Freundschaft – Was macht einen echten Freund aus?

Freundschaft braucht Freiheit

Was Freundschaft bedeutet und was sie auszeichnet

Es gibt sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was eine Freundschaft ist und wie eine Freundschaft zu sein hat. Für mich gibt es keine genaue Definition und keine Bedingungen, die erfüllt werden müssen. Für mich gibt es jedoch bestimmte Merkmale, die eine echte Freundschaft aufweisen und nur einen einzigen Punkt, der jeder Freundschaft zugrunde liegt.

Dennoch möchte ich dir die Definition von Freundschaft laut Duden nicht vorenthalten.

Freundschaft Definition

Dem Duden nach ist Freundschaft ein Verhältnis von Menschen, das auf gegenseitiger Zuneigung beruht und das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet. 

Dem kann ich zwar zustimmen und doch fehlt mir etwas an dieser Definition, denn Sympathie und Vertrauen kann ich auch zu Menschen haben, die nicht meine Freunde sind. Was macht also eine Freundschaft aus?

Manche Menschen haben bestimmte Erwartungen an eine Freundschaft. Sind diese Erwartungen erfüllt, besteht eine Freundschaft.

Erwartungshaltungen an eine Freundschaft

Ich kenne Menschen, die stellen Bedingungen an eine Freundschaft. Sie erwarten von ihren Freunden beispielsweise, dass sich diese für sie in allen Belangen interessieren. Dass sie gefragt werden, wie es ihnen geht, wie es beruflich und privat läuft und was es Neues gibt.

Ebenso kenne ich Menschen, die erwarten, dass man sich in der Freundschaft regelmäßig sieht. Nicht jedoch alle zwei Monate, vielmehr alle zwei Wochen. Mindestens.

Die Freundschaft besteht aus dem Interesse füreinander und regelmäßigem Kontakt. Das ist quasi der “Pflichtteil”, aus dem sich die Freundschaft ergibt.

Freundschaft basiert auf Freiheit

Eine Freundschaft braucht Pflege, gar keine Frage. Dazu gehört auch, sich um Treffen zu bemühen und in seinem Terminkalender Platz zu schaffen, um diese zu verwirklichen. Eine Freundschaft braucht aber keine Erwartungshaltungen. Für mich zumindest. Sei es in Hinblick auf die Häufigkeit der Treffen, an das Maß der Zuwendung oder an die Art, wie ein Freund zu sein hat.

Freundschaften sind Beziehungen mit Menschen. Und so unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich können Freundschaften sein. Erwartungshaltungen grenzen ein und erlauben einem Menschen nicht, so zu sein, wie er ist.

In welchem Maß ein Freund für einen da ist, hängt von jedem Freund an sich ab. Man kann nicht erwarten, dass die eigenen Vorstellungen vom anderen erfüllt werden. Wenn ich einem Freund mangelnde Zeit für mich oder mangelndes Interesse an mir vorwerfe, weil er mir weniger Fragen stellt oder mich weniger trifft, als ich mir das wünsche, zeigt mir das lediglich, dass diese Aspekte für den Freund nicht so bedeutend sind, wie für mich selbst. Solch eine Freundschaft kann schmerzhaft sein und Unzufriedenheit hervorrufen, weil sie auf unterschiedlichen Wertvorstellungen gebaut ist und die Ansprüche an eine Freundschaft – zumindest für eine  Person – nicht ausreichend erfüllt werden.

Eine Freundschaft basiert für mich immer auf dem freiwilligen Wunsch beider Seiten, gemeinsame Zeit zu verbringen und muss frei von Zwängen, Erwartungen und Druck sein.

Weil diese einengen und der Freundschaft die Flügel nehmen.

9 Merkmale einer echten Freundschaft

Folgende Merkmale weisen für mich eine Freundschaft auf:

1. Vertrautheit

Freundschaft ist für mich in erster Linie das vertraute Gefühl des Angekommen-seins. Angenommen zu werden, ohne in Frage gestellt zu werden. Bedingungslos akzeptiert zu werden. Das Wohlgefühl in der Gegenwart der anderen Person. Ich habe Freunde, die sehe ich alle paar Monate und es fühlt sich an, wie immer. Als wäre keine Zeit vergangen. Dieses Gefühl ist für mich ein wesentlicher Punkt für eine Freundschaft. Du bist dir vertraut, auch wenn du vielleicht vieles nicht so genau von deinem Freund weißt. Und du kannst dir jederzeit begegnen und machst da weiter, wo du beim letzten Treffen aufgehört hast.

