Der Narzisst – und warum hochsensible Menschen oft seine Opfer sind

24. Oktober 2021

Das Wort „Narzisst“ geht uns in der heutigen Zeit relativ leicht über die Lippen und bezeichnet im Alltag oft einen Menschen, der sehr selbstgefällig ist und andere respektlos behandelt. Doch in der Ausprägung gibt es viele Abstufungen. Hochsensible Menschen laufen häufiger Gefahr, an Narzissten zu geraten oder an Menschen mit stark narzisstischen Zügen. Doch warum ist das so? In diesem Artikel erfährst du unter anderem, was ein Narzisst ist, warum hochsensible Menschen auf Narzissten häufig anspringen und wie du dich davor bewahren kannst.

Was ist ein Narzisst?

Ein Narzisst ist ein Mensch, der übermäßig stark auf sich selbst bezogen ist. Er hält sich selbst für das Größte, überschätzt sich oft maßlos und hat das starke Bedürfnis, von anderen bewundert zu werden. Ein Narzisst ist sehr leicht kränkbar, jedoch unfähig für Kritik. Das Gehirnareal, das Mitgefühl erzeugt, ist bei extremen Narzissten unterentwickelt, wodurch diese auch kaum Empathie besitzen (und auch nicht ausbilden können). Sie können sich somit schwer bis gar nicht in andere Menschen hineinversetzen. Dementsprechend bringen sie wenig Interesse für andere Menschen auf und handeln rücksichtslos, kaltherzig und nur auf den eigenen Vorteil bedacht.

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung

Narzisstische Züge besitzen viele Menschen. Diese zu besitzen ist nicht zwingend gefährlich, unsozial oder ungesund. Wie so oft gibt es auch hier nicht nur schwarz und weiß, sondern in der Ausprägung viele Schattierungen und Schweregrade. Stell dir die Ausprägung wie ein Punkt auf einer Skala vor, die von gesundem Selbstrespekt auf der einen Seite bis zu pathologischem Narzissmus auf der anderen Seite reicht. Krankhaft wird es dann, wenn der Narzissmus für den Betroffenen und sein Umfeld zu starkem Leidensdruck und Beeinträchtigungen führt, wie zum Beispiel starkes persönliches Leiden, extreme Beziehungsstörungen oder starke berufliche Konflikte.

Für die Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung müssen nach dem Diagnostischen und Statistischen Manual psychischer Krankheiten (DSM-5) mindestens fünf der folgenden Symptome vorliegen:

Die Betroffenen

  • haben ein übertriebenes Gefühl ihrer eigenen Wichtigkeit
  • haben Phantasien von grenzenlosem Erfolg, Macht, Schönheit oder idealer Liebe.
  • glauben, besonders und einzigartig zu sein und nur von besonderen oder angesehenen Personen verstanden zu werden.
  • erwarten von anderen übermäßige Bewunderung.
  • erwarten, dass andere sie besonders bevorzugt behandeln und automatisch auf ihre Erwartungen eingehen.
  • nutzen andere aus, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.
  • haben wenig Empathie.
  • empfinden oft Neid für andere oder glauben, andere sind neidisch auf sie.
  • verhalten sich arrogant und überheblich.

Narzissten und Selbstwert

Narzissten scheinen vor Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu strotzen, dabei haben sie oft ein extrem schwaches Selbstwertgefühl, das sie unter der übertriebenen Selbstverherrlichung verschleiern. Auch wenn es vielleicht überraschend klingt: Narzissten leiden oft auch unter innerer Leere, Einsamkeit, Scham, Angst und Hilflosigkeit. Sie brauchen und sehnen sich nach der Aufmerksamkeit und Anerkennung anderer, um ihren Selbstwert sicherzustellen und versuchen die Aufmerksamkeit durch Verhaltensweisen wie Abwertung, Dominanz oder Liebesentzug von anderen Menschen zu bekommen. Ein krankhafter Kreislauf, der kein Ende kennt, wenn von den Betroffenen keine Bewusstheit für diese Störung, als auch die Bereitschaft entsteht, aus diesem Kreislauf auszubrechen.

Ursachen für Narzissmus

Wie Narzissmus entsteht ist noch nicht ausreichend erforscht.

Eine Theorie besagt, dass spätere Narzissten in der Kindheit sehr stark von ihren Eltern verwöhnt wurden. Durch die hohe Zuwendung, Idealisierung des Kindes und durch das Abschirmen von Enttäuschungen seitens der Eltern, haben diese Kinder ein überhöhtes, unrealistisches Selbstbild entwickelt. Dementsprechend haben sie auch unrealistisch hohe Ansprüche und Erwartungen an ihr (späteres) Umfeld.

