Angst loslassen und Vertrauen finden – Eine 4-Schritte-Anleitung - Bettina Hielscher

Angst loslassen und Vertrauen finden – Eine 4-Schritte-Anleitung

22. September 2019

4 Schritte, um Vertrauen ins Unbekannte zu finden

Viele Menschen sehnen sich nach Loslassen und Vertrauen. Sie spüren, dass sie nicht mehr alles kontrollieren möchten – ihre Gedanken nicht, ihr Leben nicht und schon gar nicht jede mögliche Entwicklung der Zukunft. Doch obwohl dieser Wunsch da ist, wissen viele nicht, wie sie wirklich ins Vertrauen finden können.

Denn unser Verstand ist darauf ausgerichtet, Sicherheit zu schaffen. Er plant, analysiert und versucht vorherzusehen, was passieren könnte. Das gibt uns Orientierung – und gleichzeitig kann genau dieses Bedürfnis nach Kontrolle dazu führen, dass wir uns innerlich ständig angespannt fühlen.

Denn das Leben verläuft nicht immer nach Plan.

Die wichtigste Erkenntnis für mich ist folgende:

Vertrauen entsteht nicht durch Nachdenken. Es entsteht durch Entscheidung und durch Erfahrung.

Durch Momente, in denen wir merken, dass wir auch dann getragen werden, wenn wir nicht alles im Griff haben.

Vertrauen können wir üben. Und ich habe mir dafür einen ganz besonderen Ort ausgesucht: ein Thermalbad.

Lass mich dir davon erzählen.

Loslassen und Vertrauen lernen im Thermalbad

Ich sitze in einer heißen Grotte im Thermalbad. Die Luft ist neblig, sehr warm und ich spüre, wie sich immer mehr Schweißtropfen auf meiner Stirn bilden.

Lass mich dich auf eine kleine Reise einladen.

Ich bin im Thermalbad und sitze in einer heißen Grotte. Die Luft ist neblig, sehr warm und ich spüre, wie sich immer mehr Schweißtropfen auf meiner Stirn bilden. Meine Augen sind geschlossen.

Ich atme ruhig und genieße das Schwitzen.

Die Hitze umhüllt mich wie eine schwere Decke. Mein Körper arbeitet, ohne dass ich bewusst etwas dazu beitragen muss. Ich sitze einfach nur da und lasse die Wärme auf mich wirken.

10 bis 15 Minuten sind vielleicht vergangen, als es plötzlich zu zischen, zu sprudeln und zu pfeifen beginnt. Auch wenn meine Augen geschlossen sind, weiß ich sofort, was passiert: Der Nebel verdichtet sich, die Temperatur steigt weiter an.

Es wird heißer.
Und heißer.
Und noch heißer.

Plötzlich meldet sich die Angst.

Mein Atem stockt. Meine Atemwege verengen sich. Ich bekomme schlechter Luft und fühle mich wie zugeschnürt. Mein Körper reagiert sofort auf die Veränderung der Situation – und mein Verstand ebenfalls.

Meine Gedanken warnen mich:
„Geh raus, bevor dein Kreislauf versagt.“

Doch ich reagiere nicht sofort auf diese Gedanken.

Ich kenne meinen Verstand und ich kenne auch die Angst. Sie möchte mich schützen. Das ist ihre Aufgabe. Aber ich habe gelernt, ihr nicht mehr ungeprüft die Führung zu überlassen.

Also beobachte ich meine Gedanken und löse mich bewusst von ihnen, um wieder in meinem Körper anzukommen. Mein Körper darf entscheiden, ob ich noch kann oder nicht.

Ich spüre nach, wie es mir wirklich geht.

Mein Gesicht ist heiß. Unfassbar heiß. Es brennt regelrecht. Meine Hände, die nach oben geöffnet auf meinen Oberschenkeln liegen, sind ebenfalls sehr heiß. An den Füßen ist es am angenehmsten. Doch mein Kreislauf ist stabil.

Ich spüre: Mein Körper kommt mit der Situation zurecht.

Also entspanne ich mich mehr und mehr in diese Erfahrung hinein. Ich erlaube mir, genau dort zu sein, wo ich gerade bin – ohne zu fliehen, ohne zu kämpfen.

Ich lasse die Kontrolle los. Ich vertraue meinem Körper. Ich übergebe ihm die Führung.

Er kann das. Das weiß ich. Und ich weiß auch: Er wird mir zeigen, wenn er nicht mehr kann.

Deshalb bleibe ich.

