Den Tod akzeptieren – wie du Verlust ertragen lernst

Verlust ertragen

Und wie du von Menschen und belastenden Erinnerungsstücken loslassen kannst

  • Hältst du an einem Menschen fest, der nicht mehr bei dir ist?
  • Reißt dich dieser Umstand immer wieder zu Boden, weil du einfach nicht wahrhaben kannst, was Wahrheit ist?
  • Hast du Erinnerungsstücke an diesen Menschen, die jedes Mal Traurigkeit in dir wachrufen? Die dich zum Weinen bringen und dich leer fühlen lassen?

Ich glaube, dass wir auf der Erde sind, um zu lernen. Jene Aufgaben, dir wir uns jenseits dieser Zeit gesetzt haben, aber auch da sind, um lieben zu lernen und glücklich zu sein.

Und glücklich können wir nur sein, wenn wir immer wieder loslassen. Denn wir werden im Leben laufend mit Abschieden konfrontiert oder mit Umständen, die wir akzeptieren müssen. Wer da nicht lernt, loszulassen, wird immer wieder im Schmerz landen.

Loslassen kann unglaublich schwer sein, aber es ist eine Kunst, die du lernen musst, wenn du glücklich sein willst.

Warum Verlust schmerzt

Leid entsteht immer dann, wenn du an etwas festhältst, was nicht (mehr) gegeben ist. Dann gibt es keine Übereinstimmung zwischen dem, was du willst und dem, was tatsächlich ist. Und diese fehlende Übereinstimmung verursacht dir Leid. Sie verursacht einen Schmerz, weil beide Zustände nicht mehr in Einklang gebracht werden können.

Wenn ein nahestehender Mensch gestorben ist, tritt genau das ein.

Den Tod verstehen lernen

Auch ich bin sehr traurig, wenn ein mir nahestehender Mensch gestorben ist. Um mir diesen Umstand erträglicher zu machen, erinnere ich mich daran, dass dieser Mensch im Leben sein Ziel erreicht hat. Ich glaube, dass jeder, der stirbt, im Leben das erreicht hat, was er hier erreichen sollte und wollte, ob ihm das bewusst ist oder nicht.

Sie haben ihre Aufgabe gemeistert und die Hülle abgestreift, die sie gebraucht haben, um die Aufgabe zu bewältigen, die sie sich vorgenommen haben. Sie haben alle Last abgegeben und sind nun frei.

Das ist nicht immer leicht nachzuvollziehen.

Gerade bei Menschen, die jung sterben, ist das oft schwer zu verstehen, weil sie in der Vorstellung von den meisten Menschen ihr ganzes Leben noch vor sich hatten. Aber ihre kurze Lebenszeit wird dabei immer mit dem durchschnittlichen Lebensalter verglichen und nicht mit dem, was diese Menschen schon in ihrer Zeit erlebt und erfahren haben. Nicht immer wohnen junge Seelen in jungen Menschen.

Bei alten Menschen ist das leichter zu begreifen. Sie wollen oft gehen, weil mit dem Alter die Krankheit und Gebrechlichkeit kommt und ihnen die Last des Lebens zu schwer wiegt. Ich kenne sehr viele alte Menschen, die sich wünschen, gehen zu dürfen. Auch meine Oma hatte eine Zeitlang vor ihrem Tod gesagt „Mir reicht es. Ich habe genug gelebt.“

  • Der Tod ist für mich immer die Beendigung einer Aufgabe
  • Der Tod ist für mich immer ein Ende und ein Anfang

Diese Gewissheit macht den Tod für mich erträglicher und hilft mir, mit diesem Zustand umzugehen.

Warum wir an Erinnerungsstücken haften und warum du sie loslassen solltest

Alles was uns nach dem Tod bleibt ist erst mal der Schmerz durch den Verlust und die Erinnerungen. Daher möchten wir oft das, was uns an die Verstorbenen erinnert, behalten. Besitzen. Sie dadurch bei uns wissen. Mit ihnen in Verbindung sein – seelisch wie körperlich.

Es heißt, an Gegenständen haften Energien. Wenn du an Altem hängst, hältst du das und das, was du damit verbindest, am Leben und bei dir.

Eine Zeitlang ist das ok und oft auch nötig, um den Verlust zu realisieren. Aber es gibt einen wichtigen Grund, warum du dich irgendwann von den Gegenständen verabschieden solltest, die schmerzhafte Erinnerungen hervorrufen:Um die Seele, die an ihnen haftet, gehen zu lassen.

Wie du gedanklich loslassen lernst

  • Wer ist in deinem Umfeld gestorben, an dem du noch sehr hängst?
  • Gibt es Gegenstände in Erinnerung an diese Person?(Deine Mutter, deinen Vater, eine gute Freundin)
  • Nimm sie zur Hand und sage mir: Was rufen sie in dir hervor?Ist es Schmerz oder Dankbarkeit? Belastung oder Erleichterung? Was ruft allgemein die Erinnerung an den Verlust hervor? Könntest du wieder anfangen zu weinen, weil der Schmerz dich wieder überkommt?

Wenn du belastende Erinnerungsstücke hast, dann möchte ich dir etwas erklären, um dir mit diesem Verständnis die Möglichkeit zu geben, loslassen zu können.

Erst gedanklich und dann eventuell tatsächlich. Aber das gedankliche Loslassen ist viel wichtiger, um die Seele, die du durch dein Festhalten und den Schmerz bei dir hältst, frei zu geben.

Denke daran, es geht nur um die Gegenstände, die schmerzhafte Gedanken hervorrufen oder den Schmerz an sich, der durch den Verlust entstanden ist.

1. Erinnerungsstücke frei geben

Alte Menschen haben oft Tagebuch geschrieben.