2. Sein können, wie man ist

Man kann sich gegenseitig so geben, wie man ist, braucht sich nicht verstellen oder einander etwas vorzumachen. Zu oft tun wir genau das im Alltag mit den äußeren Einflüssen und Erwartungshaltungen anderer. Bei einem Freund hat man nicht das Gefühl, das tun zu müssen. Man kann sein, wie man ist. Man soll sein, wie man ist und wird mit seinen Fehlern und Schwächen verständnisvoll angenommen.

3. Den Weg gemeinsam gehen

In einer Freundschaft braucht es kein vieles Fragen nach mir und meiner Person. Ich weiß, dass nicht jeder so ist. Auch wenn ich mich selbst für andere interessiere, mich nach ihnen erkundige und wissen will, was so los ist, gibt es Freunde, die nicht viel nachfragen. Aber sie hören mir zu, wenn ich reden möchte. Sie geben mir Antworten, wenn ihre Meinung hören möchte. Sie lassen mich erzählen, wenn ich von mir aus erzählen würde. Sie sind einfach da, ohne zu fragen. Ich fühle mich aufgehoben, auch wenn sie nicht alles von mir wissen. Das ist okay. Darum geht es nicht immer in einer Freundschaft. Das Begleiten ist viel wichtiger.

4. Ehrlichkeit

Freunde sind ehrlich zueinander. Es gibt genug Menschen, die einem ins Gesicht lügen, weil die Wahrheit unangenehm ist oder weil sie andere schlecht dastehen lassen wollen. In einer Freundschaft kann man ehrlich sein und hat dadurch die Chance, sich zu reflektieren und an sich zu arbeiten. Diese Ehrlichkeit, auch wenn sie manchmal unangenehm ist, hat nichts mit schlecht machen zu tun. Denn sie erfolgt auf respektvolle Weise und zeigt lediglich, dass du demjenigen wichtig bist, der ehrlich zu dir ist, sonst würde er dir die Wahrheit nicht sagen.

5. Treue

Ein Freund hält zu dir. In guten Zeiten ist das kein Problem. Ein echter Freund erweist sich in den schlechten Zeiten, in denen er zu dir hält. Auch wenn er nicht gut findet, was du gemacht hast, wird er bei dir sein und dich unterstützen. Er lässt dich nicht fallen, er lässt dich nicht auflaufen, er lässt dich nicht alleine. Wenn sich alles gegen dich wendet, wenn du wirklichen Mist gebaut hast, wenn die Versuchung da ist, dich zu verlassen, dann ist er da.

6. Vertrauen

Was auch immer du deinem Freund erzählst, du kannst dir sicher sein, dass er es für sich behält, wenn du das möchtest. Du hast auch das Vertrauen, dass er nicht schlecht über dich reden würde. Das heißt nicht, dass er mal keine Kritik über dich bei jemandem äußert, aber es ist auf eine Art und Weise, die respektvoll und höflich erfolgt und nicht in der Art „über dich herziehen“. Und es ist in der Regel etwas, das er dir selbst schon mal gesagt hat. Um dieses Vertrauen weißt du bei einem Freund.

7. Verzeihen

Freunde verzeihen sich. Wenn die Freundschaft und das Maß der Verbundenheit stark genug sind, werden Freunde einander wiederfinden. Sie werden sich verzeihen und den Weg gemeinsam weiter gehen, egal was vorgefallen ist.

8. Da-sein

Wahre Freunde sind füreinander da, vor allem auch in Zeiten, in denen es einem nicht so gut geht. Sie bauen auf, motivieren, unterstützen und bieten Halt. Bewusst oder unbewusst. Bei einem Freund hat man kein schlechtes Gewissen, ihn zu unmöglichen Zeiten aus dem Bett zu klingeln, weil man weiß, dass er für einen da wäre – sogar sehr gerne. Man gibt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten und man nimmt, ohne das Gefühl zu haben, etwas dafür geben zu müssen. Eine Freundschaft gleicht sich im Geben und Nehmen aus.

9. Freiheit

Es braucht keine regelmäßigen Treffen, um eine Freundschaft zu beweisen. Im Vordergrund steht immer das Genießen der gemeinsamen Zeit und nicht das Pflichtgefühl, sich sehen zu müssen. Freundschaft ist immer freiwillig. Die freiwillige Begegnung zweier (oder mehrerer Menschen), die sich gerne haben. Wenn diese Freiheit aufhört, engt man die Freundschaft ein.