Ich spüre. Ich atme.

Es bilden sich immer mehr Schweißtropfen auf meiner Stirn. Sie laufen über meine Wimpern und tropfen auf meine Oberschenkel. Immer mehr, in immer kürzeren Abständen. Meine Atemwege werden weiter. Mein Atem wird ruhiger und tiefer. Es brodelt, zischt und pfeift wieder – doch in mir ist es still. Während außen Hitze und Bewegung herrschen, entsteht in mir eine tiefe Ruhe.

Kurz darauf wird es auch im Außen still. Die sanfte Musik ist wieder zu hören. Und in mir ist es immer noch ruhig. So, als wäre nichts gewesen.

Von der Angst, die Kontrolle zu verlieren

Wie oft wollen wir im Leben die Kontrolle haben?

Die Kontrolle über unser Leben.
Die Kontrolle über Ereignisse.
Die Kontrolle über das Verhalten anderer Menschen.
Die Kontrolle über unseren Körper.

Am liebsten soll alles so verlaufen, wie wir es uns vorstellen. Unser Körper soll so funktionieren, wie wir es möchten. Situationen sollen sich so entwickeln, wie wir es geplant haben.

Kennst du das?

Und kennst du auch das Gegenteil?

Die Dinge kommen anders, als du denkst. Pläne ändern sich. Dein Körper reagiert anders, als du möchtest.

Das Leben entzieht sich unserer Kontrolle.

Wenn wir nicht lernen, loszulassen und Vertrauen zu entwickeln, geraten wir schnell in einen Zustand dauerhafter Anspannung. Wir leben dann in der Angst vor möglichen Ereignissen oder Situationen, die wir nicht kontrollieren können. Und wir versuchen alles, um möglichst viel Kontrolle und Sicherheit herzustellen.

Doch das Leben lässt sich nicht vollständig kontrollieren.

Früher oder später geschieht etwas Unvorhergesehenes. Und wenn es dann anders kommt, als wir es uns wünschen, reagieren wir oft mit Widerstand. Wir wollen nicht, dass es so ist. Wir kämpfen gegen die Situation an.

Doch dieser Widerstand macht alles meist nur noch schwerer. Die Situation wird enger. Beengender. Manchmal sogar erdrückend.

Genau deshalb liebe ich es, in der heißen Grotte zu sitzen. Denn die Erfahrung dort erinnert mich immer wieder an etwas Wesentliches:

Loslassen und Vertrauen.

Diese Erfahrung kann ich mit in meinen Alltag nehmen. Und auch in mein Leben.

Mittlerweile bekomme ich in der Sauna keine Angst und keine verengten Atemwege mehr, weil ich vollständig im Vertrauen zu meinem Körper bin. Doch dieses Vertrauen ist nicht einfach so entstanden.

Ich musste lernen, loszulassen.

Und genau diesen Weg möchte ich mit dir teilen.

Vertraue – denn du bist nicht allein

Wenn ich loslasse und vertraue, stelle ich häufig fest, dass ich gar nicht alles alleine tragen muss. Es gibt Anteile in uns, die viel mehr wissen und können, als unser Verstand glaubt. Mein Körper zum Beispiel.

Ich weiß nicht im Detail, was in meinem Körper passiert, um die extreme Hitze in einer Sauna auszugleichen. Ich kenne nicht alle Prozesse, die dort ablaufen. Aber mein Körper kann damit umgehen. Er ist ein Meisterwerk. Und dein Körper ist ebenfalls ein Meisterwerk.

Wenn ich loslasse und meinem Körper erlaube, mich zu unterstützen, wird vieles leichter. Ich muss nicht mehr alles kontrollieren. Ich muss nichts mehr festhalten oder erzwingen. Der Druck verschwindet. Und auch die Angst wird kleiner. Ich fühle mich getragen.

Doch nicht nur im Körper gibt es diese Unterstützung. Auch im Leben begegnen uns Situationen, die wir nicht kontrollieren können. Situationen, die uns Angst machen. Situationen, die uns verunsichern.

Auch hier können wir lernen, loszulassen. Und darauf zu vertrauen, dass es Kräfte gibt, die uns unterstützen. Manche nennen es Leben. Manche Intuition. Manche innere Führung.

Wie auch immer du es nennen möchtest – die Erfahrung bleibt die gleiche: Wenn wir loslassen, entsteht Raum für Vertrauen.

Denn Loslassen und Vertrauen bedingen einander.

