so gut sei, dass ich diese Forderung stellen könne. Mir wurde mit der Kündigung gedroht, wenn ich es wage, diesen Zuschlag einzufordern.

Es ging ihm immer darum, Macht zu haben

Es war meistens so: Sobald man seine Macht angriff, sein Status (auch wenn das auf respektvolle Art war), demonstrierte er, dass er am längeren Hebel sitzt. Wenn ich mit einem Kunden telefonierte, betrat er oft lautstark redend das Büro und sprach mit meiner Kollegin. Wenn ich ihn höflich darum gebeten habe, etwas leiser zu sein, da ich den Kunden am Telefon kaum verstand, wurde er erst richtig laut.

Hinzu kam, dass er mir persönlich viel zu nahe kam. Er berührte mich ständig am Arm, Schulter oder der Hand immer dann, wenn ich in seiner greifbaren Nähe war. Er bot mir gleich am ersten Arbeitstag das „Du“ an, was ich ablehnen wollte, jedoch verlangte er, dass ich es mit dem „Du“ versuche. Aussagen wie „von dir würde ich mich auch gern mal Mund-zu-Mund beatmen lassen“ durfte ich mir auch anhören. Er machte grundsätzlich über andere – vorzugsweise seine Mitarbeiter – schlechte und niveaulose Witze, über die er am lautesten lachte.

Um nur mal ein paar wenige der unzähligen Beispiele herauszugreifen, in denen ich seine Respektlosigkeit zu spüren bekam.

Wie ich mich in der Höhle des Löwen fühlte

Durch die Respektlosgikeit von meinem Chef – das demütigende und sexistische Verhalten – habe ich mich sehr unterdrückt gefühlt. Ich habe mir einen Umgang gefallen lassen, der mir im Inneren unsagbar widerstrebte und der sich auf mein ganzes Leben ausgewirkt hat.

Mein Arbeitsalltag war geprägt von Unwohlsein, von Angst, von Gedanken, die ich mit nach Hause geschleppt habe. Ich hatte Schlafprobleme und innere Unruhe. Ich habe von meinem Chef geträumt und auch an den Wochenenden immer Szenen im Kopf gehabt, die ich im Geschäft erlebt hatte.

Mein Chef wurde Gegenstand meines Privatlebens. Ich habe sehr viel und sehr oft geweint, weil ich nicht wusste, wie ich die Zeit ertragen soll. Denn sobald ich mich wehrte, bzw. für mich einstand, bekam ich die doppelte Ladung Widerstand und (seelische) Gewalt zurück.

Was tun gegen Respektlosigkeit? – Ratschläge aus dem Umfeld

– Die Ratschläge der Kollegen

Ich sprach das Problem bei vertrauten Kollegen an und versuchte, Antworten zu finden, wie ich mit der Respektlosigkeit umgehen kann:

  • „So ist er. Du wirst dich dran gewöhnen.“
  • „Mach dir nichts draus, er bringt auch andere zum Heulen.“
  • „Leg dir n dickes Fell zu.“
  • „Brauchst du bei ihm nicht versuchen, du hast eh keine Chance gegen ihn.“
  • „Ignoriere ihn einfach.“

Alle schienen Angst vor ihm zu haben. Alle rieten mir, mich zu fügen. Selbst der Betriebsrat und der Personalchef! Dieser erinnerte mich daran, dass ich in der Probezeit sei und ich bestimmt mal mehr Gehalt möchte. Demnach soll ich mir überlegen, ob ich den Zuschlag für den Sonntagsdienst einfordern möchte. Er meinte zudem, ich hätte schon „genug Porzellan zerbrochen und er weiß nicht, ob sich das wieder kleben lässt.“

Ich war fassungslos. Und tief verzweifelt. Ich wollte mich nicht daran gewöhnen und mich fügen. Ich wollte nicht so schrecklich stumpf und leblos werden wie die ganzen Kollegen und mir diesen respektlosen Umgang gefallen lassen.

– Die Ratschläge von Familie und Freunden

In meinem privaten Umfeld riet man mir Folgendes:

  • „Provoziere es und lass dich rausschmeißen, dann kriegst du wenigstens Arbeitslosengeld.“
  • „Lass dich krankschreiben.“
  • „Halt das durch, bis du was anderes hast. Arbeitslos zu sein ist nicht gut.“

Provozieren wollte ich es nicht. Zumindest nicht, ohne meinen Respekt zu bewahren. Das war einfach nicht meine Art. Und krankschreiben könnte bis zur Kündigung dann eine Lösung sein, aber danach musste es ja weitergehen. Ich wollte nicht davon laufen, sondern eine Lösung!