Freundschaft

30 Freundschaftssprüche, die zu Herzen gehen

Diese ausgewählten Freundschaftssprüche können dir dabei helfen, für dich herauszufinden, was eine wahre Freundschaft ausmacht oder was Freundschaft für dich bedeutet.

  • Ein wahrer Freund ist ein Mensch, der dein Lächeln sieht, und trotzdem spürt, dass deine Seele weint. – Unbekannt 
  • Wahre Freunde erkennt man leichter, wenn das Leben schwerer wird. – Unbekannt
  • Wahre Freundschaft wird gefühlt, nicht gesagt. Mariecris Madayag
  • Echte Freunde erkennst du nicht daran, wie sie dich loben, sondern daran, wie sie dich kritisieren. – Chinesische Weisheit
  • Wahre Freunde sind Menschen, die bleiben, wenn alle anderen gehen. – Unbekannt
  • Ist die Freundschaft echt, ist die Entfernung egal. – Unbekannt
  • Ein Freund ist jemand, der dir völlige Freiheit lässt, du selbst zu sein. – Unbekannt
  • Manche Menschen treten erst spät in dein Leben, aber es fühlt sich an, als wären sie schon immer dagewesen. – Unbekannt
  • Ein wahrer Freund ist der, der deine Hand nimmt und dein Herz berührt. – Unbekannt
  • Freundschaft ist eine Tür zwischen zwei Menschen. Sie kann manchmal klemmen, sie kann knarren, aber sie ist nie verschlossen. – Balthasar Gracián y Morales 
  • Die besten Freunde sind nicht die, die du jeden Tag siehst, sondern die du in deinem Herzen hast. – Unbekannt
  • Freundschaft ist die Verbindung der Seelen. – Voltaire
  • Ich mag dich nicht deshalb, weil du bist, wer du bist, sondern weil ich bin, wie ich bin, wenn wir zusammen sind. – Unbekannt
  • Ein wahrer Freund fragt nicht, wann oder wieso. Wenn du sagst: “Ich brauche Dich!”, ist die einzige Frage, die er stellt: “Wo bist du?” – Unbekannt
  • Wenn du einen Freund verlierst, weil du ehrlich warst, dann war es auch kein echter Freund. – Unbekannt
  • Wahre Freunde sind Menschen, die nicht nach deinem Weg fragen, sondern ihn einfach mit dir gehen. – Unbekannt
  • Ein wahrer Freund stellt sich dir nicht in den Weg, es sei denn es geht bergab. – Unbekannt
  • Wahre Freunde sind wie Sterne. Du kannst sie nicht immer sehen, doch sie sind immer für dich da. – Unbekannt
  • Die Freunde, die man um vier Uhr morgens anrufen kann, die zählen. – Marlene Dietrich
  • Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei als tausend Feinde zu unserem Unglück. – Marie von Ebner-Eschenbach
  • Freundschaft verdoppelt unsere Freude und halbiert unseren Schmerz. – Marcus T. Cicero
  • Ein Verwandter ist Teil unseres Leibes, ein Freund Teil unserer Seele. – Französisches Sprichwort
  • Freundschaft sollte man nie als selbstverständlich sehen, denn wahre Freundschaft ist fast genauso selten wie die große Liebe. – Unbekannt
  • Der Freund ist einer, der alles von dir weiß, und der dich trotzdem liebt. – Elbert Hubbard
  • Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern. – Aristoteles
  • Wahre Freundschaft ist eine sehr langsam wachsende Pflanze. – George Washington
  • Die Freundschaft ist eine Kunst der Distanz, so wie die Liebe eine Kunst der Nähe ist. – Sigmund Graff
  • Freundschaft erlaubt einem nicht automatisch, dem anderen unangenehme Dinge zu sagen. Je näher man einem Menschen ist, desto wichtiger werden Taktgefühl und Höflichkeit. – Oliver Wendell Holmes
  • Ein Freund ist eine Person, bei der man laut denken kann. – Ralph Waldo Emerson
  • Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein. – Ralph Waldo Emerson

Freunde haben unterschiedliche Aufgaben

Kein Freund gleicht dem anderen und das ist auch gut so. Denn Freunde haben unterschiedliche Aufgaben. Bewusst oder unbewusst hast du dir deine Freunde auch aus solchen Gründen ausgesucht: um Menschen in dein Leben zu ziehen, die dir gut tun und die einen wertvollen Beitrag für dich leisten.

