Hochsensibel im Beruf – Worauf hochsensible Menschen achten sollten

16. Mai 2021

Für hochsensible Menschen ist das Berufsleben oft eine große Herausforderung. Sowohl die Arbeitsanforderungen und -bedingungen als auch das Arbeitsklima sind für das empfindsame Nervensystem und die Wesensmerkmale hochsensibler Menschen meist nicht geeignet und können sie daher sehr belasten.

Was in Bezug zum Berufsleben allgemein wichtig zu wissen ist, wenn du hochsensibel bist, welche konkreten Herausforderungen dir im Berufsleben begegnen können und worauf du selbst achten kannst, um dich am Arbeitsplatz wohl zu fühlen, erfährst du in diesem Artikel.

Hochsensibel im Berufsalltag – Die größte Gefahr: Anpassung

Hochsensible Menschen nehmen über ihre Sinne sehr viel mehr Reize wahr und verarbeiten diese intensiver, als die meisten anderen Menschen. Im Vergleich zu anderen Menschen haben sie daher ein stark verändertes inneres und äußeres Erleben. Das führt dazu, dass sich Hochsensible in menschlicher Gesellschaft oft „anders“, „falsch“ und „wie von einem anderen Stern“ fühlen.

Wenn feinfühlige Menschen nicht um ihre Hochsensibilität wissen, ist ihnen nicht einmal bewusst, warum sie sich so anders fühlen. Sie fühlen sich lediglich „falsch“ und getrennt von den anderen. Aus diesem Gefühl heraus erwächst die Sehnsucht nach Verbundenheit – und mit ihr der große Wunsch „Normal“ zu sein und dazuzugehören.

So war das auch bei mir.

Ich fühlte mich schon immer wie nicht von dieser Welt und wollte schon immer so sein, wie „die Anderen“, um dazuzugehören.

Auch im Arbeitsleben.

Als ich die Ausbildung zur Krankenschwester begann, wurde mir jedoch schnell bewusst, dass ich nicht so belastbar und leistungsstark bin, wie die anderen Azubis und wie es in diesem Beruf gefordert ist.  Die Schichtarbeit machte mir sehr zu schaffen und die psychischen und körperlichen Belastungen wirkten lange nach. Und so sehr ich diesen Beruf nach zwei Monaten wechseln wollte, machte ich doch weiter. Die drei Jahre Ausbildung waren sehr hart für mich, doch ich glaubte, ich müsse da durch und einfach stärker und belastbarer werden – so wie „die Anderen“.

Und zeitgleich merkte ich, dass mir das immer weniger gelang.

Der Zusammenbruch

Ein Jahr nach meinem Examen wechselte ich vom Klinikalltag in die ambulante Krankenpflege. Ich wollte der Nachtschicht im Krankenhaus, durch die ich starke Schlafprobleme bekommen hatte, entkommen. Doch anstatt in die Befreiung, führte ich mich vom Regen in die Traufe: 12-Tage-Schichten, geteilte Dienste, zum Teil schlimme häusliche Zustände, das viele Leid der Patienten, mein hohes Einfühlungsvermögen und meine mangelnde Abgrenzungsfähigkeit führten mich in die totale Erschöpfung und letzten Endes zu einem Nervenzusammenbruch.

Mein System war in so hohem Maße überlastet, dass es zusammenbrach. Die Schieflage, in die ich mich über die Jahre gebracht hatte, konnte ich nur sehr mühsam wieder ausbalancieren. Ein Schlüsselerlebnis dabei war die Erkenntnis über meine Hochsensibilität.

Als ich anfing zu begreifen, dass ich ein anderes System habe, als die meisten Menschen und verstand, wie dieses System funktioniert, verstand ich auch plötzlich, warum mir das Berufsleben oft so anstrengend vorkam und warum mir so viele Herausforderungen darin begegneten.

Ich begann zunehmend, mich mit meinem empfindsamen Wesen und Nervensystem auseinanderzusetzen und mich damit anzufreunden.

Der wichtigste Schritt: Selbstannahme und Selbstverständnis

Viele hochsensible Menschen gehen zunächst den Weg der Selbstoptimierung und es ist auch nicht verkehrt, an sich selbst zu arbeiten. Wenn durch Selbstoptimierung jedoch versucht wird, das eigene Wesen im Kern zu verändert, nimmt sie eine ungesunde Richtung an, die nicht nur in Stress ausartet, sondern auch ins Leere läuft. Denn der eigene Wesenskern – und dazu gehört die Hochsensibilität – lässt sich nicht wegoptimieren.

Sich „Ein dickeres Fell wachsen lassen“, Respektlosigkeit ertragen lernen oder so tun, als würden einem Leistungsdruck und lange Arbeitstage nichts ausmachen, funktioniert auf Dauer nicht. Das durfte auch ich auf schmerzhafte Weise lernen.

Wenn du hochsensibel bist, geht es nicht darum, die „Schwächen“ deines empfindsamen Wesens auszumerzen, sondern diese zu integrieren und einen heilsamen Umgang mit ihnen zu finden.

Der Weg führt daher über die Selbstannahme – die Akzeptanz deinem empfindsamen Wesen und System gegenüber. Daraus erwächst auch dein Selbstwertgefühl, das du benötigst, um dir selbst treu bleiben und gut für dich sorgen zu können.

Wenn du an deinem Selbstwertgefühl intensiver arbeiten möchtest, empfehle ich dir diesen Artikel: Selbstwert stärken – Die Basis für dein glückliches Leben und den Kurs: Endlich wertvoll! Dein Weg zu einem neuen ICH.