Deren Kinder können oft schwer von diesen Tagebüchern loslassen, auch wenn sie viel Platz einnehmen und oft nicht mal gelesen werden. All die Geschichten – die Freude und das Leid der Verstorbenen – befinden sich in diesen Büchern. Sie wegzutun verursacht ein schlechtes Gewissen und Schmerz, weil man sich vom Persönlichsten, vom Letzten trennt, was geblieben ist.

Wenn du meine Vorstellung vom Leben und Tod teilst, dann hat auch in deinen Augen der Verstorbene sein Leben lang darauf hingearbeitet, irgendwann mit Vollendung seiner Aufgabe von der Erde zu gehen. Er hat dazu Geschichten gebraucht. All jene niedergeschriebenen Geschichten aus den Tagebüchern. Er hat sein Schicksal tragen müssen und wurde nun von allem erlöst. Nichts davon gehört mehr zu ihm. Er ist Bewusstsein und in einer viel größeren Form gewachsen, dank der Geschichten, die nun hinter ihm liegen und ihm zum Wachstum verholfen haben. So wie er seinen Körper nicht mehr brauchte, braucht er auch nicht mehr all die Erinnerungen, die er jahrelang angesammelt hat. All die Geschichten, die er niedergeschrieben hat. Das, was wichtig ist, ist das, was er geworden ist.

Vielleicht hilft dir das zu verstehen, dass auch du diese Erinnerungen in Form von den Tagebüchern nicht brauchst. Befreie auch du dich – wie die Person, die gehen durfte – von den Geschichten.

2. Den Menschen frei geben

Alles was dich mit dem Verstorbenen verbindet, trägst du in dir.

Eine Verbundenheit, die mit nichts zu vergleichen ist. Das – und nur das – ist, was bleibt und bleiben soll.

Befreie dich von der Vergangenheit. Von den Gegenständen. Von dem Schmerz, der dich durch all die Erinnerungen überkommt, wie Wogen, die dein wundes Herz umspülen. Lass los – und die Wellen glätten sich. Trenne du dich von dem Schmerz und trenne dadurch den Verstorbenen von dem Schmerz.

Wandle deine Trauer in Dankbarkeit und Respekt, dass er das Leben gemeistert hat. Auf seine Weise. Er ist frei. Das war sein Wunsch und ihm geht es gut. Du brauchst nicht weinen. Denn wie Laotse so wunderschön sagte: Wenn du wüsstest, wohin ich gegangen bin, würdest du dich fragen, warum du geweint hast.

Vergiss nie, dass du nichts verlierst, was du im Herzen trägst. Niemals. Ganz im Gegenteil. Das unsichtbare Band ist das einzige, das euch verbindet und für euch beide von Bedeutung ist. Es gibt nichts Materielles, was noch Wert für die Seele hat, die gegangen ist, außer eure Liebe zueinander. Durch sie werdet ihr euch wiedersehen – außerhalb von Zeit und Raum.

Tod akzeptieren

Werde dir bewusst, dass du Dinge nicht loswirst, sondern sein lässt

“Abschiede sind nur für die, die mit den Augen lieben. Denn für jene, die mit dem Herzen und der Seele lieben, existiert keine Trennung.” – Rumi

In vielen Situationen fällt es uns schwer, loszulassen, weil wir Angst haben, etwas zu verlieren, von dem wir uns nicht trennen möchten. Zum Beispiel, wenn ein Mensch gegangen ist und der Zurückgebliebene nicht akzeptieren will, dass der andere nicht mehr bei ihm ist.

Mach dir bewusst, dass du durch das Loslassen die Dinge nicht loswirst (die Umstände haben sich bereits geändert, du hast die Dinge bereits “verloren”), genauso wenig, wie du durch das Festhalten an nicht gegebene Umstände diese Tatsachen herbeiführen kannst.

Loslassen heißt, die Dinge sein lassen.

Wenn dir das klar wird, fängst du an, dich dafür zu öffnen, die Dinge anzunehmen, um Frieden in dir zu finden.

Helfen kann letztendlich tatsächlich nur die Zeit. Aber nicht, weil sie die Wunden heilt, sondern, weil das Ereignis aus dem Mittelpunkt rückt.

Ich wünsche dir sehr, dass du das Loslassen lernst.

Wie gehst du mit dem Tod um?

Weiterführende Links:

  • Im dieser Ausgabe des kostenlosen Online Magazins “Prinzip Apfelbaum” geht es ausführlich um das Thema Trauer
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28 Gedanken zu „Den Tod akzeptieren – wie du Verlust ertragen lernst

  1. Melanie Bornschein Antworten

    Liebe Bettina,
    dein Blog ist immer wieder eine Wohltat. Ich freue mich immer sehr, wenn ein Tabuthema wie der Tod und die Trauer aus dem Abseits geholt wird und in einer so wertschätzenden Art und Weise beschrieben wird.

    Der Tod gehört zum Leben dazu und ich bin auf meinem Blog sogar der Frage nachgegangen, ob man über ihn lachen darf.
    Liebe Grüße
    Melanie

    • Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Melanie,
      ich freue mich sehr, dass du das sagst. Der Beitrag fiel mir nicht leicht und ich hatte sogar die Befürchtung, dass viele meine Sichtweise nicht verstehen würden. Deine Worte bestärken mich – in solchen Themen und in meinem Blog. Ganz herzlichen Dank!

