Veränderungen – Warum du vom Tal der Tränen wissen solltest

Und warum es Bestandteil jeder großen Veränderung ist

Hast du schon mal vom Tal der Tränen gehört?

Selbst wenn nicht, bin ich mir sicher, dass du es auch schon durchwandert hast.

Die meisten Menschen mögen keine Veränderung. Und selbst diejenigen, die Veränderung wollen, erleben häufig, dass sie diesen Wandel nicht so leicht annehmen können, wie sie es erwartet oder erhofft hatten. Dass ihr Herz nicht so leicht von der neuen Situation zu überzeugen ist, wie der Verstand. Kennst du das?

Eine Veränderung ist immer das Loslassen von etwas Altem und Gewohntem und ein Einlassen auf etwas Neues und Unberechenbares. Dieses Unbekannte und Unkontrollierebare wirkt oft bedrohlich. Vor allem dann, wenn es um starke Veränderungen geht. Und genau bei diesen intensiven Veränderungen kommt das Tal der Tränen ins Spiel.

Die Veränderungskurve

(Nach dem Change Management-Modell von Richard K. Streich)

Diese 7 Phasen der Veränderung durchläuft jeder Mensch

  • Bei großen Veränderungen wie Trennung, Tod oder Jobverlust.
  • Bei positiven wie negativen Veränderungen (positiv zum Beispiel Schwangerschaft).
  • Fast täglich im Alltag im Kleinen (Zum Beispiel Bus verpasst)

Die Kurve in der Grafik veranschaulicht, welche emotionale Berg- und Talfahrt Menschen während einer solchen Veränderung durchleben.

Nicht jeder durchläuft diese Phasen gleich. Sie können von Mensch zu Mensch variieren, beispielsweise kürzer oder länger sein, intensiver und weniger intensiv. Es kann auch passieren, dass Menschen Phasen nur streifen oder aber auch, dass sie in Phasen stecken bleiben – wenn sie nie den Zustand der Akzeptanz erreichen.

Phasen im Veränderungsprozess

Phase 1: Schock / Euphorie

Je nach Art der Veränderung gibt es als erste Reaktion Schock oder Euphorie. Das kommt ganz darauf an, ob die Veränderung von dir selbst gewollt / initiiert ist oder ob sie dich völlig unvorbereitet getroffen und überrumpelt hat.

Schock: Zum Beispiel Tod eines Menschen / Bus verpasst
Euphorie: zum Beispiel Schwangerschaft / Vielversprechendes Jobangebot in einer neuen Stadt

Phase 2: Verneinung

Nach dem Schock (oder der ersten Euphorie) kommt der Widerstand. Widerstand gegenüber den tatsächlichen Auswirkungen dieser Veränderung. Du kannst nicht glauben, was passiert ist. “Nein, das kann nicht sein, dass ich den Bus verpasst habe!” “Nein, ich kann nicht schwanger sein!” “Nein das ist mir jetzt nicht wirklich passiert?!”

Die Ablehnung kommt entweder deshalb, weil du die Veränderung gar nicht wolltest oder weil die Veränderung größer ist, als du gedacht hast. Du hast Angst, dass dir die Kraft für diese Veränderung fehlt oder ins Unbekannte zu treten und damit die Kontrolle zu verlieren.

Das Neue fühlt sich plötzlich so ungewohnt und beängstigend an, dass du es (doch) nicht haben willst. Du willst das Alte zurück. Du sehnst dich regelrecht danach, weil du dich dort wohlgefühl hast. Nicht immer deshalb, weil es dir gutgetan hat, sondern deshalb, weil du dich dort ausgekannt hast. Das Alte ist dir vertraut und fühlt sich deshalb nach Sicherheit an. Und Sicherheit ist für unsere Psyche das oberste Gebot.

(Hier besteht bei selbst initiierter Veränderung die Gefahr, in alte und ungesunden Situationen zurück zu gehen/fallen wie zum Beispiel giftige Beziehungen oder krankmachende Jobs. Bei großen Veränderungen ist daher die Unterstützung von einem Coach/Therapeuten sehr hilfreich, damit die gewünschte Veränderung erfolgreich gelingt.)