Von erkennen kommt Erkenntnis – Ursache für Respektlosigkeit

Da ich gezwungen war, mich mit dem Verhalten meines Chefs auseinander zu setzen, fragte ich mich, was hinter seinem Verhalten steckt (kein Mensch kommt mit einer solchen Art auf die Welt). Ich hatte Angst vor ihm, bis mir klar wurde, dass er Angst vor mir hat. Beziehungsweise durch mich. Er hat ein schwaches Ego, denn für mich gilt: Wer andere klein macht, um sich besser darzustellen, hat ein Problem mit seinem Selbstwert. Er fühlt sich durch mich angegriffen, sieht seine Macht verloren gehen, weil jemand Widerstand leistet, sich nicht fügen will und geht daraufhin mit Aggression und Repsektlosigkeit gegen den los, von dem er sich angegriffen fühlt.

Dieses Verständnis nahm mir ein wenig die Angst vor ihm.

Ich habe mal gelesen, dass sich Angst oft durch Aggressivität oder Unterwürfigkeit offenbart. Dass das zwei Seiten ein und desselben Problems sind. Mein ehemaliger Chef nutzte seine Angst als Antrieb zum Angriff, ich habe mich eher unterworfen. Als ich das erkannte wollte ich es ihm aber gleichtun und die Angst ebenfalls als Antrieb nutzen – nicht jedoch um anzugreifen, sondern um mich zu verteidigen.

Ich setzte mir eine Frist. Ich hatte mich entschieden, die Probezeit durchzuhalten, zu versuchen, mit der Respektlosigkeit klar zukommen und mich währenddessen nach einem anderen Job umzusehen. Wenn ich innerhalb dieser Zeit keinen Job finden würde, wollte ich trotzdem gehen – kündigen – weil mir klar war, dass ich diese Atmosphäre und diesen Umgang psychisch nicht aushalte.

Eine letzte Frist gab ich mir noch und damit die Chance, nicht einfach mit nichts dazustehen.

Warum ich nicht gleich geflüchtet bin

Flüchten ist einfach. Es ist der leichteste Weg und ja, ich bin ebenfalls der Meinung, unangenehmen Situationen, die nicht tragbar sind, zu entfliehen. Aber ich glaube auch, dass schwierige Situationen zum Lernen da sind.

  • Innere Widerstandskraft
  • Gelassenheit
  • um tieferliegende Probleme zu erkennen
  • Geduld
  • Vertrauen

Vielleicht auch letzten Endes, um den Mut aufzubringen, sein Leben in die Hand zu nehmen und für sich den Weg zu wählen, der einem gut tut. Um zu lernen, selbstbestimmt zu leben.

Flucht ist okay, aber du steigert dein Selbstbewusstsein nur, wenn du für dich einstehst – und dann „flüchtest“. Weil du dann nicht blindlings deiner Angst gefolgt bist und damit deinem Gegner die Macht überlassen hast, sondern weil du für dich gekämpft hast. Für den Frieden in dir und damit die Verantwortung für dein Leben übernommen hast. Das lässt dich gestärkt aus der Situation hervorgehen, wie auch immer sie ausgegangen ist.

Ich habe auch nicht zu lange mit dem “Gegenangriff” gewartet. Denn ich habe gemerkt, je mehr ich mich zurückziehe, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich gar nicht mehr in die Arena zum Kämpfen gehe. Weil ich ängstlicher werde, eingeschüchterter und der Mut, für mich einzustehen, meiner Angst weichen würde. Und dann würde ich stumpf werden. Mir Dinge gefallen lassen, die ich mir nicht gefallen lassen will. Dann wäre ich so entsetzt über mich, wie ich es über die anderen Kollegen bin, weil sie sich diese Respektlosigkeit gefallen lassen.

Respekt

Wie ich in der Höhle des Löwen überlebte – 7 Tipps, mit abwertendem Verhalten umzugehen

Mein Wunsch war, Frieden zu finden und zwar nicht durch sofortiges Gehen, sondern durch einen bestmöglichen Umgang mit der Situation: Dem Umgang mit der Respektlosigkeit.