      Dein Beitrag zum Tod hört sich sehr interessant an. Ich werde ihn auf jeden Fall lesen!
      Liebe Grüße
      Bettina

  2. Ingrid Dillon Antworten

    Ich bin voller Schmerz, weil ich mein Haustier gehen lassen musste. Es wird immer nur über Menschen gesprochen oder geschrieben, was ist mit Tieren? Trifft das, was hier geschrieben wurde auch auf andere Lebewesen zu?
    Liebe Grüsse
    Ingrid

    • Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Ingrid,

      ich kann deinen Schmerz sehr gut nachvollziehen. Auch ich habe vor Jahren ein Tier verloren, einen Hund, der für mich mein Ein und Alles war. Und ja, ich glaube auch, dass das für Tiere gilt. Für alle Lebewesen. Auch sie sind hier, um etwas zu lernen. Aber auch, um uns in unserem Wachstum zu unterstützen. Vor allem Großtiere wie Hunde oder Pferde gehen eine Verbindung mit uns ein, um uns etwas zu lehren, als auch, um von uns zu lernen. Im Gegensatz zu Menschen wissen Tiere jedoch von ihrer Aufgabe.

      Wen auch immer du gehen lassen musstest: Es war an der Zeit – für das Tier und für dich. Ihr habt euch gegenseitig gebraucht und nun ist euer Weg hier auf Erden zu Ende. Und auch ihr werdet euch wieder sehen: außerhalb von Zeit und Raum.

      Ich wünsche dir alles Gute und Kraft, um das Loslassen zu lernen.
      Alle Liebe
      Bettina

  3. Ingrid Dillon Antworten

    Liebe Bettina,
    Deine Worte helfen mir enorm. Meine Katze musste ich im Frühjahr loslassen, und der Kater ist mir noch bis 30. September geblieben. Ihm ist der Tod seiner Lebensgefährtin buchstäblich an die Nieren gegangen, aber er ist noch ein wenig bei mir geblieben, wie er mich auch in meinen aller dunkelsten Stunden begleitet hat. Ich weine noch so viel um ihn und spreche mit ihm, er ist in meiner Wohnung noch so spürbar, dass ich nach der Arbeit gleich heimrenne, um bei ihm zu sein. Bedeutet das, dass ich seine Seele nicht loslasse und ihn immer noch an mich binde?
    Liebe Grüße
    Ingrid

    • Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Ingrid,

      das ist ein schwerer Schlag und ich bin überzeugt, dass dein Kater für dich bei dir war – sowie du für ihn, weil er den gleichen Schmerz erlitten hat wie du.
      Ja, du lässt seine Seele nicht los, aber das ist nach der kurzen Zeit verständlich und völlig normal. Er war dir so nah, dass es einige Zeit dauern wird, bis du wirklich begreifen kannst, dass er (physisch) nicht mehr bei dir ist.

      Ich glaube auch, dass es ihm schwer fällt zu gehen. Vielleicht fühlst du ihn deswegen so nah in der Wohnung. Er weiß, dass er dein Halt war und lässt dich ungern alleine im Schmerz. Du wirst sehen, je mehr du begreifst und akzeptierst, desto weniger wirst du ihn spüren. Du lässt ihn los und er lässt dich los, weil er weiß, dass du das tiefste Tal deiner Trauer überwunden hast.

      Ihr werdet euch aber immer verbunden sein. Auch wenn du ihn losgelassen hast. Und die Zeit wird kommen, an dem du loslassen wirst.

      Vielleicht hilft dir die Gewissheit, dass auch du wertvoll für deine Lieben warst und sie durch dich lernen und ein schönes und liebevolles Leben erfahren durften. Und dass es etwas Höheres gibt, das uns alle verbindet und die Seelen wieder zusammenfinden, die gemeinsame Wege gingen. Vergiss nicht: wir wechseln nur die Räume und sind gar nicht weit. Das, was euch tatsächlich verbindet, lebt in dir. Du wirst immer eine Verbindung zu ihnen haben. Dein Schmerz wird gehen, aber deine Liebe für sie wird bleiben. In dankbarer Erinnerung werden sie einen Platz in deinem Herzen haben. Und wenn du deine beiden hören könntest, würden sie dir liebevoll “danke” sagen – und “bis bald”.

      Liebe Ingrid, ich wünsche dir von Herzen alles Gute.
      Fühl dich umarmt.
      Liebe Grüße
      Bettina

  4. Ingrid Dillon Antworten

    Liebe Bettina, danke noch einmal für Deinen Trost. Mein Glauben ist konform mit dem, was Du schilderst und es tut so gut, es nochmal gesagt zu bekommen. Wenn ich ganz verzweifelt bin höre ich das Hörbuch von Willigis Jäger -Meine Seele lege ich in Deine Hände- Zen-inspirierte Psalmen. Dort heisst es- es scliesst sich keine Tür, es öffnet sich eine Tür. Ich werde mir noch die Zeit zum Trauern nehmen und dann voll Vertrauen meinen Sammy loslassen. Er hat es wirklich verdient.
    Liebe Grüsse an Dich, Bettina und an all die anderen, deren Herz so schwer ist und hier eine Platform gefunden haben, um sich auszutauschen, oder wie ich hier, sich Trost und wieder Zuversicht zu holen.

    • Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Ingrid,
      danke auch dir für deinen offenen Worte und ehrlichen Fragen. Es ist schön, wenn man sich unter Gleichgesinnten austauschen kann. Ich kenne das Hörbuch nicht, aber du hast mich sehr neugierig darauf gemacht. Meine Oma, die leider auch schon tot ist, war ein großer Willigis Jäger-Fan und hat mir viel von seiner Weisheit erzählt. Du machst das genau richtig Ingrid und ich finde es großartig, dass du dich so mit dem Thema Tod und Trauer beschäftigst, um dich von dem Leid zu erlösen. Du bist auf dem richtigen Weg.
      Danke für deine lieben Worte.
      Liebe Grüße
      Bettina