Loslassen und Vertrauen lernen – So gelingt es dir

Wie kannst du nun Vertrauen entwickeln – selbst dann, wenn du nicht weißt, was als Nächstes geschieht?

Die folgenden vier Schritte helfen mir immer wieder dabei.

Schritt 1 – Achtsamkeit

Der erste Schritt ist Wahrnehmung.

Nimm wahr, wenn sich Widerstand in dir zeigt.

Vielleicht spürst du Anspannung. Vielleicht entsteht Angst. Vielleicht der Wunsch, eine Situation unbedingt kontrollieren zu wollen.

Dieser Widerstand zeigt dir eine Grenze. Die Grenze zum Unbekannten.

Nimm diese Grenze bewusst wahr.

Und nimm auch deine Angst wahr.

Sie ist nicht dein Feind – sie möchte dich beschützen.

Schritt 2 – Akzeptanz

Wenn du deine Angst wahrnimmst, kannst du beginnen, sie zu akzeptieren.

Du erkennst:
Hier endet meine Kontrolle.

Und genau an diesem Punkt beginnt Vertrauen.

Erlaube deiner Angst da zu sein.
Erlaube auch deinem Wunsch nach Kontrolle da zu sein.

Beides ist menschlich.

Wenn du aufhörst, gegen diese Gefühle anzukämpfen, entsteht innerer Raum.

Und dieser Raum ist die Grundlage für Veränderung.

Schritt 3 – Loslassen

Nun kommt der schwierigste – und gleichzeitig wichtigste – Schritt:

Loslassen – oder anders gesagt: sein lassen

Solange du versuchst, alles zu kontrollieren, kannst du das Neue nicht betreten.

Erst wenn du bereit bist, die Kontrolle loszulassen, kann Vertrauen entstehen.

Vertrauen bedeutet immer, dass du Dinge sein lässt, wie sie sind und einem anderen Aspekt die Führung überlässt.

Manchmal deinem Körper.
Manchmal dem Leben.
Manchmal deiner Intuition.

Loslassen bedeutet nicht, passiv zu werden.

Es bedeutet, dem Leben zu erlauben, sich zu entfalten.

Spring – in der Gewissheit, dass du getragen wirst.

Schritt 4 – Bleibe wachsam

Loslassen bedeutet nicht, unaufmerksam zu sein.

Im Gegenteil.

Bleibe achtsam für die Zeichen des Lebens.

Manchmal lädt dich das Leben dazu ein, wieder aktiv zu werden.

Eine Entscheidung zu treffen.
Einen Schritt zu gehen.
Etwas zu verändern.

Auch dein Körper sendet dir ständig Signale. Er zeigt dir, wann du handeln sollst – und wann du loslassen darfst.

Wenn du achtsam bleibst, wirst du diese Signale wahrnehmen. Und genau dadurch wächst dein Vertrauen.

Du merkst:
Du wirst geführt.

Loslassen ist der Schlüssel zur Freiheit

Vielen Menschen fällt Loslassen schwer.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Sicherheit einen sehr hohen Stellenwert hat. Alles soll abgesichert werden. Alles soll planbar sein. Doch je mehr wir versuchen, alles zu kontrollieren, desto größer wird auch die Angst vor dem, was wir nicht kontrollieren können.

Und dieses Unbekannte wird immer wieder auftauchen.

Denn das Leben ist nicht vollständig planbar.

Wer gelernt hat loszulassen, erlebt deshalb etwas sehr Wertvolles:

Freiheit.

Wenn wir lernen zu vertrauen, entsteht eine neue Lebensqualität.

Gelassenheit.
Leichtigkeit.
Innere Ruhe.

Vielleicht helfen dir die vier Schritte – und auch das Beispiel aus der Grotte – dabei, Loslassen und Vertrauen Schritt für Schritt zu lernen.

Es ist ein Weg.

Und jeder kleine Moment des Vertrauens ist bereits ein Schritt in Richtung Freiheit.

Wie gelingt dir das Loslassen und Vertrauen?

Ich freue mich sehr über deine Erfahrungen, Gedanken oder auch Herausforderungen auf diesem Weg.