Es gibt Freunde, mit denen man über alles reden kann und bei denen man sich immer aufgefangen fühlt.

Es gibt Freunde, mit denen man einfach gemeinsame Zeit verbringen kann. Sie fragen nicht nach, sondern sind einfach da. Mit ihnen vergessen wir unsere Sorgen für einen Moment und lassen uns einfach treiben.

Es gibt Freunde, die sehr einfühlsam und verständnisvoll sind. Bei ihnen ist man mit Traurigkeit und Problemen sehr gut aufgehoben und es gibt solche, die sich nicht runter ziehen lassen. Die uns aufmuntern, wenn es uns schlecht geht und die jedes Problem weniger schwer wiegen lassen.

Es gibt Freunde, die oft anderer Meinung sind als wir. Die unseren Horizont erweitern, weil wir Dinge aus einem neuen Blickwinkel betrachten.

Es gibt Freunde, die wir bewundern – ihre Lebenseinstellung, ihre Lebensweise, ihren Weg. Von diesen Freunden holen wir uns Mut und Unterstützung, um selbst die Kraft zu finden, unseren eigenen Weg zu gehen.

Beste Freunde – 4 weitere Merkmale

Unter unseren echten Freunden gibt es meist auch beste Freunde. Diese nehmen einen besonderen Stellenwert ein und gehören zu dem engsten Vertrautenkreis. Es gibt häufig eine Person, die der besten Freund ist. Es ist aber auch möglich, mehrere beste Freunde zu haben. Beste Freunde zeichnen sich zusätzlich zu den oben genannten Merkmalen oft durch folgende Besonderheiten aus:

1. Beste Freunde haben häufig Kontakt

Beste Freunde haben häufig Kontakt. Das können reale Treffen sein oder auch der Kontakt per Telefon oder Skype sein. Ich kenne Menschen, die beste Freunde sind und auf unterschiedlichen Kontinenten leben. Die Entfernung beeinflusst eine beste Freundschaft keineswegs.

2. Beste Freunde wissen übereinander bescheid

Durch den regelmäßigen Austausch wissen beste Freunde gut, was bei dem anderen gerade so los ist. Sie kennen die erfreulichen, als auch die herausfordernden Themen, mit denen der andere gerade zu tun hat.

3. Beste Freunde verbindet Intimität

Beste Freunde wissen nicht nur über den anderen Bescheid, sondern kennen auch die verletzlichsten Seiten voneinander. Beste Freunde öffnen sich einander mit ihrem Schmerz und ihren Ängsten – mit dem Unangenehmen, mit dem man sich nicht jedem zeigen und das man nicht jedem sagen würde. Beste Freunde haben durch die Intimität eine besondere Verbundenheit und Vertrauensbasis.

4. Beste Freunde sind immer füreinander da

Beste Freunde sind tatsächlich jene, die man um vier Uhr morgens aus dem Bett klingeln kann. Auch wenn man das ungern macht. Man weiß, dass der andere immer für einen da ist, wenn man ihn wirklich braucht. Nachts anrufen tut man nur im Notfall. Nicht, um von einer Party abgeholt zu werden, weil es bequemer ist, als auf die Bahn zu warten. Beste Freunde sind auch jene, die man als erstes um Hilfe bittet, wenn man Hilfe braucht. Sei es bei einem Umzug oder weil man jemanden zum Reden braucht. Beste Freunde sind gerne mit allem, was sie geben können, füreinander da. Hier wird nichts aufgewogen, weil keiner den anderen ausnutzt.

Freundschaft ist vor allem ein Gefühl

Für mich braucht Freundschaft keine gleichen Interessen, kein In- und Auswendig- kennen und nicht unbedingt eine gleiche Lebenseinstellung. Es braucht eine gemeinsame Wellenlänge, auf der wir uns befinden, wenn wir uns begegnen. Es liegt im Gefühl, das ich zu einem Menschen habe. Im Wert des Beisammenseins, im Maß des Angekommen-seins, das für mich die Grundlage einer Freundschaft darstellt.

Wenn dieser Mensch die Merkmale aufweist, die ich oben genannt habe, wird er für mich zu einem echten Freund.