  5. Ingrid Dillon Antworten

    Liebe Bettina,
    das erste Buch von Willigis ist auch sein wichtigstes. Es heißt “Die Welle ist das Meer”.
    Woher nimmst Du Deine Lebensphilosophie, was ist Deine Quelle? Bei Deinen Kommentaren ist es mir richtig den Rücken runtergelaufen. Meine älteste Tochter (40) schwimmt auch auf unserer Welle, nur dass sie mir einen Schritt voraus ist. Die nächste Generation halt. Sie lebt mit ihrem Sohn (15) Dorf bei Innsbruck, ganz in der Natur, idealer geht es nicht. Adrian, ihr Sohn, ist auch schon weiter als meine Große, die übrigens auch Bettina heißt, mein absoluter Lieblingsname. Trotz all meiner Einstellung zu Leben und Tod, es hat mir einfach nicht geholfen. Ich wollte mit Sammy physisch kuscheln und in dem Moment kommen auch all die Zweifel, ob er und Lisa und unser Hund Benny wirklich irgendwo, ohne Zeit und Raum auf mich warten. Ein Spruch, den meine Kinder und ich immer wieder sagen ist: “wer als erster geht, sammelt die Haustiere ein und wartet auf die anderen”. Wäre das nicht schön. Aber bis dahin können wir nur glauben und in der Mediation oder anderen meditatven Weisen verinnerlichen.
    Ich bin Dir sehr dankbar für Deine Hilfe und werde selbstverständlich Dir oder anderen hier beistehen.
    Liebe Grüße
    Ingrid

    • Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Ingrid,
      ich habe mich schon früh damit befasst, was hinter den Dingen steckt. Woher ich das Interesse habe, weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich schon früh eine sehr depressive Phase hatte. Ich lese auch viel, zum Beispiel Eckhart Tolle oder Jiddu Krishnamurti. Und ich komme durch so wunderbare Menschen wie dich an Bücher, aus denen ich etwas für mich mitnehmen kann und die mich weiterbringen. Ich kann nicht mit allem etwas anfangen und so nehme ich nur das für mich auf, mit dem ich mich wohlfühle und finde meinen eigenen Glauben. Die Natur ist für mich auch ein wichtiger Rückzugsort, der mir Erkenntnisse schenkt. Und meine Oma und meine Mama sind ebenfalls auf unserer Wellenlänge. Es ist so wohltuend, wenn man Menschen hat, die einen auf dieser Ebene verstehen. Da bist du bist du bestimmt auch sehr dankbar für deine Tochter und deinen Enkel. Liebe Grüße übrigens an Bettina 🙂

      Wie du selbst gemerkt hast, hilft Wissen allein nicht immer weiter. Das Herz braucht manchmal viel länger, was der Verstand schon lange begriffen hat. Aber genau deswegen sind wir hier. Um zu lernen und jede Krise macht uns stark, wenn wir nicht aufhören, weiterzugehen. Sich in der schwerste Stunde an seine Hoffnung zu halten, auch wenn das Ende des Tals nicht ersichtlich ist. Das ist eine wunderschöne Vorstellung, dass da oben die Person mit den Haustieren wartet, die als erstes gegangen ist. Ich weiß auch nicht, ob es wahr ist, was ich glaube. Es gibt so viele Glaubensrichtungen und für jeden ist seine richtig. Für mich ist meine richtig und nur das zählt. Wenn ich sie in Frage stelle, dann würde mir mein größter Halt fehlen. Aber ich bin mit der Zeit so gefestigt und überzeugt von diesem Glauben, dass ich ihn nicht verlieren kann.

      Ich danke dir für deinen Beistand und freue mich wirklich sehr, dich hier getroffen zu haben.
      Liebe Grüße
      Bettina

  6. Ingrid Dillon Antworten

    Liebe Bettina,
    für was in Deinem Leben konntest Du meinen Beistand brauchen? Du hast Dich am Ende Deiner Antwort für meinen Bestand bedankt, deshalb denke ich, wenn Du schon Beistand brauchst, lass es mich wissen.
    Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich so weit war, wie Du jetzt und habe auch früh begonnen, die Dinge zu hinterfragen. Vielleicht hat meine streng katholische Erziehung dazu beigetragen, aus Furcht vor Gott den Zweifel nicht zuzulassen. Aber im Verlauf meines Lebens konnte ich einfach nicht umhin und es gab immer Menschen, die mich begleiteten. In der heutigen Zeit kann ich es auch kaum mehr verstehen, an einen biblischen Gott zu glauben, aber egal, wenn es dem Gläubigen hilft, soll es so sein.
    In der Natur fühle ich mich auch zuhause, da spüre ich etwas wie Heimkommen, eine Sehnsucht, die ich schon lange kenne. Mein Leben war nicht ganz einfach, Depressionen kenne ich und das Flirten mit dem Tod sowie Todessehnsucht, aber in mir steckt auch so eine Energie und Lebensfreude, dass kein Krise tief genug war, um mich zu brechen. Beim Meditieren komme ich an einen Punkt, der fühlt sich an wie Heimkommen. Wenn ich in Rente bin, werde ich mich wieder einer Meditationsgruppe anschließen, das hilft dabei, zuhause wieder regelmäßiger zu meditieren.
    Du hast Recht, jeder muss für sich etwas finden, an das er glauben kann und sich dann auch nicht beirren lassen. Ich werde jedenfalls die beiden Bücher, die Du erwähnt hast, auch lesen. Wird sicherlich eine Bereicherung werden.
    Alles Liebe
    Ingrid

    • Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Ingrid,

      da habe ich mich leider falsch ausgedrückt. Ich brauche momentan keinen Beistand, aber wollte mich für dein Angebot bedanken, für uns da zu sein, wenn wir welchen brauchen. Ich werde gerne darauf zurückkommen.
      Ich kann mir gut vorstellen, dass bei dir die Furcht vor Gott eine große Rolle gespielt hat, umso schöner und befreiender für dich, deine Zweifel zugelassen und deinen eigenen Glauben gefunden zu haben. Toll, dass so viel Lebensenergie in dir steckt und dich keine Krise dauerhaft umwirft.