Ich stand vor der Wahl:

  1. Mich fügen, mir Leid zufügen und mein Chef in seiner Macht unterstützen oder
  2. mir mein Leid nehmen, mich verteidigen und die Angst in meinem Chef wecken, seine Macht zu verlieren.

Da es mich mehr belastete, mich respektlos behandeln zu lassen, entschied ich mich dafür, für mich einzustehen und meine Seele vor den Verletzungen zu schützen.

Ich wollte mich meiner Angst stellen. Mich verteidigen. Mutig sein und stark werden. Es war der schwierigere Weg. Definitiv. Aber in diesem Fall glaube ich dem Spruch: Es kommt die Zeit, da musst du dich entscheiden, welchen Weg du gehen willst: Denn leichten oder den richtigen. Und ich habe den richtigen Weg eingeschlagen. Der zu mir und meinem inneren Frieden führt.

Und so habe ich es geschafft:

Meine 7 persönlichen Tipps im Umgang mit missbiligendem Vrrhalten

1. Inneren Halt finden

An dem Zeitpunkt, an dem ich für mich entschieden hatte, dass der Weg nicht weitergeht und ich für mich kämpfe, habe ich Frieden in mir gespürt. Ich wusste: das ist der richtige Weg. Ich handele so, wie es sich für mich richtig anfühlt – und das soll mein Halt sein.

2. Meine Arbeit gut machen

Ich wollte weiter mein Bestes geben, damit ich selbst mit meiner Arbeitsleistung zufrieden sein kann und meinem Chef nicht die Möglichkeit biete, mir etwas vorwerfen zu können.

3. Respekt erweisen

Für mich gilt nicht „ wie du mir so ich dir“. Ich wollte mich vertreten und die Werte, die für mich wichtig sind, auch leben. Respektlosigkeit meinerseits war keine Option. So blieb ich ihm gegenüber immer wertschätzend und höflich. So konnte ich mir auch hier nichts vorwerfen und mit meinem Verhalten zufrieden sein.

4. Abstand schaffen

Ich wurde meinem Cheg gegenüber sehr distanziert. Ich war höflich, aber nicht freundschaftlich, weil er mir persönlich zu nahe kam. Sowohl körperlich als auch durch seine Worte. Ich bin auch wieder zum „Sie“ gewechselt. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich mit dem „Du“ unwohl fühle und ihn ab sofort siezen werde. Auch wenn dieses Gespräch sehr unangenehm war, schaffte ich mir dadurch Distanz und brachte mich ein Stück weit in die Wohlfühlzone.

Er war darüber nicht erfreut, das hätte noch nie jemand gemacht und würde doch zum positiven Arbeitsklima beitragen. Er merkte noch an, er glaube, dass mein ehemaliger Arbeitgeber mich nicht mehr gewollt hätte, weil ich so eine kühle und unnahbare Art an mir habe. Auch hier erkannte ich Respektlosigkeit und seinen Versuch, das demütigende Gefühl, das er durch meine Ablehnung erfahren hat, auf mich zu übergeben, damit er es nicht fühlen muss.

“Es ist immer einfacher, Schmerz zuzufügen, als Schmerz zu fühlen.” – Brené Brown

Ich vertraute nur meinem Gefühl. Egal was er sagt, für mich war Abstand schaffen die richtige Entscheidung. Halt gab mir auch der Gedanke, dass ich wusste, wer ich bin und wie ich bin. Das allein zählt.

5. Mich fügen und hinnehmen

Es gibt Augenblicke, in denen man handeln muss und Augenblicke, in denen man hinnehmen muss. Ich habe manchmal Respektlosigkeit hingenommen. Mein Ego ruhen lassen um des Friedens Willen. Nicht, weil ich nicht im Recht gewesen, sondern weil es einfach unnötig und nicht hilfreich gewesen wäre. Soll mein Cheg seine Energie vergeuden. Ich schenke ihm meine nicht mehr. Ich füttere sein Ego nicht, in dem ich mich auflehne. Ich werde meine Konsequenzen ziehen – diese Tatsache hat mich gelassen gemacht, mir Macht geschenkt und mich beruhigt.

