Brief an die Vergangenheit

Liebe Vergangenheit,

ich danke dir für dich,
für die Erinnerungen, die ich an dich habe,
für den Schmerz und die Trauer,
für die Freude und das Glück.
Für die leichten und die schweren Lektionen, die du mich gelehrt hast.

Liebe Vergangenheit,

es fiel mir nicht immer leicht, so von dir zu reden, aber ich habe mir vorgenommen, dich nicht mehr zu verurteilen, wie ich es oft getan habe. Verflucht für das, was du mir angetan hast, ohne zu begreifen, dass ich mir alles selbst angetan habe, was ich schmerzhaft in mir trage.

Ich habe es zugelassen. Ich habe es soweit kommen lassen.

Du kannst nichts dafür.

Du hast den Rahmen gegeben, in dem ich agiert habe.

In dem ich gehandelt habe.

In dem ich Rückschlüsse gezogen habe.

Und manchmal die falschen.

Manchmal habe ich mich für Verbitterung und Enttäuschung entschieden, anstatt für Lektion und Zuversicht.

Liebe Vergangenheit,

ich danke dir für dich, aber ich möchte nicht in dir leben. Nicht immer in deine Zeit flüchten und meine erlebten Geschichten als Schutzschild vor mir tragen, aus Angst vor dem gleichen Schmerz, den ich bereits erlitten habe.

Ich möchte nicht, dass du dich zwischen mir und meinem Leben aufbaust, zerkratzt und milchig wie ein Schleier vor meinen Augen, der meine Sicht verzerrt auf alles, was ich durch dich hindurch anblicke.

Das ist nun vorbei.

Ich möchte dich nicht vergessen, versteh mich nicht falsch, sondern dich als wertvollen Teil in mir tragen. Dankbar für all die Lehrstunden, die du mir gegeben hast und die ich genutzt – oder nicht genutzt habe. Die einen Neuanfang oder ein Nachsitzen beinhaltet haben.

Ich war es.

Ich allein, die darüber bestimmt hat.

Liebe Vergangenheit,

selbst wenn ich einige Entscheidungen falsch getroffen habe, mich gegen das Lernen und für den Frust entschieden habe, möchte ich das nun ändern. Dich nutzen für meinen weiteren Weg, nicht als Ausrede, sondern als Ratgeber.

Die Lektionen stehen immer noch da in meinem Lebenslauf. In der alten Zeit, die mich einholt, wenn ich nicht dazu lerne.

Alles, was ich nicht begriffen habe, möchte ich heute verstehen. Ich möchte annehmen, was ungeheilt in mir liegt und von dem ich mich nicht lösen konnte. Wollte.

Liebe Vergangenheit,

ich möchte durch die Steine, die du mir in den Weg gelegt hast, etwas Schönes bauen. Eine solide Treppe – individuell – ruhig ein wenig krumm und schief, aber doch stabil.

Die Stufen, auf denen ich gehe, sollen nicht aus Wut und Groll geformt sein, nicht aus Neid und Gier, Rache und Hass, die den Untergrund brüchig, dünn und schwach machen.

Sie sollen aus Vergebung und Liebe, aus Selbstannahme und Güte gebaut sein. Auf dass sie mein fester Grundstein sind, auf dem ich sicher gehe, gestärkt mit jeder Stufe und zu meinem inneren Frieden zurückfinde.

Was möchtest du deiner Vergangenheit sagen?

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2 Gedanken zu „Brief an die Vergangenheit

  1. Martin Antworten

    Danke liebe Bettina,

    ganz besonders für die Metapher aus den Steinen, die in der Vergangenheit in unserem Weg lagen eine Treppe zu bauen.

    Ich will heute Abend darüber meditieren.

    Alles Liebe, Martin

    • Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Danke dir Martin,

      das freut mich, dass ich dich inspiriert habe darüber nachzudenken.

      Alles Liebe
      Bettina

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