      Eine schöne Idee mit der Meditationsgruppe. Ich merke selbst, dass man das Meditieren in der ganzen Alltagsroutine schnell mal schleifen lässt.

      Ich würde mich freuen, wenn du mir von den Büchern berichtest. Was sie in dir bewegt haben. Und ich habe tatsächlich das Buch “Die Welle ist das Meer” im Nachlass meiner Oma gefunden und werde es auch bald anfangen zu lesen.
      Ganz liebe Grüße
      Bettina

  7. Ingrid Dillon Antworten

    Liebe Bettina,
    es ist schon eine Weile her, dass ich mich wieder gemeldet habe. Mittlerweile habe ich meine große Tochter Bettina in Tirol besucht und Deine Grüße ausgerichtet. Sie hat sich sehr darüber gefreut und grüßt zurück.
    Ich habe Deinen Buchvorschlag umgesetzt und mir das Buch von Eckhart Tolle “Die Kraft der Gegenwart” gekauft und es ist mit Abstand das Beste, was ich je in die Finger bekommen habe. Ich wusste gar nicht, dass viele Menschen auch so einen Lärm im Kopf haben, seit ich denken kann und alles was er sagt ist so einleuchtend. Mir fällt es schwer, im Jetzt zu bleiben, war schon immer so, aber es geht ja auch nur um das Dranbleiben und Weitermachen. Mittlerweile bin ich auf Seite 143 und es liegen glücklicherweise noch viele Seiten vor mir, aber sonst fange ich einfach wieder von vorne an. Die Trauer über den Tod meines Katers überrollt mich immernoch täglich, besonders wenn ich nach Hause komme, da kann und will ich nicht loslassen, weil ich beide Katzen in der Trauer spüre. Bedeutet das dann, aus der Gegenwart rausgehen. Ich gehe mal davon aus, dass Du schon ein ganzes Stück weiter bist, vielleicht hast Du die Transformation schon geschafft. Deshalb frage ich Dich mal, Herr Tolle steht ja leider nicht zur Verfügung und soweit ich in dem Buch bin, steht nichts mit dem Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen oder gar geliebten Haustieres drin.
    Liebe Grüße
    Ingrid

    • Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Ingrid,

      wie schön, dass du dich meldest und dann noch mit Grüßen aus Tirol. Vielen Dank!

      Das freut mich sehr, dass das Buch so guten Anklang bei dir gefunden hat. Ich finde es auch großartig. Es ist ein Ratgeber für das ganze Leben, denn vielen Menschen fällt es schwer, in der Gegenwart zu leben. Auch ich schaffe das bei Weitem nicht immer. Aber wie du richtig erkannt hast, ist das Dranbleiben und Weitermachen wichtig. Dann wirst du immer besser darin werden.

      Vielen Dank für deine Frage. Sie ehrt mich sehr. Ja, deine Trauer ist Zeichen dafür, dass du in der Vergangenheit hängst. Du flüchtest aus der Gegenwart in den Moment, in dem deine Katzen noch bei dir waren. Da du in der Gegenwart bist, wo deine Katzen nicht sind, zerreißt dich dieser Umstand innerlich, macht dich so unsagbar traurig. Deswegen ist der Schmerz so groß. Würdest du in der Gegenwart leben, wärst du gedanklich nur bei dem, was jetzt ist. Würdest das annehmen, was jetzt ist. Dann würdest keinen Schmerz spüren, weil du das akzeptierst, was ist. Das heißt nicht, dass du deine Katzen vergisst, aber dass du akzeptierst, dass sie nicht mehr bei dir sind.

      Frieden findest du, wenn du den Verlust verarbeitet und das Leben ohne deine geliebten Tiere annehmen kannst.
      Ich wünsche dir weiterhin sehr viel Kraft dabei.

      Alles Liebe
      Bettina

  8. Robert Antworten

    Liebe Bettina,
    Wieder mal ein wirklich sehr gelungener Artikel! Es ist sicherlich nicht immer leicht über dieses Thema zu sprechen, aber meiner Ansicht nach absolut notwendig.

    Laut Statistik gehören die Menschen in den Kulturen, in denen der Tod absolut kein Tabuthema ist und in dem man sich viel mit dem Tod beschäftigt, zu den glücklichsten Menschen überhaupt. Ich fand diesen Fakt sehr interessant.

    Ich finde es sehr wichtig sich mit dem Tod zu beschäftigen. Er ist schmerzhaft, aber er ist Teil des Lebens. Und er ist das, was uns das Leben stärker schätzen lässt. Es klingt vielleicht merkwürdig, aber: immer wenn ich mit dem Tod einer nahe stehenden Person konfrontiert werde, wird mir nach der großen Schmerzphase eines immer wieder bewusst: Der Tod ist ein Teil des Lebens. Und er gehört einfach dazu. Man braucht sich nicht dagegen zu wehren. Diese Erkenntnis löst ein gewisses Gefühl von Frieden in mir aus. Vielleicht keine Freude, oder kein Glück, aber Frieden.

    Beste Grüße an dich und immer weiter so mit den tollen Inhalten!
    Robert

    • Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Lieber Robert,

      vielen Dank für dein Zuspruch und deinen Kommentar. Da gebe ich dir absolut recht. Es kostet Überwindung, doch es lohnt sich, weil wir immer irgendwann mit dem Tod konfrontiert werden. Sich nicht damit zu befassen schützt uns nicht vor der Erfahrung damit.