Und wenn die Zeit verstreicht und sich irgendwann dieses Gefühl verabschiedet: Das Gefühl, sich wohl zu fühlen. Das Gefühl, sich gut zu tun. Das Gefühl, angekommen zu sein. Die gewissen Leichtigkeit, die man im Beisein des anderen verspürt. Wenn ein Treffen zur Pflicht wird, weil man sich schon Jahre kennt und diese Routine fortführt, obwohl einen im Endeffekt nichts mehr miteinander verbindet. Wenn die Wellenlänge, die einst da war, nicht mehr gefunden wird, dann wird es Zeit für mich zu gehen und eine Freundschaft zu beenden. Um Platz zu schaffen für neue Begegnungen und Gefährten, die mich auf meinem Weg begleiten und dich ich begleiten darf. Die ich brauche und die mich brauchen.

Ich wünsche dir, dass du Freunde hast. Es braucht nicht viele, aber echte!

Hast du schon daran gedacht, eine Freundschaft zu beenden, aber weißt nicht, ob es richtig ist oder wie dir das gelingen soll? Finde zur Klarheit und lerne, liebevoll loszulassen. Für mehr Zeit und Energie in deinem Leben.

“Kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht, wird das Thema abschließend beleuchtet. Sehr wertvoller Lebensratgeber. Dankeschön für dieses wundervolle Buch.” – Amazon Kunde

Was bedeutet Freundschaft für dich?

  • Was hält Freundschaft aus? Neun Freunde im Gespräch auf zeit.de
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11 Gedanken zu „Freundschaft – Was macht einen echten Freund aus?

  1. Avatar
    SunShine Antworten

    Hallo Bettina (und evtl. Mitleser),
    möchte Dir DANKE sagen für Deine tollen Beiträge, die mich immer wieder zum Nachdenken und In-Mich-Gehen inspirieren. Mit Deinen Gesichtspunkten, was eine Freundschaft ausmacht, stehe ich voll im Einklang und bin auch der Meinung, dass ich selbst die Eigenschaften, die ein guter Freund haben sollte, besitze. Trotzdem kann ich mich nicht zu den Menschen zählen, die einen solchen Freund an ihrer Seite haben und das macht mich hin und wieder sehr traurig und manchmal auch einsam, da ich im Grunde meines Herzens eine gesellige Type bin, die gern lacht, auch über sich selbst lachen kann, und offen auf Menschen zugeht, in keinster Weise verklemmt bin. Andererseits kann ich aber auch sehr gut und gerne mit mir allein sein – brauche diese ruhigen Zeiten auch, da ich mich in den Kreis der HSP´ler einreihe – wenigstens jedoch ein/zwei wirkliche Freunde zu haben würde mich einfach glücklicher machen. Hinzu kommt, dass auch in der eigenen Familie kein Zusammenhalt stattfindet, sondern Ausgrenzung und ich mich allein schon aus diesem Grund seit ein paar Jahren sehr intensiv mit der Verarbeitung/Loslassen meiner schwierigen Vergangenheit, andererseits jedoch auch mit der eigenen Persönlichkeitsentwicklung befasse – natürlich auch hinterfrage. Leider bin ich in der Familie die Einzige, die das tut und somit Diejenige, welche ausgegrenzt werden muss, da sie nicht mehr in das “System” passt und stört. Alles in allem bin ich gerade an einem Tiefpunkt, wo es einfach nur schön wäre, einen Freund(e)/Freundin zu haben, um auch einmal in den Arm genommen zu werden, Herzenswärme zu spüren. Immer allein “durchzumüssen” kostet sehr viel Kraft, auch wenn ich mir gut zurede und auch ein klein wenig stolz auf mich bin, was ich in den letzten Jahren alles so zu bewerkstelligen hatte und auch noch habe (u. a. Scheidung nach 23jähriger Ehe). Alles in allem ist man aber kein Roboter, den man einfach so programmieren kann, wie man es gerne hätte – man ist einfach nur ein Mensch. Sorry – wollte eigentlich gar nicht so viel schreiben, aber nun ist es raus und ich fühle mich jetzt auch ein klein wenig besser. Vielleicht habe ich ja auch Jemandem / einem(r) Seelenverwandten oder sogar mehreren “Leidesgenossen” aus dem Herzen gesprochen und bekomme eine Rückmeldung, gerne auch mit E-Mail-Adresse, wenn solch ein Austausch über diese Seite in irgendeiner Art und Weise möglich ist. Würde mich auf alle Fälle auf eine Rückmeldung freuen und Dir Bettina und allen Anderen alles Gute, viel Kraft und allzeit gute Freunde wünschen. Niemand sollte sich auf dieser Welt allein fühlen müssen.