Eine andere Theorie vermutet einen starken Mangel an liebevoller Zuwendung in der Kindheit – starke Kränkungen und eine Liebe, die stets an Bedingungen geknüpft ist. Aus Selbstschutz vor weiterem, tiefen Schmerz, Verlust und Liebesentzug, haben diese Menschen den Narzissmus entwickelt.

Wenn diese Theorie ausschließlich stimmen würde, müssten jedoch eine Vielzahl hochsensibler Menschen Narzissten sein. Denn viele hochsensible Menschen haben/hatten Elternteile, die starke narzisstische Züge oder einen pathologischen Narzissmus aufweisen. Hier besteht auch die Möglichkeit, dass bei den Kindern in Folge der narzisstischen Kränkungen, Manipulation und Ausbeutung eine Hochsensibilität als Traumafolge erworben wurde.

Vermutlich gibt es für die Entstehung von Narzissmus viele und verschiedene Ursachen. Der Ursprung ist in diesem Artikel auch weniger bedeutsam, weil es um dich als „außenstehende“ Person geht. Du willst sicher wissen, woran du einen Narzissten erkennen kannst und was das mit dir als hochsensibler Mensch zu tun haben kann.

6 Symptome, an denen du einen Narzissten erkennst

Folgende Verhaltensweisen deuten darauf hin, dass du es mit einem Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung, also mit Narzissmus in krankhafter Form, zu tun hast.

1. Er ist äußerst charmant, großzügig und wickelt dich um den Finger

Der Auftritt von einem Narzissten macht in der Regel Eindruck. Er ist aufgeschlossen, redegewandt, unterhaltsam und eine interessante Persönlichkeit. Sein Auftreten wirkt selbstsicher und kompetent. Vor allem in einer Kennenlernphase zeigen sich ein männlicher Narzisst meist besonders charmant, liebevoll und einnehmend. Er bemüht sich kreativ und überschwänglich mit Komplimenten und Geschenken um deine Bewunderung und Zuwendung. Sein Verhalten wirkt zutiefst aufrichtig und ehrlich, seine Gefühle für dich tief und echt. Er scheint der perfekte Partner zu sein – männlich und dominant, zeitgleich liebevoll, leidenschaftlich und einfühlsam. Oft sind seine Geschenke sehr exklusiv und (unterschwellig) an Bedingungen geknüpft.

Auch im weiteren Verlauf der Beziehung lässt er immer wieder seinen Charme spielen, trägt dich auf Händen und wickelt dich geschickt um den Finger, sodass du dich unsagbar geliebt und mit ihm verbunden fühlst. Eine Strategie, um dich an ihn zu binden und Macht über dich zu haben.

Der Narzisst trägt dich auf Händen

2. Er bekommt immer, was er möchte und stellt seine Bedürfnisse über deine

Dank seinem Charme und seiner Redegewandtheit gelingt es einem Narzissten leicht, dich zu beeinflussen und letztendlich immer das zu bekommen, was er möchte. Er wirkt dabei oft sehr einfühlsam und erweckt den Anschein, dass es ihm um dich geht. Er agiert dabei jedoch höchst manipulativ und nur auf seinen eignen Vorteil bedacht. Das merkt man erst bei näherem Hinsehen. Er ist sehr großzügig und tut vieles für dich, jedoch nur, wenn er darunter selbst nicht leidet und selbst keine Abstriche machen muss. Er macht dir viele Geschenke und nimmt Rücksicht auf dich, jedoch nur in dem Ausmaß und in der Form, die er für sinnvoll für dich findet und nicht auf die Art, die du selbst magst oder brauchst.

In Wahrheit geht es ihm nur um seine Bedürfnisse und nicht um deine (oder die der anderen). Für die hat er keinen Blick und kein Gespür. Er kann nicht nachvollziehen, was du willst oder brauchst, selbst wenn du es ihm mitteilst. Kompromisse mag er nicht. Er ist überzeugt davon zu wissen, was das Beste für sich und alle Beteiligten ist. Schließlich steht er über allen und über allem. Nach der anfänglichen Wolke-7-Phase beginnt er zunehmend durch Macht und Gewalt zu bekommen, was er möchte. Er kontrolliert dich. In Entscheidungen bezieht er dich nicht mit ein, außer es dient dazu, dich weich und fügig zu machen. Sein Denken und Handeln haben alleine zum Ziel, seine eigenen Interessen zu verfolgen.