Respektiere deine Bauweise

Ich spreche oft von „Bauweise“ und deinem „System“ und das mache mit Absicht, auch wenn du diese Formulierungen vielleicht abstrakt, technisch oder gar „seelenlos“ empfindest. 😉 Doch es ist tatsächlich DEIN SYSTEM, das so empfindsam ist und durch das deine Seele dieses Leben erfährt. Du selbst kannst nichts dafür, dass du „so gebaut“ bist. Ja, deine Hochsensibilität hat einen Nutzen und Sinn, das steht außer Frage.

Nur darfst du dein System nicht mit anderen Systemen vergleichen und deinen Wert am Ergebnis dieses Vergleichs bestimmen.

Nicht nur deshalb, weil du immer schlechter abschneiden wirst, da du zu einer Minderheit gehörst, sondern auch deshalb, weil es irrelevant ist. Du bist so, wie du bist, die anderen sind so, wie sie sind und alle werden genau so gebraucht, wie sie sind.

Ein Schmetterling ist auch kein Vogel und wird auch nie einer werden. Er vergleicht sich auch nicht mit einem Vogel. Beide Tierarten sind so gewollt, wie sie sind und werden für den Erhalt unseres Planeten auch genau so gebraucht, wie sie sind.

Mache dir bewusst, dass jedes Lebewesen das Leben in seinem eigenen System erfährt.

Ein Schmetterling mit seiner „Bauweise“ wird immer zart sein, leicht vom Wind erfasst werden und empfindsame Flügel haben, die leicht verletzt werden können. Wenn er das erkennt, in Harmonie mit seiner Bauweise lebt sowie seine individuellen Fähigkeiten und Stärken einsetzt, wird er gut leben können und seine Aufgabe als Schmetterling auf die beste Weise erfüllen.

Du bist mit einem besonders empfindsamen Nervensystem ausgestattet, das du samt deiner dazugehörigen Wesensmerkmale verstehen lernen darfst. Und wenn du dieses System anerkennst, achtest und deine persönlichen Gaben erkennst sowie einsetzt, wirst du gut leben können und deinen Platz hier auf der Erde auf die beste Weise ausfüllen.

Und soll ich dir noch was sagen?

Du bist gar nicht weniger belastbar, als andere Menschen

Ja, du hast richtig gehört:

Du bist nicht weniger belastbar, als andere Menschen.

Das ist ein verbreiteter Glaubenssatz, der vor allem im Berufsleben sehr an deinem Selbstwert nagen kann. Nach außen hin magst du im Vergleich mit anderen Menschen in Bezug zu Dauer und Arbeitsumfang weniger belastbar sein, doch das ist nicht die Wahrheit.

Du bist nicht weniger belastbar Du verarbeitest einfach mehr Reize in der gleichen Zeit!

Im Vergleich zu anderen bist du ein Hochleistungsrechner, der mehr viel Informationen aufnimmt und verarbeitet und dadurch schneller an seiner Belastungsgrenze ist. Während andere Menschen einen stärkeren Filter haben, der ihr System vor zu vielen Reizen schützt, lässt dein Filter viel mehr Reize hindurch und beschäftigt dich und dein System in viel höherem Ausmaß – auf einer nicht sichtbaren Ebene wohlgemerkt!

Dann ist eine schnellere Erschöpfung völlig einleuchtend, nicht wahr?

Also nochmal: Du bist nicht weniger belastbar, als andere Menschen, sondern du verarbeitest lediglich mehr Informationen in der gleichen Zeit.

Der Verarbeitungsumfang und die Verarbeitungstiefe sind Parameter, die von der Allgemeinheit leider völlig außen vor gelassen werden, wenn es um das Ausmaß der Belastbarkeit eines hochsensiblen Menschen geht. Diese Parameter sind jedoch für eine korrekte Einschätzung elementar wichtig sind. Wenn man diese berücksichtigt, wirft es ein ganz anderes Bild auf die Belastbarkeit eines hochsensiblen Menschen.

Auch ein Schmetterling, der bei starkem Wind fliegt, wird schneller erschöpft sein, als ein Vogel, da der Schmetterling mit seinen zarten Flügeln viel mehr Energie aufbringen muss, um dem Sturm standzuhalten, als der Vogel. Nach außen hin, ausschließlich an der Zeit und an den Bedingungen (Sturm) gemessen, wird der Schmetterling weniger leistungsstark wirken und schneller erschöpft sein. Wenn man neben der Dauer und die Bedingungen aber auch die jeweilige Bauweise berücksichtigt und den Energieaufwand eines jeden einzelnen Wesens, ergibt das ein völlig anderes Ergebnis.

Wisse du für dich, dass viel mehr in dir passiert als das, was im Außen wahrgenommen wird und in Wahrheit nicht weniger belastbar bist, als andere Menschen.

Bewerte dich neu.

Lerne, dein empfindsames Wesen und Nervensystem zu verstehen, respektiere es und achte es und lebe in Harmonie damit. Wie der Schmetterling. Wie der Vogel. Dann kannst du Herausforderungen vorbeugen und diese auch gut bewältigen.

Zehn Herausforderungen, die feinfühlige Menschen am Arbeitsplatz haben

Wenn du deine Art der Wahrnehmung und deine Wesensmerkmale zu verstehen beginnst, wirst du leicht nachvollziehen können, warum du als hochsensibler Mensch deine Schwierigkeiten im Berufsleben hast.

Grob sind diese Problematiken in zwei Bereiche einzuordnen:

  1. Äußere, ungünstige Rahmenbedingungen, die zu Überreizung führen
  2. Zwischenmenschliche Probleme und innere Konflikte, die starken Stress auslösen

Konkret können das folgende sein

1. Großraumbüros & Reizüberflutung

Hochsensible Menschen Großraumbüro

Die große Wahrnehmungsbreite und die Verarbeitungstiefe von Eindrücken führen bei hochsensiblen Menschen leicht zu einer Überreizung ihres Nervensystems und kann, wenn nicht gegengelenkt wird, zur völligen Erschöpfung führen.