6. Problem ansprechen

Ich suchte das Gespräch, weil in mir alles danach geschrien hat, mir diese Respektlosigkeit nicht gefallen zu lassen. Sofern auch du das Gefühl hast, dass es richtig und wichtig für dich ist, das Problem anzusprechen, solltest du es tun. Es kann die schwierigste Aufgabe überhaupt sein, aber die nötigste, um den inneren Frieden wieder herzustellen. Denn unausgesprochener Ärger staut sich auf und füllt dich mit einer ganzen Ladung negativer Energie, die du mit dir herumträgst.

Es gibt Menschen, die direkt und mit vollen Emotionen ihre Meinung Kund tun. Davon rate ich ab. Denn einem Angriff – selbst wenn du im Recht sein solltest – wird ziemlich wahrscheinlich ein Gegenangriff folgen und konstruktive Lösungen werden nicht möglich sein. Daher versuche, den Weg für Lösungen zu schaffen, indem du erklärst, was dich stört. Dabei solltest du sensibel und diplomatisch sein.

So gehst du vor

  • Richtiger Zeitpunkt (hat er viel Stress? Viele Termine? Ist er gerade in einem ausgeglichenen Zustand?)
  • Richtiger Ort (am besten allein, bitte ihn evtl. um einen Termin, denn sonst könnte er das Gefühl haben, dass du ihn vor anderen bloßstellen willst)
  • Richtiges Maß (aufpassen, dass du nicht in Wut gerätst und persönlich angreifst. Bleib ruhig und zähle die relevanten Fakten auf, die das Problem betreffen. Hole keine längst vergangenen Verletzungen hervor. Bleibe aktuell)
  • Richtige Strategie (im Vorfeld überlegen, wie du das Problem ansprechen willst, rede aus deiner Perspektive „ich habe den Eindruck“, bleib ruhig und höflich, sofern es dir möglich ist)

Werde dir der Konsequenzen bewusst

Es ist ratsam, erst in Aktion zu treten wenn du das schlimmste Ergebnis durchgespielt hast. Dass ich mir keine Freunde mache, wenn ich ihn reize, war mir klar. Daher habe ich mir bewusst gemacht, mit welchen Konsequenzen ich zu leben hätte. Ich könnte gekündigt werden. Ich könnte psychisch belastet werden, weil er ausrastet. Ich habe es mir vorgestellt und es war ok. Nicht wünschenswert, aber einen Preis, den ich für meine Verteidigung zahlen würde und möchte.

Wenn du anderen vermittelst, dass dir das Ergebnis des Kampfes nicht viel bedeutet, verschwindet die Begeisterung für den Kampf, weil ihr Ziel: dich zu vernichten, nicht zum Tragen kommt. Ich habe etwas gefordert, obwohl mir mit Kündigung gedroht wurde und zeigte ihm, dass ich keine Angst habe – und habe diesen kleinen Kampf tatsächlich gewonnen. Mein Chef hat mich in einem ruhigen Gespräch gebeten, die Forderung doch fallen zu lassen.

Das Wichtigste für dich und deinen inneren Frieden ist: hinterher sagen zu können, du würdest es genauso wieder machen.

7. Nicht aufgeben

Auch wenn du das Gefühl hast, es bringt nichts. Kämpfe weiter. Der Glaube wird zu dir zurückkommen. Ich habe viel geweint. Ich habe gewankt zwischen Mut und Angst, habe mich in einem Moment stark gefühlt und geglaubt, alles durchziehen zu können und im nächsten Moment kam der Zweifel, der mir das Gefühl gab, an allem zu scheitern. Irgendwie habe ich immer wieder Hoffnung gefunden. Es war nicht leicht für mich, aber nun steh ich da, zwar geschwächt und doch viel stärker als je zuvor.

Meine Flucht aus der Höhle des Löwen

Ich habe zwei Wochen vor Ende der Probezeit einen neuen Job gefunden und gekündigt. Ich habe mich gefragt, ob ich meinem Chef die Wahrheit sagen soll – und habe es trotz Angst getan. Ich habe ehrlich und ruhig den Grund meiner Kündigung ausgesprochen.