3. Alles muss sich um ihn drehen

Ein Narzisst braucht Aufmerksamkeit und Bewunderung wie die Luft zum Atmen. Im Beisein anderer Menschen verhält er sich wie ein Star: Er ist der Mittelpunkt, um den sich alles kreist und alle müssen zu ihm heraufschauen. Das gelingt ihm auch, weil er der geborene Publikumsmagnet ist – er weiß sich auszudrücken, Spannendes zu erzählen und grandios zu unterhalten. In seinem entfernteren Bekanntenkreis hat er einen regelrechten Fanclub, der ihn bewundert und liebt, wo auch immer er auftaucht. Sein nahes Umfeld fürchtet ihn.

Ein Narzisst erwartet eine bevorzugte Behandlung. Seine Mitmenschen betrachtet und behandelt er wie Bedienstete. Sie müssen springen, wenn er etwas braucht. Auch du. Und wehe, die Aufmerksamkeit fällt von ihm weg. Zuhören kann er nicht. Interesse zeigen auch nicht. Wenn ein anderer spricht, reißt er das Gespräch geschickt wieder an sich. Auf fremde Erfolge und Leistungen reagiert er oft arrogant und herablassend (während er insgeheim neidisch auf diese Erfolge ist). Er wertet sich auf, indem er andere abwertet. Er muss das tun. Schließlich ist er die Sonne, um die sich alles kreist und an die keiner herankommt.

Glanzvolle Außenwirkung

Ein Narzisst möchte stets als das Größte und Höchste wahrgenommen werden und legt viel Wert auf seine Außenwirkung. Er lässt seinen Charme und seine Großzügigkeit spielen, um bei Geschäftspartnern, Familie oder Freunden einen exzellenten und nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Für einen männlichen Narzisst ist eine Frau an seiner Seite oft nur ein Schmuckstück, das seinem glanzvollen Auftritt dient und die für vieles herhalten muss. Er hat oft sehr viel jüngere (Ehe-)frauen oder wechselnde Affären, die ihm den notwendigen Zustrom an Bestätigung und Aufmerksamkeit sicherstellen. Deswegen bist du als Partnerin für ihn auch nur eine Option und keine Priorität. Er lässt dich das auch wissen. Festlegen möchte er sich nicht. Wenn sich deine Aufmerskamkeit für ihn ausgeschöpft hat (und er ahnt, dass das geschieht) tauscht er dich aus oder sucht sich ergänzende Quellen, an denen er sich labt.

4. Er löst oft Schuld und Scham in dir aus

Ein Narzisst fühlt sich nur dann gut, wenn er auf andere herunterblickt und in einer übergeordneten Position ist. Eine Beziehung auf Augenhöhe kommt für ihn nicht in Frage, weil ihm da die notwendige Bewunderung und Aufmerksamkeit fehlt, auch wenn er das nie offen zugeben würde. Er muss immer am längeren Hebel sitzen und macht seine Position auch regelmäßig deutlich – sowohl unterschwellig, als auch offensiv.

Wenn die Hierarchie nicht mehr gewährleistet ist oder zu kippen droht, steuert er dagegen. Er fordert seinen Platz ein, beziehungsweise drängt dich auf deinen Platz zurück – entwertet, manipuliert und unterdrückt dich. Wenn du ansprichst, was dir missfällt, weiß er geschickt darauf zu reagieren. Er kann dir das Wort so im Munde herumdrehen, dass du dich nachher schlecht, gestört, fehlerhaft und ihm gegenüber schuldig fühlst. Er ist im Recht und du im Unrecht. Das ist dir nach dem „Gespräch“, das einer Hirnwäsche gleicht, klar.

Dir darf es niemals besser gehen, als ihm

Wenn es dir besser geht, als ihm, weiß er das schnell zu ändern. Er kritisiert dich und weist dich auf deine Fehler hin, um dir deine Freude zu nehmen oder zieht die Opferkarte. Er macht dich auf sein eigenes Leid aufmerksam und fordert diesbezüglich deine große Anteilnahme und Fürsorge. Er lässt dich schnell begreifen, dass er und seine Bedürfnisse weitaus wertvoller und wichtiger sind als du und dass sein Leid viel dramatischer ist, als deines. Wenn du etwas tust, was ihm missfällt, lässt er dich sein Missfallen deutlich spüren. Er kann dir großzügig Freiraum gewähren, doch nur mit einem eingflößten schlechten Gewissen. Seine Zuwendung kannst du dir nur mit viel Bitten und Betteln zurückerobern.