      Ein sehr interessantes Ergebnis dieser Statistik und ich kann es absolut nachvollziehen. Während bei uns der Tod in der Regel mit Trauer und Schmerz verbunden ist, sich schwarz gekleidet wird, gibt es Länder, in denen sich die Menschen freuen, dass die Vollendung der Aufgabe auf dem irdischen Leben erreicht wurde. Die mit bunten Farben den Tod feiern. Mit dieser Sichtweise geht auch der Schmerz mehr verloren. Auf Beerdigungen bemühe ich mich, mich innerlich in diese Sichtweise zu versetzen, weil ich weiß, dass es im Enddeffekt kein Sterben gibt. Nur die Räume werden gewechselt. Die Seele ist unsterblich und macht die Erfahrung, um sich selbst zu erkennen. Alles ist gut so, wie es ist. Wobei diese innere Haltung in einem Umfeld, das sich schwarz kleidet und nur Trauer ausstrahlt, nicht immer einfach ist 😉

      Ich verstehe deine Erkenntnis, wenn du mit dem Tod konfrontiert wirst und das ist auch ein sehr wichtiger Aspekt, den wir durch den Tod lernen können. Und du hast es wunderschön beschrieben, dass das Annehmen inneren Frieden auslöst. Genau so ist es. Ich bin ganz bei dir.

      Danke dir! Und alles Liebe.
      Bettina

  9. Sonja Bojahra Antworten

    Vielen Dank! Ihr Blog hat mich tatsächlich in meiner Trauerarbeit in andere Wege der Gedanken gelenkt!

    • BETTINA Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Sonja,
      ganz herzlichen Dank für deine Rückmeldung, das freut mich wirklich sehr.
      Alles Liebe für dich
      Bettina

  10. Matthias Lederer Antworten

    Sehr geehrte Frau Hielscher,

    ich habe mit meiner lieben Partnerin nach 214 gemeinsamen Jahren den einzig noch übriggebliebenen lieben Menschen an meiner Hand gehend mit Herzversagen verloren.

    Wie soll ich denn loslassen von jemand, den ich auch im Jenseits weiss und immer noch liebe, habe kleine Zeichen wie Lichteinschalten und bewegte Gegenstände von ihr aus der geistigen Welt erhalten.

    Sobald ich die Aufnahmen, die mich noch an sie erinnern, abschalte, kommt das Weinen und Grübeln, da dieser Todesverlauf auch mit eigenem Versagen im kritischen Moment verbunden ist und ich den einzigen Trost nur in dem Hören der alten Aufnahmen und dem Denken an die kleinen Zeichen besteht.

    Erschwerend kommt noch hinzu, dass mein sehr betagter Vater schon als Dorit noch lebte sehr viel Zeit für sich in Anspruch und auch mich für sich beanspruchte, sodass meine Liebste, der frühlichste und herzensgute Mensch, den man sich vorstellen konnte, vernachlässigt wurde und ich erst nach ihrem Tod richtig erfahren habe, dass ich mich schon lange um ihr Wasser in den Beinen hätte kümmern müssen.

    Wie kann man solche Schuldgefühle und das grausame letzte Bild vom Blick in ihr totes Gesicht verdrängen durch Loslassen, ich kann das einfach nicht und bin in traumatherapeutischer Behandlung, die aber bisher noch keine Lösung nach 11 Monaten brachte.

    Ich habe Roland Kachler gelesen, der das Loslassen nicht will, aber auch seine Methode des im Herzen behalten ist schwierig.

    Ich bin so ratlos in meiner Situation, denn jetzt ist der einzigste Halt in meinem Leben weggebrochen und ich stehe jämmerlich allein da, der einzigste Trost sind die alten Aufzeichnungen mit meiner Liebsten, die ich praktisch Tag und Nacht höre.

    Auch habe ich es immer noch nicht geschafft, mich medial so zu entwickeln, dass ich selbständig einen eigenen Kontakt zu ihrer Seele und gar einen Dialog mit ihrer Seele durchführen kann.

    Diese Verzweiflung treibt mich nun bereits seit fast 11 Monaten und sehe kein Ende.

    mit freundlichen Grüssen
    Matthias Lederer

    • BETTINA Autor des BeitragsAntworten

      Hallo Matthias,
      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Offenheit. Ich muss gestehen, dass ich in dieser Situation nicht die richtige Ansprechpartnerin bin und dir empfehle, dir vielleicht im geistigen/energetischen Bereich Hilfe zu suchen. Vielleicht auch jemand, der mit der geistigen Welt Kontakt aufnehmen kann. Zum Thema Schuld und schlechtes Gewissen kann ich dir diesen Beitrag empfehlen. als auch diesen Beitrag empfehlen.
      Mögest du die für dich passende Hilfe finden.
      Liebe Grüße
      Bettina

  11. Hannah Antworten

    Hallo liebe Bettina, danke für die ganzen tollen Worte ich habe leider vor zwei Tagen eine meiner besten freunde in der nordsee verloren <3 weiß aber leider immernoch nicht wie ich loslassen kann weil mir sowas sehr schwer fällt und das der erste wichtige mensch war der mein leben verlassen musste, ich weiß zwar nicht ob das mit meinem Alter zusammen hängt da ich erst 14 bin aber dennoch würde ich gerne einen teil loslassen können damit ich nicht jeden tag mind 3 mal weinen muss <3

    • BETTINA Autor des BeitragsAntworten

      Hallo liebe Hannah,

      ich bin ganz getroffen von deiner Geschichte und finde es sehr bewegend, dass du in deinen jungen Jahren schon so bewusst mit dem Thema umgehst und nach Antworten suchst, um nicht so viel weinen zu müssen und traurig zu sein. Das kann ich sehr gut verstehen. Aber weißt du, wenn wir Menschen verlieren, ist die Zeit der Trauer wichtig, um diesen Schmerz zu verarbeiten. Du schreibst, dass du einen deiner besten Freunde vor zwei Tagen verloren hast. Zwei Tage ist eine sehr kurze Zeit. Zudem hat dir dieser Mensch sehr viel bedeutet. Erlaube dir daher die Zeit der Trauer. Erlaube dir zu weinen, wenn du weinen möchtest. In dem du die Trauer zulässt, heilst du schon ein wenig und lässt du los. Durch die Tränen verarbeitest du nämlich das Erlebnis und lernst, den Verlust anzunehmen.