Eine große Herausforderung ist daher der Einfluss von zu vielen oder intensiven Reizen am Arbeitsplatz, zu denen auch der Kontakt zu Menschen zählt. Vor allem Großraumbüros sind durch die vielen Energien, ständige Hintergrundgeräusche wie Gespräche, Telefonklingeln oder Tippgeräusche sowie stickige Luft, Temperaturschwankungen oder grelles, künstliches Licht besonders belastend. Ebenso Berufszweige, in denen man über lange Zeit mit vielen Menschen Kontakt hat und im Austausch ist.

2. Zeitdruck und Leistungsdruck

Auf Druck reagieren hochsensible Menschen oft besonders stark. Der äußere Druck spiegelt sich im inneren Erleben wieder – sie fühlen sich regelrecht erdrückt, eingeengt und in ihren Möglichkeiten beschnitten. Zeit- und Leistungsdruck kann sie daher in starke innere Unruhe versetzen, sie ohnmächtig fühlen lassen und in ihrer Kreativität und Leistungsfähigkeit sehr blockieren.

3. Mangelnde Entscheidungskraft & vielseitiges Interesse

Viele hochsensible Menschen sind vielseitig interessiert und begabt, daher kann es ihnen sehr schwerfallen, sich für einen Berufsweg zu entscheiden. Eine Festlegung würde für sie bedeuten, sich in ihren Freiheiten und Möglichkeiten einzuschränken, was ihnen widerstrebt. Sie fühlen sich dann oft innerlich zerrissen, beginnen Dinge motiviert, hören diese wieder auf, weil sie an etwas Neuem interessiert sind oder weil sie sich nicht entscheiden können, welcher Weg der richtige für sie ist.

Auch am Arbeitsplatz kann das vielseitige Interesse von hochsensiblen Menschen zu einer Bewährungsprobe werden und zwar dann, wenn ihr Aufgabengebiet zu klein und zu wenig fordernd für sie ist. Dann können sie aufgrund der Unterforderung und Einseitigkeit das Interesse und die Motivation an der Arbeit verlieren.

4. Unregelmäßige Arbeitszeiten

Unregelmäßige Arbeitszeiten und Schichtdienste können hochsensible Menschen sehr in ihrer Balance stören. Das durfte ich in meiner Zeit als Krankenschwester in hohem Ausmaß selbst erleben.

Nicht nur der Tag-/Nachtrhythmus kommt durcheinander, der die Erholung erschwert. Ebenso löst der bevorstehende „Termin“ (die kommende Schicht) oft Stress aus. Die Gedanken kreisen schon Stunden vorher um den bevorstehenden Dienst, wodurch die innere Ruhe und Konzentrationsfähigkeit verloren gehen und die freie Zeit nicht wirklich genossen und effektiv genutzt werden kann. Starke Einschlaf- und Durchschlafprobleme sowie innere Unruhe trieben mich zu Zeiten des Schichtdienstes oft umher.

5. Sich Gehör verschaffen

Viele hochsensible Menschen sind introvertiert, sehr bedacht und zurückhaltend in ihrem Verhalten. Ebenso haben sie oft ein großes Harmoniebedürfnis, durch das sie Konflikte und Diskussionen tunlichst zu vermeiden versuchen. Dadurch kann es ihnen sehr schwerfallen, sich im Beruf Gehör zu verschaffen, eigene Wünsche, Bedürfnisse und Ideen zu kommunizieren und ihren Platz im Unternehmen einzunehmen.

Zudem sind in der Arbeitswelt meist die lauten und dominanten Menschen die Helden und Führer – und das unabhängig davon, ob sie auch die nötigen Qualitäten dafür mitbringen. „Laut gewinnt“ ist das Motto. Dieser Umstand erschwert es hochsensiblen, ruhigen Menschen zusätzlich, sich mitzuteilen. Die Folge: Sie werden nicht nur überhört, sondern oft auch als nicht durchsetzungsstark wahrgenommen und abgestempelt.

6. Stärken und Fähigkeiten zeigen

Feinfühlige Menschen haben besondere Stärken, wie einen ausgeprägten Blick für Details, eine hohe Empathie- und Kommunikationsfähigkeit oder ein großes Organisationstalent, mit denen sie wertvolle Beiträge für ein Unternehmen leisten können. Die Stärken und Fähigkeiten von hochsensiblen Menschen kommen jedoch oft nur bedingt zum Einsatz, weil sie entweder in der lauten Arbeitswelt übersehen werden oder weil die starke Reizüberflutung am Arbeitsplatz in die Überlastung und Erschöpfung führt und das Potential unter sich begräbt.

7. Schlechtes Betriebsklima und schroffer Umgangston

Hochsensible Menschen sind sehr empfänglich für die Energien um sie herum. Sie spüren Missstimmungen oder schwelende Konflikte oft sehr schnell. Unzufriedenheit, Ärger oder Ängste übertragen sich leicht auf sie, wenn sie sich nicht zu schützen gelernt haben.

Auch ein schroffer und respektloser Umgangston versetzt ihr empfindsames Nervensystem schnell in Unruhe. Harsche Kritik kann hochsensible Menschen auch emotional leicht aufwühlen und zum Weinen bringen. Da in der heutigen (Arbeits-)Welt leider sehr viel Druck, Anspannung und ein entsprechender Umgangston herrscht, sind sie mit dieser Thematik leider häufig konfrontiert.

8. Konflikt zw. eigenen Werten und gelebten Werten im Beruf

Werte spielen bei der Zufriedenheit im Leben eine zentrale Rolle. Wenn die eigenen, wichtigsten Werte nicht gelebt werden (können), wird das auf Dauer mit 100%-iger Sicherheit unzufrieden machen.