Du hast stets das Gefühl, für die Belange und Bestätigung deines Partners verantwortlich zu sein. Wenn er nicht bekommt, was er braucht oder er sich schlecht fühlt, fühlst du dich schuldig. Du hast immer den Eindruck, in der Beziehung mehr zu geben und dass es doch nie ausreicht. Du fühlst dich ausgesaugt. Der Narzisst ist ein Fass ohne Boden. Egal wie viel Anerkennung du ihm zollst, es wird für ihn nie genug sein, sodass du immer an deiner Liebes-/Leistungsfähigkeit zweifeln wirst und das Gefühl hast, in seiner Schuld zu stehen.

5. Er ist nie schuld, sondern immer Opfer

Tarnung als Opfer

Wenn ein Narzisst Bewunderung nicht sicherstellen kann, dann geht er oft in die Opferrolle, um Zuspruch und Aufmerksamkeit zu bekommen. Verantwortung für sein Handeln übernimmt er nur, wenn er Erfolg hat. Dann ist er der King. Ansonsten sind immer die anderen schuld und er der Leidtragende, der bemitleidet werden muss. Auch von dir. Selbst in verzwickten Situationen weiß er sich geschickt herauszureden und sich in unschuldigem Licht darzustellen, sodass ihm deine Aufmerksamkeit und dein Mitgefühl sicher sind.

Ein Narzisst kann sich bei dir auch „entschuldigen“, besser gesagt: herausreden. Und das auf sehr charmante Weise. Das tut er dann, wenn er merkt, dass er dich braucht und du nicht mehr verfügbar bist. Dabei geht es ihm jedoch nicht wirklich um dich, sondern um das Maß deiner Zuwendung, das er vermisst und dringend benötigt, um sich gut zu fühlen. Auch bei dem Versuch, sich zu entschuldigen, weist er die Verantwortung meist von sich und schiebt Gründe vor, die ihn zu seinem Verhalten gebracht haben. Er konnte gar nicht anders.

So schummelt sich der Narzisst oft durchs Leben. Nutzt andere zu seinem Vorteil aus oder macht sie verantwortlich für sein Verhalten oder seine schlechten Leistungen. Dabei hetzt er andere auch gegeneinander auf und erzählt Unwahrheiten, um sich in gutem Licht darzustellen. Er versucht dich im Laufe einer Beziehung auch zunehmend zu isolieren und stark an ihn zu binden. Du sollst wissen, dass niemand – außer er – es gut mit dir meint und du seinen Schutz und seine Fürsorge brauchst, um überleben zu können.

6. Auf Kritik reagiert er mit Rückzug, Wut, Beleidigt-sein

Ein Narzisst hält sich selbst für das Größte. Kritik an ihm stellt seine eigene Herrlichkeit in Frage und ist für ihn nahezu unverzeihlich. Zeitgleich spürt er durch Kritik seine eigene tiefe Unsicherheit, die er auf keinen Fall spüren möchte. Daher duldet er es nicht, in Frage gestellt zu werden und wählt Strategien, um sich so schnell es geht wieder wertvoll und erhaben zu fühlen – wie beispielsweise durch Wutausbrüche, Rückzug oder Gekränkt-sein.

Wut

Er explodiert lautstark, wird respektlos, cholerisch und rasend vor Wut. Er macht dich demütigend auf deine Fehlerhaftigkeit (und seine Herrlichkeit) aufmerksam. Oft kommt es auch zu Gewalt. Du bist das kleine von ihm abhängige Wesen, das wieder daran erinnert werden muss, was es an ihm hat. Oft droht er auch mit dem Beenden der Beziehung. Nach der gehörigen Standpauke bleibst du zutiefst irritiert, sprachlos und schuldbewusst zurück. Du fühlst dich erschüttert, minderwertig und gedemütigt, woraus er seinen Wert speist.

Rückzug / Liebesentzug

Er zieht sich zurück, ignoriert dich und lässt dich wissen und spüren, dass du es nicht verdienst, dich in seiner Gegenwart aufzuhalten. Er droht auch hier oft damit, die Beziehung zu beenden (es sei denn dir wird bewusst, wie toll er ist und welch Ehre es ist, dass du bei ihm sein darfst). Der Liebesentzug dient dazu, dich verlassen fühlen zu lassen und den Wunsch in dir zu wecken, dich intensiv um ihn – um Nähe und Harmonie – zu bemühen.

Beleidigt-sein

Tief gekränkt von deiner Kritik, kann der Narzisst auch höchst beleidigt reagieren. Er weist dich mit seiner Redegewandtheit wieder geschickt auf deinen Platz zurück. Er verdeutlicht dir seine Unschuld, seine Großartigkeit und seine Opferposition und weckt ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle in dir, die deine Bewunderung und Zuwendung an ihn sicherstellen.