Phase 3: Einsicht

Langsam kommt die Gewissheit und Erkenntnis, dass du dich vor der Veränderung nicht drücken kannst. Die Veränderung kommt oder ist bereits da und du kannst nicht vor ihr davon laufen. Die Phase der Einsicht wird oft begleitet von einem Auf und Ab an Gefühlen wie Wut, Freude oder Trauer. Es ist das Hin und Her zwischen Nein und Ja. Das innere Aufgeben des Widerstands, weil du weißt, dass die Veränderung nicht mehr vermeidbar oder nicht zu leugnen ist.

Phase 4: Tal der Tränen

Du weißt nun, dass die Veränderung dich betrifft. Das führt oft zur Verzweiflung. Du fragst dich, wie es weiter gehen soll, weil du nicht weißt, wie du mit der Situation umgehen sollst. Du kannst dir nicht vorstellen, wie du sie meistern und mit dieser Veränderung leben kannst. Es ist das Tal der Tränen. Der tiefste Punkt im Veränderungsprozess.

Phase 5: Akzeptanz

Du stellst fest, dass das Leben weitergeht und es keinen Ausweg gibt, als sich mit der neuen Situation anzufreunden. Du bist bereit, dich mit der neuen Situation zu arrangieren.

Phase 6: Ausprobieren

Du suchst Wege und Möglichkeiten, wie du mit der Veränderung zurechtkommen kannst. Du gehst erste Schritte und probierst dich aus. Du lernst, was funktioniert und was nicht und orientierst dich an den Strategien, die dir helfen, im Neuen wirklich anzukommen. Hier gibt es häufig Ärger und Frust durch Misserfolge, genauso wie Zuversicht und Zufriedenheit durch Erfolge.

Phase 7: Intergration

Die Strategien, die helfen, behältst du bei und intergrierst sie erfolgreich in deinen Alltag. Nun kann es weiter aufwärts gehen.

Wisse um den Prozess der Veränderung

Ein chinesisches Sprichwort lautet: Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.

Für die eigene Entwicklung ist es hilfreich zu wissen, dass es das Tal der Tränen gibt und dass du es bei großen Veränderungsprozessen durchlaufen wirst. Dadurch kannst du dein Verhalten verstehen lernen und erkennen, dass die emotionalen Phasen, die du durchlebst, normal sind, die Verneinung, die Ablehnung, die Krise. Dir wird bewusst, dass sich am tiefsten Punkt der Wandel einstellen wird und sich dein Leben zum Besseren ändern wird.

 Wichtig ist, dass du in diesen Phasen liebevoll mit dir umgehst und darum weißt, dass die menschliche Psyche seine Zeit braucht, um Neues anzunehmen.

Dass das Herz länger braucht, als der Verstand.

Gib dir Zeit. Sei mitfühlend und verständnisvoll.

Alles wird vorbübergehen – wenn du nicht stehen bleibst.
Alles wird besser werden – wenn du weiter gehst.

Das sagte schon Martin Luther King:
“Wenn Du nicht fliegen kannst renne,
wenn Du nicht rennen kannst gehe,
wenn Du nicht gehen kannst krabble,
aber was auch immer Du tust, Du musst weitermachen.”

Erkennst du dich im Tal der Tränen wieder? Wann hast du es durchwandert und was hat dir dabei geholfen?

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5 Gedanken zu „Veränderungen – Warum du vom Tal der Tränen wissen solltest

  1. Martin Antworten

    Danke Bettina,

    auch in mir vollziehen sich gerade große Veränderungen. Ja es ist die Akzeptanz die den Weg frei macht. Wie sagt der Volksmund so schön: “Wir sollen dem lieben Gott für alles dankbar sein, sogar für eine Tracht Prügel.” Und es ist die Frage: “Wie kann ich glücklich sein, auch wenn die Situation so bleibt?” Das Leben hat die Tendenz unsere Fragen zu beantworten.

    Ich wünsch Dir alles Liebe,

    Martin

  2. Hanspeter Antworten

    Die Grafik ‘Tal der Tränen’ erinnert mich an diese Grafik Dunning-Kruger-Effekt – Mediale Dystopie führt zu kognitiver Dissonanz

  3. Inasuki Antworten

    Wichtig ist, dass du in diesen Phasen liebevoll mit dir umgehst und darum weißt, dass die menschliche Psyche seine Zeit braucht, um Neues anzunehmen.

    DIE Psyche….. braucht IHRE Zeit…..

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