Hochsensible Menschen haben oft einen starken Gerechtigkeitssinn und legen Wert auf Respekt und Wertschätzung im Miteinander. Wenn diese (oder andere für sie wichtige) Werte am Arbeitsplatz nicht gelebt werden, wird es ihnen schwerfallen, dort zu arbeiten und langfristig zufrieden zu sein. In einem solchen Fall stehen sie in einem Werte-Konflikt, können oft schwer akzeptieren, was am Arbeitsplatz gelebt wird und dass sie – durch ihre Arbeit in diesem Unternehmen – diese Werte ebenfalls vertreten. Das widerspricht ihnen und ihrem Wunsch nach Authentizität zutiefst.

Einen solchen Wertekonflikt durfte ich selbst leider schon mehrfach erleben, gerade in Bezug zu einem respektvollen Miteinander. Einen Erfahrungsbericht davon findest du hier: „Die Höhle des Löwen“ – Wie ich lernte, mit Respektlosigkeit umzugehen

9. Fehlende Sinnhaftigkeit

Hochsensible Menschen sehnen sich oft nach einer sinnhaften Tätigkeit und wollen einen wertvollen Beitrag (für das große Ganze) leisten. Deswegen sind sie auch oft in sozialen Berufen oder im Dienstleistungs-/Servicesektor anzutreffen. Oft wird eine Berufswahl jedoch aus der Vernunft heraus getroffen oder von außen stark beeinflusst, wodurch das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit meist als erstes untergeht. Wenn hochsensible Menschen nun in einem Beruf tätig sind, der für sie wenig sinnhaft ist, kann mit der Zeit die Motivation und Freude am Beruf verloren gehen und stattdessen der Wunsch nach „etwas Größerem“ in ihnen keimen.

10. Verantwortungsbewusstsein und Perfektionismus

Feinfühlige Menschen haben oft ein hohes Verantwortungsbewusstsein und neigen zum Perfektionismus. Das kann dazu führen, dass sie aus dem Gefühl der Verpflichtung heraus viele Überstunden machen oder aus ihrem eigenen hohen Erwartungsanspruch heraus, sich lange an Details aufhängen und die Arbeit nach dem Feierabend schwer ruhen lassen können. Wer sich da nicht rechtzeitig abgrenzt und gut für sich sorgt, hat oft mit Gedankenkreisen, Schlafproblemen oder innerer Unruhe zu kämpfen.

Wenn keine Lösung in Sicht ist…

Hochsensible Menschen im Beruf

Diese zehn aufgezählten Punkte sind ein paar der möglichen Herausforderungen, denen hochsensible Menschen im Berufsleben begegnen können. Wenn diese Herausforderungen nicht bewältigt werden oder ihnen vorgebeugt wird, kann das weitere negative Auswirkungen auf den Arbeitsalltag sowie die Arbeit haben.

  • Resignation („innere Kündigung“, „Dienst nach Vorschrift“) und damit einhergehend mangelnde Motivation und Einsatzbereitschaft.
  • Zunehmendes Unwohlsein in Bezug zur Arbeit, innere Unruhe, Gedankenkreisen und Ängste
  • Innerer Rückzug am Arbeitsplatz mit der Folge, stiller zu werden und sich von der Teamgemeinschaft vermehrt abzugrenzen.
  • Zunehmendes Stressempfinden, das sich negativ auf die Leistung und Gesundheit auswirkt und schlimmstenfalls zu Krankheit führt.
  • Innere (Werte-)Konflikte, die sich nach außen hin in zwischenmenschlichen Konflikten zeigen.

Wer an diesem Punkt angekommen ist, dem wird oft klar, dass das Arbeiten an diesem Arbeitsplatz oder in diesem Unternehmen für ihn nicht mehr auszuhalten ist. In vielen Fällen bleibt für den hochsensiblen Menschen als einzen Ausweg nur die Kündigung (sofern er sich der damit einhergehenden neuen Herausforderung, seinen Job aufzugeben und einen neuen Arbeitsplatz zu suchen, mental und emotional gewachsen sieht.)

Die angesprochenen Probleme können jedoch umgangen oder ihnen vorgebeugt werden. Dazu stelle ich dir nun ein paar Anhaltspunkte vor, an denen du dich orientieren kannst.

Acht geeignete Arbeitsbedingungen für hochempfindsame Menschen

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können feinfühle Menschen sehr engagiert, motiviert und effizient arbeiten und mit ihren Stärken punkten. Folgende Bedingungen sind meist sehr vorteilhaft für Hochsensible:

1. Kleine Büros / Einzelbüros

Kleine Büros oder Einzelbüros helfen dabei, einer Reizüberflutung vorzubeugen und Störquellen gering zu halten. In kleinerer Bürogemeinschaft gibt es weniger Hintergrundgeräusche, weniger (Fremd-)Energien, die aufgenommen werden können und es lässt sich meist leichter abstimmen, wie die Temperatur, Lichtverhältnisse oder das Lüften im Raum geregelt werden sollen. Wenn es die Möglichkeit für Homeoffice gibt, ist das ebenso eine gute Ergänzung, um dich vor Reizen abzuschirmen und konzentriert und effektiv arbeiten zu können.

2. Geregelte Arbeits- und Pausenzeiten

Struktur schenkt Hochsensiblen Ruhe und Stabilität. Hochsensible Menschen profitieren daher von geregelten Arbeits- und Pausenzeiten. Ich selbst durfte feststellen, dass die Schichtarbeit im Krankenhaus oder lange Schichten ohne Pause, die in der ambulanten Pflege die Regel ist, sehr ungünstig für mich sind. Die Gefahr der Reizüberflutung steigt, je länger eine intensiv fordernde oder stark reizüberflutende Situation anhält. Daher ist es ratsam, darauf zu achten, eine Struktur zu finden, in der sich Aufgaben, die hohe Konzentration erfordern (z. B. Meetings) mit Aufgaben, die weniger Konzentration benötigen (z. B. tägliche Routineaufgaben) abwechseln und dass Pausen eingehalten werden. So kann sich das System von den Reizen am Arbeitsumfeld rechtzeitig erholen.