Narzisst und die Abhängigkeit

Diese sechs Symptome beschreiben einen stark krankaften Narzissmus und treten nicht immer in dieser Intensität auf. Denn erinnere dich: Es gibt verschiedene Ausprägung von Narzissmus. Die Beschreibungen sollen dir helfen, ein Bewusstsein für starken Narzissmus zu schaffen und eine ungesunde Ausprägung in deinen Beziehungen oder deinem Umfeld zu erkennen.

3 Gründe, warum hochsensible Menschen auf Narzissten anspringen

Warum finden Hochsensible Narzissten oft so anziehend? Warum bleiben sie in einer solchen Beziehung, wenn Macht und Manipulation dominieren? Dazu drei mögliche Gründe.

1. Sie fühlen sich gesehen und geliebt

Viele hochsensible Menschen haben ein schwaches Selbstwertgefühl. Sie wurden als Kind in ihrer Hochsensibilität oft nicht erkannt und mit ihren Bedürfnissen akzeptiert. Die Eltern haben sie oft gemaßregelt , damit sie deren Erwartungen oder der Norm der Gesellschaft entsprechen. Die fehlende Akzeptanz und Zuneigung seitens der Eltern führt bei dem hochsensiblen Kind (und später Erwachsenen) oft zu der Sehnsucht, wahrhaftig gesehen zu werden, sich verbunden und geliebt zu fühlen. Ein Narzisst vermittelt ihnen dieses Gefühl.

Vor allem in der Anfangsphase, wenn der Narzisst seinen Charme, seine Zuwendung und Großzügigkeit spielen lässt, können sich hochsensible Menschen ganz besonders gesehen und geliebt fühlen. Vielleicht zum allerersten Mal in ihrem Leben. Dadurch wird für Hochsensible der Narzisst zu etwas ganz Besonderem. Er ist derjenige, der sie wirklich sieht und über alles liebt. Die Bindung zu ihm vertieft sich. Die Bewunderung für ihn steigt.

2. Der Umgang ist ihnen vertraut

Wie anfangs erwähnt, gibt es viele hochsensible Menschen, die narzisstische Elternteile hatten. Somit ist für diese hochsensiblen Menschen das Verhalten eines Narzissten sehr vertraut. Und so paradox es klingt: Das, was sich vertraut anfühlt, fühlt sich sicher an. Es ist bekannt, gewohnt und man weiß, was einen erwartet. So kann es passieren, dass hochsensible Menschen sich unbewusst und immer wieder dieses – ihnen vertraute, wenn auch schädigende – Umfeld aussuchen und darin bleiben, weil sie ihre Rolle und ihren Platz darin kennen.

3. Sie brauchen und bewundern starke Führung

Da hochsensible Menschen durch die häufigen Maßregelungen in ihrer Kindheit oft nicht gelernt haben, sich selbst zu vertrauen, sind sie oft dankbar für die Führung, die ein Narzisst ihnen vorgibt. Und sie bewundern oft auch den selbstsicheren Auftritt des Narzissten und wünschen sich, mehr wie er zu sein. Auch wenn die Art der Führung im Laufe der Beziehung für Hochsensible oft zum Leidensthema wird, trauen sie sich oft nicht den Schritt in die Eigenständigkeit, weil sie Eigenständigkeit nie gelernt haben. Denn: Wer sind sie, ohne äußere Führung? Was ist richtig und was falsch, wenn es niemand vorgibt? Was können sie und was nicht, wenn niemand ein Auge darauf hat? Das mangelnde Vertrauen in sich hält sie oft in der Beziehung fest.

„Wer bin ich? Entdecke dich in deiner Hochsensibilität – Wie du herausfindest, wer du bist und dein Selbstvertrauen stärkst.

3 Gründe, warum ein Narzisst hochsensible Menschen als Opfer wählt

Hier sei erwähnt, dass Narzissten in der Regel nur hochsensible Menschen mit einem schwachen Selbstwert als Partner auswählen. Narzissten haben die exzellente Fähigkeit, zu erspüren, ob der andere Mensch seine narzisstischen Bedürfnisse erfüllen kann. Denn darum geht es ihm bei der Partnerwahl: Dass sein Narzissmus bedient wird. Hat er einen – für seine Belange geeigneten – Partner erspäht, beginnt er mit der Umwerbung. Warum sind nun hochsensible Mensch mit schwachem Selbstwert so geeignet für ihn?

1. Leichte Manipulierbarkeit

Der Narzisst hat in einem Mensch mit wenig Selbstachtung ein williges Opfer gefunden, das sich aufgrund seiner Minderwertigkeitsgefühle leicht manipulieren und beherrschen lässt. Ein Mensch mit starken Selbstzweifeln ist schnell zu demütigen, zu kontrollieren und für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. Ein Narzisst weiß das.