Ich habe gesagt, dass ich die Atmosphäre unter ihm als so belastend empfinde, dass ich mir ein Arbeitsverhältnis auf Dauer nicht vorstellen kann. Darüber war er sehr aufgebracht, hat mich beschimnpft: “(…)Sie tun so, als sei ich der Fremdkörper hier. Wenn hier jemand der Fremdkörper ist, dann sind Sie das. Sie stören die ganze Atmosphäre hier. Ich habe mich bei den Kollegen erkundigt, die das ebenfalls so sehen. Demnach war das die logische Konsequenz, dass Sie irgendwann gehen, weil Sie hier überhaupt nicht rein passen!(…)”

Ich habe ihm nicht widersprochen. Ich habe ihm sozusagen “die zweite Wange hingehalten”. Ich habe ihm gesagt, dass ich das annehme, wenn das seine Meinung darüber ist. Geglaubt habe ich ihm natürlich nicht, auch wenn ich wusste, was er damit gemeint hat. Er hat schon immer meine ruhigere Art kritisiert, mit der er schwer umgehen konnte, weil er eben das Gegenteil ist. Ich wusste, wer ich bin und mir war klar, dass er die Schuld nie bei sich sehen würde. Meine Kollegen fanden es ganz schade, dass ich gehe. Ich wusste, sie mögen mich. Das Wissen darum hat mir gereicht.

Ich habe mir die letzte Ehre erwiesen und bin mit erhobenem Haupt gegangen. Und ich denke, ich habe ihn zum Nachdenken gebracht. Ob er sich ändert ist mir egal. Ich habe für mich alles richtig gemacht und vielleicht den Samen gepflanzt, der in ihm einmal heranwachsen wird und ihn zu einem respektvolleren Umgang bewegt. Vielleicht habe ich auch einige Kollegen zum Nachdenken angeregt, für sich selbst einzustehen und sich nicht alles gefallen zu lassen.

Vergiss nicht:

Egal wie der Kampf ausgeht, wenn du richtig gekämpft hast, hast du immer gewonnen.

Stehe für dich ein und finde zu deinem Frieden

Manchmal wirst du überraschend zu einem Kampf aufgefordert, den du nicht führen willst. Aber lass dir von anderen nicht sagen, wie du zu sein hast. Erlaube anderen nicht, die Macht zu haben, zu entscheiden, wie du leben sollst. Sobald du dich respektlos behandelt fühlst, höre auf dieses Gefühl und tue, was nötig ist.

Du bist für dich verantwortlich, so erweise dir selbst den Respekt und kämpfe für deine Freiheit. Stehe für dich ein. Akzeptiere nie, was inakzeptabel ist, akzeptiere nie Respektlosigkeit, weil du Angst hast, den Kampf zu führen oder weil du Angst hast, Sicherheit zu verlieren. Und warte nicht zu lange damit, weil dich jeder Stillstand unglücklicher macht und mit jedem Stillstand die Angst in dir wächst und damit der Mut verschwindet, für deine Freiheit zu kämpfen.

Und vergiss nicht, dass am Ende nicht die einzelne Schlacht, sondern der Ausgang des Krieges zählt, wie Paulo Coelho so schön sagte. „Wie auch immer der Kampf ausging, wenn dein Herz nun friedlich ist und du auf der richtigen Seite gekämpft hast, wirst du zufrieden und gestärkt hervorgehen.“

Ich habe versucht mit der Situation zurecht zu kommen, habe für mich gekämpft, habe meinen Chef meine Grenzen deutlich gemacht und mir Distanz geschafft. Es hat leider nicht ausgereicht – und ich habe meine Konsequenzen gezogen mit einem guten Gefühl.

Ich habe für mich gewonnen – Mut, Entscheidungsfähigkeit und Selbstbewusstsein. Ich war für mich selbst da, weil niemand anderes für mich da war – und habe mir das größte Geschenk gemacht: Mich selbst als liebevollen Freund.

Falls du respektlos behandelt wirst, wünsche ich dir, dass du von meinen Erfahrungen lernen kannst, wie du dich aus dieser Situation befreien und dir den Respekt erweisen kannst, den du verdienst: nämlich dir einen solchen Umgang nicht gefallen zu lassen.

Welche Erfahrungen hast du mit Respektlosigkeit gemacht? Was ist für dich ein respektloses Verhalten und wie gehst du damit um? Ich freue mich auf den Austausch mit dir.

Willst du selbstbewusst und gut für dich sorgen?