3. Maßvoller Kontakt mit Menschen

Hochsensible Menschen sind auf Grund ihrem hohen Einfühlungsvermögen und durch den häufigen Wunsch nach einer sinnhaften Tätigkeit oft in sozialen Berufen oder Dienstleistungsberufen anzutreffen. Zeitgleich ist der Kontakt mit vielen Menschen über eine längere Zeit oft besonders belastend für hochsensible Menschen und ein maßvoller Kontakt, der im persönlichen Wohlfühlbereich liegt, empfehlenswert.

Ich selbst habe mich vor vielen Jahren ebenfalls für einen sozialen Beruf, den der Krankenschwester, entschieden, der mich jedoch nach zwei Jahren in eine tiefe depressive Phase brachte. Damals wusste ich nichts von meiner Hochsensibilität und warum es mir so schlecht geht. (Siehe auch das YouTube-Video: Warum der Schutz vor Reizüberflutung lebenswichtig ist). Da ich spürte, dass ich in dem Beruf der Krankenschwester im wahrsten Sinne nicht überleben werde, habe ich zwangsweise einen neuen Beruf im kaufmännischen Bereich erlernt. Nach über zehn Jahren (und der stetigen Suche nach meinem Platz) bin ich für knapp fünf Jahre in den Beruf der Krankenschwester zurückgewechselt – in Teilzeit – und konnte durch diesen maßvollen Kontakt mit Menschen und einem regelmäßigen Schutz vor Reizüberflutung weitestgehend in meiner Balance bleiben.

Eine schmerzhafte Erkenntnis

Ich durfte auf leidvolle Weise herausfinden, dass langanhaltender Kontakt mit vielen Menschen nicht gut für mich ist (genauso wie unregelmäßige Arbeitszeiten und häufige sowie anhaltende Stressphasen). Also so ziemlich alles, womit man als Krankenschwester konfrontiert ist. Ich durfte mein Maß finden sowie meine weiteren wertvollen Stärken erkennen und zusätzlich bei meinem Platz im Berufsleben beachten. Ergänzend gehe ich den Weg in die Selbstständigkeit. Diesen Weg schlagen viele hochsensible Menschen ein, unter anderem deshalb, um sich ihre Arbeit selbst einteilen und das Maß an Reizen/Kontakten selbst bestimmen zu können.

Und so erschreckend ein maßvoller Kontakt mit Menschen für dich vielleicht ebenfalls klingen mag, weil du in einem Beruf mit viel Menschenkontakt tätig bist, beachte bitte immer: Mein Maß ist nicht dein Maß. Es gibt nie ein allgemeingültiges Maß für hochsensible Menschen. Die hier genannten Anforderungen an einen geeigneten Arbeitsplatz sind Richtungsweiser, die für viele Hochsensible zutreffend sind, jedoch nicht für alle. Du darfst für dich herausfinden, welches Ausmaß an Kontakten dir persönlich guttut und dich auf dieses Maß einstimmen.

4. Gutes Betriebsklima und harmonisches Miteinander

Ein harmonisches Arbeitsumfeld, in dem ein respektvolles Miteinander gelebt wird, schenkt feinfühligen Menschen nicht nur Ruhe, sondern entspricht auch ihren eigenen Werten. Daher ist es sinnvoll, auf die Schwingungen am Arbeitsplatz – vor allem beim Einstellungsgespräch – zu achten. Was spürst du für Energien? Wie harmonisch ist die Kommunikation für dich? Was meldet dir deine Intuition? Wähle einen Arbeitsplatz, der eine gute Energie für dich hat.

5. Eine als sinnhaft empfundene Tätigkeit

Da hochsensible Menschen oft einen besonders ausgeprägten Wunsch nach einer sinnhaften Tätigkeit haben, ist es wichtig, dieses Bedürfnis in die Berufs- und Arbeitsplatzwahl miteinzubeziehen – jedoch nicht ausschließlich! Kläre zunächst folgende Fragen:

  • Was bedeutet es für dich persönlich, etwas Sinnhaftes zu tun?
  • Empfindest du deine Berufstätigkeit demnach als sinnhaft?
  • Falls nicht: Wie kannst du mit deinen Stärken und Fähigkeiten einen sinnvollen Beitrag leisten?
  • Wie kannst du dich noch sinnhaft am Arbeitsplatz oder im Unternehmen einbringen?

Wenn dir dein Beruf nicht ausreichend Sinn und Erfüllung gibt, kannst du vielleicht auch in deiner Freizeit deinem Bedürfnis nach einer sinnhaften Tätigkeit nachkommen, z. B. in Form eines Ehrenamtes oder durch eine nebenberufliche Selbstständigkeit, mit der du deiner (wahren) Berufung folgen kanst. Auch bei mir war der Wunsch, mit meinen Stärken und Fähigkeiten einen sinnvollen Beitrag für andere zu leisten, ein weiterer Grund für meine Selbstständigkeit.

6. Wenig Hektik, Zeit- und Leistungsdruck

Da hochsensible Menschen sehr empfindsam auf Stress und Druck reagieren, ist es sinnvoll, einen Arbeitsplatz zu wählen, in dem sich Hektik, Zeit- und Leistungsdruck in Maßen halten oder nur gering auftreten. Die Arbeit darf fordernd sein, ja, aber nicht dauerhaft überfordernd. Es muss auch Ruhe und Zeit vorhanden sein, um einzelne Aufgaben konzentriert und gewissenhaft erledigen zu können.