2. Hohe Aufmerksamkeit und Zuwendung

Hochsensible Menschen haben ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen und viel Mitgefühl, wodurch der Narzisst ein besonders hohes Maß an Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen kann. Auch das hohe Harmoniebedürfnis hochsensibler Menschen kommt ihm hier sehr zu Gute. Er sitzt an der richtigen Quelle, die er effizient anzuzapfen weiß. (Erinnere dich: Aufmerksamkeit und Bewunderung sind sein Lebenselixier).

3. Keine Bedrohung

Ein Narzisst möchte immer in einer übergeordneten Position sein und sich machtvoll fühlen. Ein hochsensibler Mensch mit wenig Selbstachtung nimmt automatisch eine niedere Position ein und ist von sich aus bereit, sich zu unterwerfen. Dadurch wird er dem Narzissten in seinem Rang nicht gefährlich und verhilft ihm dazu, seine Erhabenheit stets zu spüren.

Beziehungen zum Scheitern verurteilt

Die Ziele, die ein Narzisst bei der Partnerwahl verfolgt, sind stets eigennützig. Langfristig gesehen lässt sich mit einem Narzissten keine – zumindest für beide Seiten – erfüllende Partnerschaft führen. Eine Beziehung zielt für den Narzissten immer darauf ab, den eigenen Selbstwert durch den Partner sicherzustellen – mit Hilfe von Macht, Manipulation, Vereinnahmung und Liebesentzug. Wenn ein Partner „ausgedient“ hat, weil er das Maß an Aufmerksamkeit nicht mehr leisten kann, wird er gewechselt.

Mit zunehmender Dauer der Beziehung kommt das wahre Gesicht des Narzissten zum Vorschein. Die Manipulation, Intrige, Demütigung und Machtkämpfe steigen. Der Partner bemerkt zunehmend, dass das Verhalten vom Narzisst nichts mit wahrer Liebe zu tun hat und entwickelt den Wunsch, sich aus der Beziehung zu lösen. Das ist oft ein langer Weg. Oft wird aus dem Beenden einer solchen Beziehung eine sehr lange On-Off-Beziehung. Man kann nicht mit-, aber auch nicht ohne einander – und das von beiden Seiten. Auch hier wirkt noch in hohem Maße die gegenseitige Abhängigkeit und beim Opfer die Erinnerung an die nie sonst dagewesenen Höhenflüge samt tiefer Verbundenheit mit dem Partner, die ihn an ihn binden.

Wer bist du eigentlich?

Hochsensible Menschen, die in Beziehungen mit Narzissten waren oder sich aus diesen lösen, stehen vor der großen Herausforderung, eigenständig zu werden – ihre eigene Identität zu finden, sich und ihre Bedürfnisse kennenzulernen und das Vertrauen zu entwickeln, sich selbstbestimmt durchs Leben führen zu können. Dazu ist meist professionelle Hilfe von außen nötig – mal in geringerem, mal in größerem Umfang. Ex-Partner von extremen Narzissten sind durch die zermürbende Beziehung oft nur noch Fragmente ihrer selbst und benötigen oft auch eine Therapie. Anderen hilft es schon, durch Coaching und punktuelle Begleitung sich selbst zu stärken und das Beziehungstrauma zu überwinden.

Die starken Wirkmechanismen eines Narzissten können Hochsensible jedoch nicht nur in partnerschaftlichen Beziehungen erleben. Auch in Freundschaften, engen Chef-Angestellten- oder Lehrer-Schüler-Verhältnissen kann ein Narzisst sein Werk in hohem Ausmaß vollbringen und zutiefst zerstörerisch wirken.

Aufbruch in die Freiheit – 5 Schritte in dein neues Leben

1. Bewusstheit

Bewusstheit ist der erste Schritt in ein gesundes und freies Leben: Erkenne, dass du es mit einem Narzissten zu tun hast. Erkenne seine Manipulationstechniken sowie seine Skrupellosigkeit dir gegenüber. Das fördert eine gesunde Wut in dir, die als Handlungsenergie genutzt werden kann.

Auch dir selbst darf bewusst werden, wo deine eigenen Schwachstellen sind und warum du dich in diese Beziehung hineinbegeben und dich dort halten lassen hast/lässt. Das Wissen um die Ursachen für deine Abhängigkeit schenkt dir die Möglicheit, die Wurzeln des Übels anzugehen: Aus der ungesunden Beziehungsdynamik auszusteigen und auch nicht mehr in solche ungesunden Beziehungen zu geraten.