Wenn du nun den Wunsch verspürst, in Harmonie mit dir zu leben und selbstbewusst zu dir zu stehen, dann findest du in meinem Buch “Wach auf!” viele wertvolle Impulse dazu. Es ist ein umfassender Wegweiser zu einem Leben im Einklang mit dir, welches dir Zufriedenheit und wahre Erfüllung schenken wird.

Wer die Beiträge von Bettina zu lieben gelernt hat, der wird ​in ihrem Buch sein absolutes Lieblingsbuch finden… Für mich DAS Buch überhaupt, wenn es darum geht, seinen Weg fürs Leben zu finden !!! So authentisch, herzenswarm und lehrreich, besser geht es nicht, um sein Glück damit, mit den Händen zu packen … Danke, liebe Bettina 🙂 !!! – Anja

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10 Gedanken zu „Wie ich lernte, mit Respektlosigkeit umzugehen

  1. Avatar
    Matthias Antworten

    Liebe Bettina,

    danke für den ehrlichen Beitrag. Schön, wie du das rational aufgearbeitet und für dich die Verantwortung übernommen hast, trotz aller damit verbundenen Ängste und Widerstände. Ich finde es super wie du das gelöst hast. Das ist ein mutmachendes und nachahmenswertes Beispiel, wie ich meine. Mein Respekt…

    Liebe Grüße von Matthias

    • Bettina
      Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Lieber Matthias,

      ganz lieben Dank für deine aufbauenden und bestärkenden Worte. Da ich auch Angst hatte, mit diesem Beitrag an die Öffentlichkeit zu gehen, tun sie mir sehr gut.

      Liebe Grüße
      Bettina

  2. Avatar
    Torsten Antworten

    Daaaankeschööön für deine wunderschöönen hilfreichen Worte.
    Ich befinde mich seit mehreren Jahre genau in der gleichen Situation. Vor allem eins hat mich wirklich überwältigt: Abstand schaffen! Weg vom “vertrauten“ Du – hin zu erst Meter, dann Kilometer zwischen sich und der Distanzlosigkeit zu bringen. Denn “vertraut“ war mir das mobben, erniedrigen, denunzieren, vor allen anderen in Frage stellen, herabwerten…das gesamte charakterlich respektlose Verhalten des Vorgesetzten nie und so werden, oder es ihm gleich heimzahlen, das war ich auch nie, wollte ich nie werden und werde ich auch nieee werden. Jetzt die kommenden Monate werde ich solange es irgend geht den Abstand vollziehen… und ja, schon beim Schreiben der Dankeschön Zeilen fühle ich mich schon wieder besser.

    Daaanke von Torsten

    • Bettina
      Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Lieber Torsten,
      ich danke dir für dieses wundervolle Feedback. Es hat mich große Überwindung gekostet, diesen Beitrag zu schreiben. Umso mehr freut es mich, wenn ich dir damit helfen konnte und du für dich einen Weg gefunden hast, mit deiner aktuellen Situation besser umzugehen.
      Ich wünsche dir von Herzen alle Kraft und allen Mut den es braucht, um den Abstand zu schaffen und wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
      Alles Liebe
      Bettina

  3. Avatar
    Anette O. Antworten

    Hallo Bettina, hab gerade deinen Beitrag gelesen. Deine Worte haben mir sehr geholfen. Ich habe beruflich gerade eine ähnliche Situation durchlebt. Und leider privat auch noch Respektlosigkeit in der Ehe. Also zwei Fronten, an denen ich zu kämpfen hab. Ich weiß, da braucht man doppelt soviel Kraft. Aber oft spüre ich schon den Frieden im Herzen, von den du sprichst und ich weiß, auch wenn die Angst immer einmal wieder zurück kommt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Danke für deinen Beitrag. Er hat mir geholfen, einiges gedanklich für mich zu ordnen. L. G. Anette

    • Bettina
      Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Hallo liebe Anette,
      vielen Dank für diese Rückmeldung, das freut mich sehr. Das ist natürlich eine doppelte Belastung, die noch mehr Kraft erfordert.
      Mögest du weiterhin die Stärke und den Frieden finden, um diese Zeit zu überstehen.
      Alles Liebe
      Bettina