6 Gedanken zu „Angst loslassen und Vertrauen finden – Eine 4-Schritte-Anleitung“

  1. Loslassen und Vertrauen – diese beiden Wörter habe ich gross in meine Agenda eingeschrieben. Prinzipiell wüsste ich, wie es geht und auf was es ankommt, neige jedoch zu Ungeduld, frei nach dem Motto, es sollte gestern schon passiert sein…
    Aber ich bin ein lernfähiges Wesen und gebe mir grosse Mühe, Achtsamkeit, Akzeptanz, Loslassen, Vertrauen/Glaube und wach sein zu üben.
    Madeleine Buntschu

    Antworten
    • Liebe Madeleine Buntschu,
      ja, diese Ungeduld kenne ich. Loslassen und Vertrauen lernen ist wahrlich ein Übungsweg, auf dem ich dir viel Erfolg und auch Freude am Üben selbst wünsche.
      Liebe Grüße
      Bettina

  2. Liebe Bettina,

    ja, ich kenne es genau so wie du es in der Sauna Situation beschrieben hast.
    Sobald ich außergewöhnliche Dinge an meinem Körper wahrnehme (Bsp. Herzstolpern,außergewöhnliches ziehen in der Magengegend ect.) wollen meine Gedanken „durchdrehen“ was dann zu einem Kreislauf wird. Das sind bei mir Gedanken die früher und teils noch zu Panik führen.
    Ich habe halt Angst körperlich krank zu sein. Und genau da fehlt es mir gehörig am Vertrauen in meinem Körper. Ich kann die Kontrolle nicht abgeben, und das seit vielen Jahren (bin jetzt 36).
    Heute suche ich nach Inspiration und Hilfestellungen wie ich lernen kann mir zu vertrauen, da die warteliste beim Psychologen noch lang ist. Aber ich merke mir geht wertvolle Lebenszeit verloren, wenn ich immer in Angst bin.
    Ich danke dir für genau die Situation in der Sauna! Es wird dauern, aber ich werde es lernen. Ganz bestimmt.

    Lg Christina

    Antworten
    • Liebe Christina,
      ich danke dir herzlich für deinen Kommentar und dass du dich hier so öffnest. Ich kann gut verstehen, dass du dringend etwas an deiner Situation ändern willst, denn wie du sagst, deine Lebenszeit ist wertvoll. Sie ist das Wertvollste, was wir haben. Ich freue mich, dass dir das Beispiel in der Sauna hilft und wünsche dir sehr, dass du es für dich anwenden und in liebevollen Kontakt mit deinen Ängsten kommen kannst. Wenn du möchtest, spreche ich auch gerne mit dir über eine mögliche Zusammenarbeit, um dich aus deinen Ängsten zu begleiten und im Umgang mit ihnen zu unterstützen. Hier kannst du einen Termin aussuchen, bei dem wir unverbindlich über Möglichkeiten sprechen.
      Ich würde mich freuen.
      Liebe Grüße
      Bettina

  3. Liebe Bettina,

    ich habe schon vieles gelesen, immer in der Hoffnung, die Worte zu lesen, die ich gerade fühle. Bei dir bin ich endlich angekommen. Alles, was du schreibst, über das Angst haben, das Loslassen, das Vertrauen finden usw. spricht mit aus der Seele. Ich befinde mich genau in solch einer Situation, in der ich alles um mich herum geplant habe (dies muss ich tun, aus Sicherheitsgründen), aber eines kann ich nicht planen: Das, was passieren wird/kann, wenn ich endlich einen Schlussstrich ziehe, um frei sein zu können. Und genau das hemmt mich, es hindert mich daran diesen letzten Schritt zu gehen. Ich konnte bis jetzt alles kontrollieren, habe mir eine Wohnung besorgt, habe mich Finanziell abgesichert, aber was auf emotionaler, verbaler, körperlicher Ebene passieren kann, wenn ich endlich sage „Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr“, davor habe ich solche Angst, dass ich keinen Mut finde diesen letzten Schritt zu gehen, um endlich ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Liebe Grüße

    Antworten
    • Liebe Sarah,
      vielen Dank für dein schönes Feedback. Es freut mich sehr, dass du dich hier verstanden und angekommen fühlst. Ich weiß nicht, um welchen Schlussstrich es bei dir handelt, jedoch kann in solchen Übergangsphasen ein Coaching sehr unterstützend sein. Um nochmal Klarheit für den eigenen Weg zu bekommen, um kleine Schritte zu definieren und die Stärke in sich zu entwickeln, den eigenen Weg mutig und zuversichtlich weiterzugehen. Falls du möchtest, stehe ich dir hierfür in einem Erstgespräch gerne zur Verfügung. Ich wünsche dir alles Liebe, allem voran die bedingungslose Liebe zu dir selbst und den Mut für deinen eigenen Weg.
      Liebe Grüße
      Bettina

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