      Was nicht heißen soll, dass du dich völlig überwältigen lassen musst von deinen Gefühlen, jedoch lasse sie zu, wenn sie da sein möchten. Vor allem ein spontaner Verlust braucht die Zeit für einen Abschied. Dein Herz muss sich erst daran gewöhnen, dass etwas Wichtiges fehlt.

      Ich persönlich habe mit elf Jahren meinen besten Freund verloren, einen Hund, den ich geliebt habe wie nichts sonst auf dieser Welt. Eines Tages war er nicht mehr da, was mich in ein tiefes Loch stürzen lies. Ich habe viel geweint und ich begann zu schreiben, weil das meine Art war, meine Themen zu verarbeiten. Ich schrieb ein ganzes Tagebuch an diesen Hund. Ich erzählte ihm darin meine Gedanken und erinnerte mich an gemeinsame Erlebnisse. Dieses Schreiben hat mir geholfen, die Trauer anzunehmen und seinen Verlust zu verarbeiten.

      Vielleicht hilft auch dir das Schreiben, indem du zum Beispiel einen Brief an diesen lieben Menschen schreibst, der von euch gegangen ist. Einen Brief, in dem du deine Trauer ausdrückst, ihm mitteilst, was du ihm gerne sagen willst, dich an schöne Erlebnisse zurückerinnerst und dich bei ihm bedankst für eure gemeinsame Zeit. Ein solcher Brief kann dir helfen, loszulassen, auch wenn es erst mal wehtun wird und sich nicht danach anfühlt, dass du loslässt.

      Um dich nicht ganz in der Trauer zu verlieren kannst du zusätzlich bewusst Dinge tun, die du gerne machst und dich etwas ablenken. Dich mit deinen Freunden treffen, ein Buch lesen oder Zeit mit Tieren verbringen. Was auch immer dir guttut, dir etwas Abwechslung schenkt und Freude macht.

      So erlaubst du dir Zeit der Trauer, damit der SChmerz heilen kann und zeitgleich erlaubst du dir, dass das Leben weitergehen darf.
      Dadurch wirst du loslassen können.

      Liebe Hannah,
      ich wünsche dir von Herzen viel Kraft für die kommende Zeit und das Vertrauen, dass der Schmerz nachlässt. Es wird mit der Zeit leichter, glaube mir. Doch erlaube dir die Zeit, die du für die Heilung brauchst.

      Alles Liebe
      Bettina

  12. Christine Antworten

    Hallo Bettina,

    Leider ist mein Freund Peter (52) am 3. Juni an den Folgen einer atypischen Lungenentzündung, nicht an Corona verstorben!
    Peter war seit über 25 Jahren an MS erkrankt, hatte trotz seiner starken körperlichen Einschränkungen eine positive Lebenseinstellung und wir hatten unseren Alltag ( Pflege, Therapie und Freizeit ) gut strukturiert.
    Wir haben uns vor über 20 Jahren kennengelernt, Peter saß damals schon im Rollstuhl, konnte aber noch ein paar Schritte am Rollator gehen.
    Leider ist die MS relativ schnell fortgeschritten, er konnte bald auch Arme und Hände nicht mehr bewegen.
    Seinen Elektrorollstuhl und den PC hat er mit einem Kinn-Joystick gesteuert, ansonsten war er in allen Bereichen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen.
    Den Großteil der Pflege habe ich übernommen, wir haben Tag und Nacht zusammen verbracht und waren ein eingespieltes Team.
    Die letzten Monate sind eigentlich relativ normal verlaufen, allerdings habe habe ich gemerkt, dass er etwas schwächer und noch weniger belastbarer geworden ist.
    Am 21..Mai Christi Himmelfahrt hat er morgens plötzlich gar keine Luft mehr bekommen, er musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus..
    Kurz bevor in die Notaufnahme geschoben wurde, habe ich ihm den Mundschutz noch einmal über die Nase gezogen, er hatte mich darauf aufmerksam gemacht.

    Das war das letzte was ich für ihn tun konnte, solange er noch gelebt hat.

    Danach habe ich ihn nicht mehr gesehen, nicht mehr gesprochen.
    Dank der Pandemie- Regie hatte ich keinerlei Möglichkeit mehr, Kontakt zu ihm aufzunehmen und das obwohl er vollkommen hilflos war.

    Auf der Isolierstation, auf die sie ihn wegen Verdacht auf Corona gebracht hatten, muss es ihm den telefonischen Auskünften der Schwester nach, noch relativ gut ergangen sein.
    Am nächsten Tag, als das Testergebnis vorlag ( negativ ), haben Sie Peter auf eine andere Station verlegt, dort muss er abends kollabiert und zweimal reanimiert worden sein.

    Warum und wie alles passiert ist, werde ich wohl nie erfahren!

    Auf der Intensivstation, an einen Beatmungsschlauch und andere lebenserhaltende Geräte angeschlossen, durften wir ihn ein paar Tage später besuchen.
    Der Arzt stellte uns vor vollendete Tatsachen, das Großhirn sowie fast alle inneren Organe waren durch die mangelnde Sauerstoffversorgung geschädigt, nahezu funktionslos.
    Peter ist nur noch palliativ behandelt worden.

    Alles in allem ein Schock, ein nicht enden wollender Alptraum!