  4. Avatar
    Anne Antworten

    Liebe Bettina,
    herzlichen Dank für Deinen wunderbaren Beitrag zu diesem Thema. Ich habe selbst gerade eine sehr ähnliche berufliche Situation beendet, wenn auch mit dem Ergebnis, erst mal wieder arbeitslos zu sein. Trotzdem war es DEFINITIV die richtige Entscheidung und auch mit der gleichen Vorgehensweise wie Du sie beschrieben hast…ich bin mir selbst treu geblieben. Ich konnte tatsächlich genau dieses geforderte / gelebte Abstumpfen nicht mehr ertragen. Diese Woche habe ich 2 Vorstellungsgespräche und nun taucht ständig diese Panik auf, dass alles wieder genauso kommt bzw. es nur solche unfähigen Chefs / Arbeitsstellen gibt. Ich weiss, ich sollte mich nicht auf das Negative konzentrieren, sondern mich positiv ausrichten, aber es fällt mir zugegebenermassen schwer. Ist es Dir inzwischen besser ergangen? Das würde mich sehr freuen und auch Mut machen. Nochmals ganz lieben Dank und einen schönen Tag, liebe Grüße, Anne

    • BETTINA
      BETTINA Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Anne,

      vielen Dank für deine positive Rückmeldung zu diesem Beitrag. Ich kann deine Situation gut nachvollziehen. Hätte ich den neuen Job nicht gehabt, hätte ich trotzdem gekündigt. Ich habe mittlerweile die zweite Stelle angenommen und kann sagen, dass es auf jeden Fall menschlichere Chefs und eine angenehmere Arbeitsatmosphäre gibt. Meiner Erfahrung nach haben viele Vorgesetzte mehr den unternehmerischen Erfolg im Sinn, als das menschliche Wohlergehen, was zum Teil aber auch irgendwo verständlich und für ein Unternehmen natürlich auch wichtig ist. Auch diese Menschen wandern oft auf einem Grat zwischen Menschlichkeit und “Druck von oben”. Was keine Entschuldigung sein soll.

      Angst, dass es wieder so kommen wird, hatte ich zu keinem Zeitpunkt. Weil jeder Mensch anders ist. Mir war es eine Lehre, besser auf meine Bedürfnisse und Grenzen zu achten. Deutlicher zu kommunizieren und klarere Linien zu ziehen. Dadurch kann ich jetzt meine Balance halten, auch wenn es jetzt noch hin und wieder herausfordernd ist. Erlaube auch du dem Neuen, neu sein zu dürfen. Deine Angst darf ruhig (im Hintergrund) da sein. Sie ist verständlich und möchte dich schützen. Doch erlaube nicht, dass sie die Führung übernimmt. Nimm du sie an der Hand und zeige ihr behutsam, dass es auch anders gehen kann und dass eine Person (dein ehemaliger Chef) keineswegs für alle Chefs steht.

      Ich wünsche dir von Herzen viel Vertrauen und Zuversicht für deine Vorstellungsgespräche. Erzähl mir gerne, wie es dir ergangen ist.
      Liebe Grüße
      Bettina

  5. Avatar
    Mary Antworten

    Liebe Bettina,

    vielen Dank für den schönen und hilfreichen Beitrag. Ich habe gerade erst eine neue
    Stelle angenommen und meine Vorgängerin ( die bald in Ruhestand geht) macht mir das Leben zur Hölle.
    Für mich ist es unfassbar schwer damit umzugehen.
    Respekt zählt für mich zum obersten Gebot, meine Welt wird gerade regelrecht erschüttert.
    z.Bsp. Heute, war bei mir ein Punkt erreicht, an dem ich nur noch heulend am Tisch saß und nicht mehr wusste was ich tun soll.
    Man ist so entsetzt und machtlos, aber auch wütend über sich selbst nicht was gesagt zu haben.

    Dein Beitrag hat mir sehr weitergeholfen, ich weiß nun was ich tun muss und auch tun werde, um einfach mir treu zu bleiben.

    Ich wünsche Dir alles Liebe

    Mary
    I

    • BETTINA
      BETTINA Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Mary,
      ich danke dir sehr für dein Feedback zum Beitrag. Ich kann erahnen, wie du dich fühlst und freue mich sehr, dass dir der Beitrag weitergeholfen hat.
      Mögest du gut für dich sorgen und an den Herausforderungen wachsen.
      Alles Liebe
      Bettina

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