7. Möglichkeit für berufliche Entfaltung und Weiterentwicklung

Hochsensible Menschen sind oft vielseitig interessiert und vielbegabt. Ihnen macht es häufig Freude, Neues zu entdecken, zu lernen und sich persönlich oder beruflich weiterzuentwickeln. Wenn diese Tendenz da ist, ist es für sie sinnvoll, einen Arbeitsbereich zu wählen, der entweder schon eine gewisse Vielfalt mitbringt oder der die Möglichkeit zur Entfaltung bietet. So können Hochsensible ihrem Bedürfnis nach Vielseitigkeit, neuen Herausforderungen und Weiterentwicklung nachkommen.

8. Verantwortung und Gestaltungsfreiraum

Hochsensible Menschen haben oft ein komplexes Denkvermögen und besitzen viel Kreativität. Kreativität nicht immer nur im künstlerischen Sinne, sondern auch im Finden von Lösungen oder im Entwickeln von neuen Abläufen, Strategien, Produkten oder Angeboten. Für hochsensible Menschen ist es daher oft befriedigend, wenn sie an ihrem Arbeitsplatz Verantwortung übernehmen und eigene Projekte verwirklichen dürfen, für die sie Gestaltungsfreiraum bekommen.

Fünf Tipps für gute Selbstfürsorge am Arbeitsplatz

SSelbstfürsorge am Arbeitsplatz für hochsensible Menschen

1. Schaffe Distanz, wenn eine Überreizung droht

Wenn du eine Überreizung am Arbeitsplatz spürst, schaffe Distanz und suche eine reizarme Umgebung auf, z. B. gehe kurz in die Teeküche und mach dir in Ruhe einen Tee, gehe nach draußen und schnappe frische Luft oder gehe auf die Toilette und nimm dich so kurz aus der Situation raus.

2. Gönne dir regelmäßig eine Pause

Schütze dich vor Überreizung durch regelmäßige Erholungsphasen. Verbringe deine Mittagspause öfter draußen. Die Kantine ist ein sehr reizintensiver Ort, an dem viel Unruhe herrscht. Um deinen Kontakt zu Kollegen aufrecht zu halten, kannst du bestimmte Tage mit ihnen in der Kantine verbringen oder sie mit nach draußen einladen. Mache auch immer wieder kleine Mini-Pausen am Arbeitsplatz. Schaue für ein paar Minuten aus dem Fenster, schließe deine Augen und atme ein paar Mal tief und bewusst durch oder erledige etwas Hausinternes und befreie dich so kurz von deiner Arbeitsumgebung.

7 Tipps, um dich vor Reizüberflutung zu schützen

3. Kommuniziere deine Bedürfnisse und erfülle sie dir

Nimm deine Bedürfnisse ernst und sorge für deren Erfüllung. Nur so kannst du in deiner Balance bleiben. Wenn du sie dir selbst nicht erfüllen kannst, sprich deine Bedürfnisse an. Wenn es dir beispielsweise zu warm ist, kommuniziere das und frage deine Kollegen, ob das Fenster geöffnet werden kann. Wenn du dich gestresst fühlst, teile das deinem Umfeld mit und informiere es darüber, dass du kurz für einen Moment vor die Tür gehst, um durchzuatmen. Wenn du mehr Ruhe zum Arbeiten brauchst, sprich das bei deinem Chef an und frage, ob du dein Telefon umstellen oder dich zum Arbeiten in einen anderen Raum begeben kannst. Um deine Bedürfnisse wertschätzend zu kommunizieren ist die Gewaltfreie Kommunikation sehr hilfreich.

4. Grenze dich ab

Abgrenzung hat auch mit deinen Bedürfnissen zu tun. Hochsensible Menschen neigen aufgrund ihrem Harmoniebedürfnis und oft mangelndem Selbstwert dazu, immer nett und zuvorkommend zu sein und viel zu oft und vorschnell ja zu sagen. Doch für deinen inneren Frieden ist es wichtig, dass du nicht alles über dich ergehen lässt und Grenzen setzt, wenn du spürst, dass etwas für dich nicht in Ordnung ist (du z. B. zu viel Arbeit aufgehalst bekommst, der Umgangston für dich nicht annehmbar ist oder du dich übergangen fühlst). Lerne, deine Grenzen wahrzunehmen und freundlich, jedoch deutlich Grenzen zu setzen. Ein gesundes Selbstwertgefühl ist dafür unabdingbar und leider auch eine große Schwachstelle bei hochsensiblen Menschen. Selbstwert stärken – Die Basis für dein glückliches Leben

5. Anforderungen herunterschrauben

Hochsensible Menschen haben oft hohe Erwartungsansprüche und sind selten mit sich und ihrer Arbeit zufrieden. Achte daher darauf, nicht in Perfektionismus zu verfallen. Qualität wirst du als gewissenhafter und zuverlässiger Mensch abliefern, davon bin ich überzeugt 😉 doch übertreibe es nicht! Halte dir stets das Ziel vor Augen, welches mit der Aufgabe erreich werden soll. Erfüllt dein Ergebnis bereits ausreichend die Anforderungen an das Ziel? Ich weiß, es geht immer besser 🙂 doch es warten meist noch andere wichtige Aufgaben darauf, erledigt zu werden. Wäge Zeitaufwand und Nutzen ab und erlaube dir, nicht perfekt sein zu müssen. Das erspart dir Stress, Frust und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz.

6. Nimm Kritik nicht persönlich

Kritisiert zu werden ist für hochsensible Menschen aufgrund ihres empfindsamen Nervensystems und ihrem ausgeprägten Harmonisbedürfnis immer sehr viel aufwühlender, als für durchschnittlich sensible Menschen. Kritik wird hochsensible Menschen daher auch immer treffen. Dennoch können sie lernen, diese nicht so persönlich zu nehmen und dazu ermuntere ich dich. Lerne, deine Gedanken und Bewertungen in Bezug zur Kritik (und zum Kritikgeber) zu hinterfragen und einen gesunden Umgang damit zu lernen.