Wenn du die Notwendigkeit zu gehen erkennst, beginnt dein Weg in ein neues Leben – frei vom Narzissten und dir selbst zugewandt.

2. Schaffe Distanz

Schaffe Distanz zum Narzissten. Kappe die Verbindung soweit es in deinem Rahmen möglich ist und überlege dir, wie du noch mehr Distanz schaffen kannst. Wenn du mit einem Narzissten zusammenlebst, gehe auf Abstand, komme bei Freunden oder Familie unter. Suche dir eine eigene Wohnung. Lenke deinen Fokus auf etwas Positives in deinem Leben. Umgib dich mit Menschen, die dich achten. Finde Zuflucht bei Tieren. Suche einen Sinn und heilsamen Fokus in deinem Leben, um in deinem Alleinsein nicht ständig an die Beziehung denken zu müssen und zu leiden.

3. Nimm dir Zeit zum Heilen

Die intensive Ausbeutung und Manipulation haben sehr an deinen Kräften gezehrt. Nimm dir Zeit für dich und deine Heilung. Nimm dir Urlaub und fahre an einen Ort, an dem du dich wohlfühlst. Vielleicht kannst du dir auch eine längere Auszeit nehmen oder beruflich zurücktreten. Handhabe es auf gesunde Weise, so wie es Tiere tun: Ziehe dich zurück, um deine Wunden zu lecken. Du brauchst die Zeit.

4. Wende dich dir selbst zu

Befasse dich mit dir selbst. Lerne dich kennen:

  • Wer bist du?
  • Was hast du für Bedürfnisse?
  • Was sind deine wichtigsten Werte, die von nun an Beachtung haben dürfen?
  • Was sind deine Träume und Wünsche, die du verwirklichen willst?
  • Welche Lebensweise tut dir gut und passt zu dir?

Nimm dir Unterstützung auf dem Weg, um deine Wunden zu heilen und zu dir selbst zu finden. Stärke deine Selbstachtung und deinen Selbstwert, um Liebe in dir und für dich zu spüren – und um Liebe, Gesundheit und Freude zu erfahren.

Im Grunde besitzen der Narzisst, als auch das Opfer, einen mangelnden Selbstwert und füllen die Lücken durch den anderen auf.

5. Lerne dich selbst zu führen

Lerne, dich selbst – gesund und verantwortungsvoll – durchs Leben zu führen. Lerne, deine Gedanken bewusst zu lenken und das Positive in deinem Leben zu stärken. Lerne, in schwachen Momenten für dich selbst da zu sein und eine Sicherheit in dir selbst zu finden, die dich hält und trägt. Stärke die Verbindung zu dir und lerne, sie zu halten. Sodass du Vertrauen in dich und deine Führung hast und die Angst vor dem Alleinsein und der Eigenständigkeit zunehmend verschwindet.

Werde dir selbst wichtig

Ein Mensch mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung kann man nicht ändern, auch wenn diese Erkenntnis wehtut. Alles, was er tut, dient dem Selbstzweck, ohne Rücksicht auf Verluste. Seine Methoden sind höchst manipulativ und wirklich bedeuten, tut ihm niemand etwas, außer er sich selbst. Er ist unfähig, tiefere Gefühle für andere zu entwickeln und stellt sich immer an oberste Stelle. Daher ist jedes Bemühen, einen Narzissten zu verändern, ergebnislos.

Es ist ein Kampf um die Liebe einer Person, die dich niemals zurücklieben kann.

Dieser Artikel hat dein Bewusstsein für Narzissten und vielleicht auch für deine eigenen Schwachpunkte ihnen gegenüber geschärft. Wenn du einen Narzisst in deinem nahen Umfeld enttarnt hast, dann halte dir vor Augen, wie demütigend und ausbeuterisch das Verhalten des Narzissten ist und stärke deine Selbstachtung. Das ist elementar wichtig, um dich aus der Abhängigkeit zu ihm zu befreien und auf keinen Narzissten mehr hereinzufallen. Lerne dich kennen und WERT.ZU.SCHÄTZEN. Sei es dir wert, respektvoll behandelt zu werden. Erlaube dir erfüllende und gesunde Beziehungen auf Augenhöhe. Erlaube dir ein Umfeld, das dich wirklich liebt, nährt und stärkt. Erlaube dir, dein eigenes Glück zu definieren und zu leben.

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Weche Erfahrungen hast du mit Narzissten gemacht? Wo bist du einem begegnet und wie mit ihm umgegangen?