    Was mich am meisten neben der Trauer und dem Verlust belastet, ist das es keinen Moment des Abschieds gab, nach einer so langen, intensiven Zeit,
    Peter war ein humorvoller, gelassener Mensch, wir waren gerne zusammen und haben das unternommen, was uns möglich war.
    Mit dem Loslassen habe ich auch so meine Probleme, der Alltag ist entgleist und ich kann nicht wie andere Verwandte oder Bekannte in mein altes Leben zurückkehren.

    Das war möglichst kurz zusammengefasst unsere Geschichte!

    Danke schon mal für eine Rückmeldung!

    Grüße Christine

    • BETTINA Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Christine,
      ich danke dir für deinen Kommentar und deine Offenheit. Ich kann nur im Ansatz erahnen, wie schwer diese Zeit gewesen sein muss und wie schwer der Verlust zu ertragen ist unter den aktuellen (Corona)-Bedingungen. Loslassen ist ein Prozess, der seine Zeit braucht, vor allem auch dann, wenn es einige Themen gibt, die offen sind wie in deinem Fall: Kein richtiger Abschied und ein entgleister Alltag. Aus meiner Sicht würde ich dir empfehlen, über eine professionelle Hilfe nachzudenken, die dich eine Zeit lang begleitet und dir hilft, den Verlust zu verarbeiten und den Weg in dein Leben zurückzufinden.
      Alles Liebe und viel Kraft für deinen Weg
      Bettina

  13. Christine Antworten

    Hallo Bettina,

    Danke für die schnelle Antwort.

    Jetzt sind es über 2 Monate, dass Peter gestorben ist!
    Für mich immer noch unfassbar, obwohl er krank und gehandicapt war, ist doch alles sehr schnell gegangen und war vollkommen unerwartet.

    Man man kann versuchen, sich mit allem möglichen zu trösten, Tatsache ist, der Mensch mit dem man am liebsten und die meisten Zeit verbracht hat, ist nicht mehr da.

    Diese Woche habe ich die dritte probatorische Sitzung bei einer Psychotherapeutin, sie ist mir auch ganz sympathisch und wir werden die Therapie wohl fortsetzen.
    Sie wird auf jeden Fall einen Antrag stellen.

    Am besten tut es mir zurzeit, zu schreiben, zu lesen, mit dem Fahrrad in der Natur an der frischen Luft herumzufahren oder im Garten zu arbeiten.

    Am Grab bin ich auch regelmässig, er hat ein idyllisches Plätzchen, trotzdem belastet es mich etwas.

    Danke noch mal
    und vielleicht bis bald, schöne Grüße Christine

    • BETTINA Autor des BeitragsAntworten

      Hallo Christine,
      wie schön dass du eine Therapeutin gefunden hast, die dir sympathisch ist. Das ist sehr wichtig. Und es ist schön zu lesen, dass du Dingen nachgehst, die dir guttun wie schreiben, lesen oder in der Natur sein. Ich verstehe deine Trauer und es wäre eher nicht natürlich, wenn dich dieses Ereignis nicht (mehr) belasten würde.
      Ich wünsche dir alles Liebe und dass es dir gelingt, mit deiner Therapeutin den fehlenden Abschied nachzuholen. Es wird leichter werden mit der Zeit. Das weiß ich aus Erfahrung.
      Alles Liebe
      Bettina

  14. Christine Antworten

    Hallo Bettina,

    zurzeit geht es mir mal wieder nicht so gut, man hat das Gefühl je mehr Zeit vergeht desto mehr vermisst man Peter, seine Gegenwart, die Nähe, die Gespräche und man merkt, dass man wirklich einen Verbündteten verloren hat, eine Seelenverwandtschaft, die sich durch nichts ersetzen lässt.

    Die Psychotherapeuten hat das letzte Mal gemeint ,ich hätte wohl sehr an ihm gehangen!

    Wir waren fast im selben Alter, hatten viele Gemeinsamkeiten und dieselben Lebensziele.
    Jetzt ist man allein, hat zwar schon ein paar Kontakte, aber die Leute sind entweder wesentlich älter, viele schon um die 80 und die Jüngeren sind beschäftigt und haben keine Zeit.

    Wenn man sich überlegt mal etwas zu unternehmen, dann scheitert es oft an den Corona -Bedingungen und man hat schon gar keine Lust mehr oder es geht überhaupt nicht.

    Die Abstände zwischen den Psychotherapie-Terminen, das nächste Mal ist es die fünfte Probesitzung, sind zurzeit auch noch mindestens zwei Wochen lang, was einen momentan auch nicht wirklich weiterbringt.

    Und dann muss ich immer wieder in allen möglichen Situationen an Peter denken und anfangen zu weinen, auch wenn ich versuche mich abzulenken.

    Und wenn einem gesagt wird, man muss es so akzeptieren wie es ist ( Schicksal ) und ich müsste jetzt an mich selber denken, dann ist das vielleicht gut gemeint und stimmt natürlich in gewisser Weise, mittlerweile kommt es mir bei einigen allerdings so vor, als wollten sie sich gar nicht mehr groß damit auseinandersetzen.

    Als es darum ging, den Pflegealltag zu bewältigen, waren wir noch zu zweit und konnten uns gegenseitig unterstützen, es war zwar anstrengend, aber es war immer etwas los.

    Dann hat sich ja quasi von einem Tag auf den anderen alles komplett geändert, in der Wohnung halte ich es auch nicht gut aus, mache nur das Notwendigste, zum gründlichen Putzen oder ähnlichem kann ich mich immer noch nicht aufraffen.
    Vorher hatte ich wenig Zeit für solche Sachen, jetzt fehlt mir die Motivation und die Energie!

    Wie du siehst ist das Loch, die Lücke noch nicht viel kleiner geworden, mal geht es zwar ein wenig besser und man kann nur hoffen, dass es weiter aufwärts geht!

    Viele Grüße von Christine

    • BETTINA Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Christine,
      ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Zuversicht.
      Liebe Grüße
      Bettina

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