7. Iss regelmäßig und nahrhaft

Unterzuckerung und Hunger können bei hochsensiblen Menschen starke Stimmungsschwankungen auslösen und ihr System in eine ziemliche Schieflage bringen. Achte daher auf dein Hungergefühl und iss regelmäßig. Eine nährstoffreiche Ernährung, die deinem (Ayurveda) Typ entspricht und deinem Körper guttut und Energie schenkt ist dabei ebenfalls wichtig.

8. Vor der Arbeit und nach der Arbeit

Die Zeit außerhalb von deinem Arbeitsplatz beeinflusst natürlich auch dein Sein und Wirken am Arbeitsplatz selbst. Achte daher auch in deiner Freizeit auf ausreichend Erholungsphasen und baue Kraftquellen in deinen Alltag ein. Verbringe Zeit in der Natur oder mit Tieren. Tue dir Gutes. Ich nutze zum Beispiel schon die Fahrt ins Geschäft oder die Fahrt nach Hause als Erholungsphase. Ich fahre gerne Auto und höre je nach Befinden entspannte Musik oder ein Hörbuch und tanke dadurch Kraft.

Nachts verarbeitet dein Gehirn die Erlebnisse und Reize vom Tag, daher ist es wichtig, auch auf ausreichend Schlaf und einen geregelten Schlafrhythmus zu achten. Plane dir abends ausreichend Zeit ein, um den Tag ausklingen zu lassen und zur Ruhe zu kommen. Hektik und Stress sind Gift für dein empfindsames Nervensystem, nimm dir ebenso morgens ausreichend Zeit, um entspannt in den Tag zu starten und stressfrei ins Geschäft zu kommen.

Hochsensible Menschen brauchen besondere Arbeitsbedingungen

Hochsensible Menschen sind wertvolle Mitarbeiter mit besonderen Stärken, die engagiert, zuverlässig und leistungsstark arbeiten können. Sie haben es aufgrund ihres empfindsamen Wesens und der von Leistung und Macht geprägten Arbeitswelt jedoch oft besonders schwer. Um ihr Potential am Arbeitsplatz zum Vorschein bringen zu können, brauchen hochsensible Menschen besondere Rahmenbedingungen und die Fähigkeit einer guten Selbstfürsorge.

Welche Herausforderungen dir als hochsensibler Mensch im Beruf begegnen können, welche Bedingungen dir dabei helfen, dich am Arbeitsplatz wohlzufühlen und wie du am Arbeitsplatz gut für dich sorgen kannst, habe ich dir im Artikel aufgezeigt.

Zeitgleich möchte ich nochmal erwähnen, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und auch für hochsensible Menschen die Anforderungen an einen Arbeitsplatz sowie die Selbstfürsorge am Arbeitsplatz unterschiedlich aussehen kann.

Prüfe die hier genannten Punkte für dich selbst. Welche Herausforderungen kennst du aus deinem Arbeitsleben? Welche Anforderungen an einen Arbeitsplatz fühlen sich stimmig für dich an? Welche Art der Selbstfürsorge ist für dein Wohlbefinden hilfreich? Finde heraus, was du persönlich brauchst und wie eine gute Selbstfürsorge für dich persönlich aussieht. Dann kannst du einen Platz finden, an dem du dich wohlfühlst und motiviert und leistungsstark arbeiten kannst.

Wie geht es dir mit diesen Informationen? Welche Erkenntnisse hast du gewonnen und welche Veränderungen strebst du an?

8 Gedanken zu „Hochsensibel im Beruf – Worauf hochsensible Menschen achten sollten“

  1. Hallo Bettina,
    habe dein Ausführungen sehr interessiert gelesen. Für mich beginnt ab Juni eine neue Arbeit und ich freue mich sehr habe aber anderseits ein bisschen Angst davor durchzuhalten. Da ich früher Vollzeit gearbeitet im Dauerstress bin ich ja vorgewarnt und vieles in deinem Beitrag ist sehr hilfreich und ich erkenne mich in deiner Beschreibung durchaus wieder. Ein super Beitrag und für mich zur richtigen Zeit.
    Viele Grüße und alle guten Wünschen
    Tina

    Antworten
    • Hallo Tina,
      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Offenheit. Es freut es mich zu lesen, dass du dich sehr auf deine neue Arbeit freust, zeitgleich kann ich deine Bedenken gut nachvollziehen. Deine Ängste wollen dich schützen, das ist okay und gesund, sofern sie nicht die Oberhand gewinnen. Nutze sie, um wachsam zu sein für die Stressquellen („Gefahrenquellen“) und sie frühzeitig wahrzunehmen. So kannst du rechtzeitig gegenlenken und dich schützen. Und wenn ich dir mit diesem Beitrag auch ein paar Hilfreiche Anregungen dafür mitgeben konnte, freut es mich umsomehr.
      Ich wünsche dir einen tollen Start im Juni und alles Gute für deinen neuen Arbeitsplatz.
      Viele Grüße
      Bettina