Weiterführende Links

Das Thema Narzissmus ist höchstkomplex und füllt nicht umsonst unzählige Bücher. Hier ein paar Empfehlungen:

6 Gedanken zu „Der Narzisst – und warum hochsensible Menschen oft seine Opfer sind“

  1. Ein sehr wertvoller Artikel! Ich bin aber auch sehr erschrocken, weil ich rückblickend auf meine Beziehungen feststelle, dass ich mit Partnern zusammen war, die starke narzisstische Züge hatten. Ich verstehe nun aber auch, warum ich auf sie angesprungen bin, denn deine Gründe treffen auf mich zu. Ich frage mich trotzdem, wieso hochsensible Menschen nicht merken, dass sie angelogen werden. Haben wir nicht eigentlich eine gute Menschenkenntnis?
    Liebe Grüße
    Anne

    Antworten
    • Liebe Anne,
      eine sehr gute Frage! Du hast recht: Hochsensible Menschen haben meist ein sehr gutes Gespür für Ehrlichkeit, was aber nicht immer gleichbedeutend mit Wahrheit ist. Ein Narzisst kann so tief in seiner eigenen Geschichte gefangen sein, dass er es selbst für wahr hält, was er sagt und dadurch sehr unschuldig und ehrlich wirken. Oft ist er sich seiner Störung auch nicht bewusst und agiert aus dem Unterbewusstsein heraus.

      Ebenso weiß ein Narzisst geschickt die Punkte bei dir zu drücken, mit denen er dich für sich gewinnen kann. (Sehnsucht nach Geliebt-werden, Verbundenheit, dein Harmoniebedürfnis,…) Wenn diese Schwachstellen bei dir gedrückt sind, kannst du oft nicht mehr klar denken. Du reagierst stark auf das Gefühl, das er in dir auslöst, ohne auf anderes zu achten. Der Narzisst ist eben sehr geschickt im Manipulieren, sodass dir das oft nicht gleich auffällt. Dafür im Laufe der Beziehung schon! In der Regel bemerkst du irgendwann, dass etwas nicht stimmt und für dich nicht passt. Dein Fokus verändert sich und dein Blick wird klarer, der Zugang zu deiner Intuition erhöht sich.
      Liebe Grüße
      Bettina

  2. Guten Morgen Bettina
    Danke für den Satz “ Es ist ein Kampf um eine Person die Dich niemals zurücklieben kann.
    Seit einigen Monaten kämpfe ich damit mich immer mehr anzupassen an einen Mann der klar sagt das aus unserer Verbindung nichts festes werden wird.
    Ich habe die Fähigkeit die Farben also die Aura der Menschen zu sehen und weis eigentlich auf dieser Wahrnehmungsebene genau was ich sehe und wie ich das für mich einordnen kann.
    Dann kommt bei mir der „normale “ Verstand rein und sagt Karin das stimmt alles nicht.
    So war es auch im Verhältnis mit ihm ich habe genau gespürt und gesehen das die Farben und die Aura für mich nicht ganz stimmig sind aber die Sehnsucht ein wenig Liebe erhaschen zu können war irgendwie viel größer.
    Nun bin ich für mich auf dem Weg zu lernen mir und meiner anderen Wahrnehmung mehr und mehr zu vertrauen und bei meinem innerlichen Fokus zu bleiben.

    Schwierig ist es für mich meiner eigenen Wahrnehmungswelt zu vertrauen.
    Viele Grüße
    Karin

    Antworten
    • Liebe Karin,
      vieleb Dank für deinen Kommentar und dein Vertrauen, dich hier mit einem so schmerzhaften Thema zu öffnen. Es ist eine besondere Gabe, die du bekommen hast und sie möchte dich vermutlich auch genau zu dem einladen, was du zunehmend bereit bist zu lernen: Dir und deiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen und diese Gabe für dich (und vielleicht irgendwann auch für andere) auf höchste Weise zu nutzen.

      Ich weiß, dass manchmal was Wissen, dass etwas nicht gut für uns ist, auf Verstandesebene nicht ausreicht, um unser Verhalten zu ändern, weil wir aus bestimmten Gründen noch nicht bereit sind, aufzugeben oder anders gesagt: Uns uns selbst hinzugeben. Die schmerzhaften Erfahrungen machen dieses Hinwenden zu uns selbst oft erst nach und nach möglich. Dieser schmerzhafte Weg ist Teil des Erkennungs- und Heilungsprozesses, den wir manchmal brauchen, um wahrhaftig loslassen zu können. Ich wünsche dir von Herzen einen sanften Blick für dich selbst und die Erlaubnis an dich, loszulassen, was dir nicht mehr dienlich ist.
      Alles Liebe
      Bettina

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