  2. Liebe Bettina.
    In erster Linie vielen herzlichen Dank für deine Offenheit uns deine private (Leidens) Geschichte zu erzählen. Dein Werdegang ist unheimlich interessant!!!
    Dein Geschriebenes stimmt nicht nur zu 100% sondern zu 200% und ich kann mich sowas mit dem identifizieren. Deine Worte tun so gut, denn sie lassen mich wissen, dass ich nicht von einem „anderen Stern“ komme. Auch ich dachte ich muss mir ein dickeres Fell zulegen und darf nicht so sensibel sein. Auch mein Job im medizinischen Bereich ist geprägt mit dem Umgang von vielen Menschen, vielem Telefonklingeln und oft schroffe Stations-bzw. AmbulanzmitarbeiterInnen, aber die Schroffheit kann natürlich auch vom Streß und Druck im Krankenhausalltag kommen.
    Zudem hab ich auch noch eine sehr dominante und laute Arbeitskollegin, ein sogenannter Platzhirsch.
    Gott sei Dank arbeite ich nur Teilzeit, in Vollzeit würde ich diesen Job nicht aushalten bzgl. Streß, Druck, Schroffheit, hierarisches Kommunikationsdefizit, Desorganisation. Arbeite in dieser Branche seit 6 Jahren und ich hätte mir nicht gedacht, dass dieser Job so belasten kann. Aber auch im niedergelassenen Ärztebereich ist es nicht besser, das weiß ich aus eigener Erfahrung und von einigen Kolleginnen.
    Ich denke es ist eine der größten Herausforderungen im Leben, den passenden Job zu finden mit dem man sich identifizieren kann und sich auch vom Umfeld her wohlfühlt.
    Liebe Bettina, vielen herzlichen Dank nochmals, dass du uns an deiner persönlichen Geschichte teilhaben läßt, und uns aufzeigst wie man sich als hochsensibler Mensch besser abgrenzen und schützen kann. Gott segne und schütze dich!!!

    Antworten
    • Liebe Maria,
      ich danke dir herzlich für deine Rückmeldung und deine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema. Es freut mich sehr, dass du dich mit dem Text so stark identifizieren kannst und dich auch durch meine persönlichen Erzählungen so sehr verstanden fühlst. Ich weiß, wie wohltuend und heilsam dieses Gefühl ist. Du hast das schön formuliert und ich bin ganz bei dir: Seinen beruflichen Platz zu finden ist auch in meinen Augen eine der größten Herausforderungen für hochsensible Menschen und ich wünsche dir von Herzen, dass dir deine Abgrenzung immer besser gelingt und auch du an deinem Platz ankommst. Alles Liebe und sei ebenso gesegnet und beschützt

  3. Hallo, All die Aussagen sind so zutreffend. Was zum Arbeitsalltag und meiner HS noch hinzukommt ist natürlich das drumherum. Zu meinem Beruf als Physiotherapeutin in dem ich mich imzwischen wohl und aufgehoben fühle. Zuvor habe ich die Stelle gekündigt weil das Betriebsklima so schlecht für mich war das ich mich zunehmend erschöpft und krankfühlte. Jetzt ist alles anders. Ruhiger, schönere Räume und ein entspanntes nettes Klima. Doch der Alltag in der Pandemie und die Familie mit meinen zwei Kindergartemkindern, einem ebenso sensiblen Ehemann und schwierige Familiäre Umstände. Führt weiterhin zur Überforderung. Ich habe daher für
    Mich entschieden meine Berufstätigkeit soweit zu Minimieren das es mir in der Familie , im Beruf und mit mir Selbst gut geht. An den freien Tagen suche ich Ruhe und Erholung. Odne die Dinge die mich stressen. Denn auch ein unaufgeräumter Haushalt führt für mich zur Überfordrrung. Da sind einfach so viele Reize. Ich danke dir so sehr für deine Arbeit. Duech das erkennen meiner HS durch deinen Blog habe ich gelernt auf mich und meine Bedürfnisse zuschauen und meine Leben für mich und alle stimmung zuorganisieren. Ich danke Dir

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    • Hallo und vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ich kann mir vorstellen, dass die Entscheidung, im Beruf weiter zurückzutreten, nicht leicht war. Wir Hochsensiblen haben mit vielen Herausforderungen zu tun und ich freue mich sehr zu lesen, dass du dir so wichtig bist und auch die Möglichkeit hast, berfulich zurückzutreten und ebenso privat für dich gut zu sorgen. Auch im Hinblick auf deine Familie – damit du weiterhin liebevoll und fürsorglich da sein kannst, ohne dabei selbst unterzugehen. Sehr gerne, ich freue mich, dass ich dir dabei durch meinen Blog helfen konnte.
      Alles Liebe, Bettina

  4. Liebe Bettina,
    vielen Dank für deinen so wertvollen Beitrag. Deine eigenen Erfahrungen und die Offenheit mit der du sie beschreibst, können bestimmt vielen anderen hochsensiblen Menschen helfen. Ja, der eigene Wesenskern lässt sich nicht wegoptimieren. Und sich „Ein dickeres Fell wachsen lassen“, Respektlosigkeit ertragen zu lernen oder so tun, als würden einem die hohe Arbeitsbelastung nichts ausmachen, funktionieren auf Dauer nicht. Eine wertschätzende und bedingungslose Selbstakzeptanz uns selbst gegenüber ist essentiell. Sich gut um sich selbst zu kümmern, die eigene Lebensbatterie wieder aufzuladen, sind so wichtig. Mit Akzeptanz sich selbst und anderen gegenüber fängt alles an.
    Ich arbeite auch in einem sehr stressigen und fordernden Beruf. Ohne regelmäßige Abgrenzung, Rückzug in die Stille sowie Ausgleich durch Bewegung und Entspannung wäre es dauerhaft kaum machbar.
    Alles Gute für dich und herzliche Grüße in den Süden!

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    • Lieber Gerd,
      vielen Dank für deine Rückmeldung und das Teilen deiner eigenen Erfahrungen. Es freut mich zu lesen, dass es dir gelingt, dich in deinem fordernden Beruf gut abzugrenzen und dass du Wege gefunden hast, um deine Batterien regelmäßig aufzuladen.
      Alles Gute und ebenso liebe Grüße in den Norden
      Bettina

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