    • Bettina
      Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Liebe SunShine,

      vielen Dank für deine lieben Worte und deine Offenheit. Ich kann sehr gut verstehen, dass du traurig darüber bist, keinen echten Freund an deiner Seite zu haben. Du bringst alles mit, was es für eine gute Freundschaft braucht. Was glaubst du denn, ist die Ursache dafür? Findest du in deinem Umfeld keine Menschen, bei denen du das Gefühl hast, auf einer Wellenlänge zu sein oder hast du gar nicht so viel Kontakt, als dass eine Freundschaft entstehen könnte? Gibt es von früher jemandem, mit dem du vielleicht gerne wieder Kontakt aufnehmen würdest?

      Durch deine familiäre Erfahrung ist es noch verständlicher, dass du einen Menschen schätzen würdest, der dich annimmt, wie du bist und zu dir hält. Zu dem du kommen kannst, wenn du ein Problem hast oder einfach nur eine gemeinsame und schöne Zeit verbringen möchtest.

      Liebe SunShine, ich würde dich gerne in den Arm nehmen und drücken und dir sagen, dass alles vorübergeht und es besser werden wird, wenn du durchhältst. Du kannst mit Sicherheit sehr stolz auf dich sein. Ich weiß, was es heißt, Dinge alleine zu verarbeiten und es ist nicht schön. Bei mir war es jedoch nicht, weil ich niemanden gehabt hätte, sondern weil ich damals glaubte, meine Probleme alleine lösen zu müssen und niemandem zur Last zu fallen.

      Fühl dich frei, hier loszuwerden, was dich belastet. Ich würde dir sehr wünschen, dass sich jemand findet, der dir gerne schreibt. Auch für den Austausch untereinander und das Kennenlernen von Gleichgesinnten ist mein Blog gedacht.

      Liebe SunShine, ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft und wenn du ein gutes Wort brauchst, dann schreib mir einfach 🙂

      Liebe Grüße und fühle dich umarmt.

      Deine Bettina
      PS: ich habe für Leben ohne LImit einen Gastbeitrag zum Thema Einsamkeit geschrieben. Vielleicht findest du dort ein paar hilfreiche Ideen, wie du zu mehr Kontakt kommst: http://leben-ohne-limit.com/9769/was-tun-gegen-einsamkeit/

  2. Avatar
    Oksana Antworten

    Liebe Betina, vielen Dank für diesen ehrlichen und liebevollen Beitrag zum Thema Freundschaft. Nichts ist so bewegend und so wichtig wie zwischenmenschliche Beziehungen – die stärken uns, lassen uns wachsen und wir lernen dadurch viel über uns selbst… ich bin im letzten Herbst während einer Krankheit zufällig auf deine überaus tiefgründige Artikel gestoßen und habe viele Inspirationen bekommen. „Wie schön, dass jemand sich so hingebungsvoll mit solchen essenziellen Bereichen unseres Lebens auseinander setzt“, dachte ich. Zu dem damaligen Zeit habe ich auch viel über meine Freundschaften nachgedacht und… ein paar davon beendet. Und auch da hat mir dein Artikel über „Freunfschaften beenden“ viel geholfen – es liebevoll, anerkennend und dennoch konsequent zu tun… denn die für mich tragenden Merkmale einer Freunschaft (Vertrauen, Wertschätzung, echtes Interesse bzw. Teilnahme am Leben des anderen) waren nicht mehr vorhanden… zunächst hat mich der Gedanke über diese Freundinnen belastet, nachdem ich mich per Nachricht von Ihnen verabschiedet habe, war ich sehr erleichtert 😌. Es war ein Gefühl, das Richtige getan zu haben. Ich habe damit auch meinen Frieden gefunden. Nun vor ein paar Wochen meldete sich eine von den Ex-Freundinnen… erst unverbindlich, dann erkennbar interessiert: Sie habe viel über uns nachgedacht und sei dankbar für alles was ich ihr mal während unserer Freundschaft mit auf den Weg gegeben habe… soweit so gut… nun möchte sie gerne mit mir telefonieren und (jetzt kommt es!) möchte wissen wie es mir geht (was früher kaum der Fall war, denn die Beziehung verlief aus meiner Sicht ziemlich einseitig). Ich fühle mich ehrlich gesagt vor den Kopf gestoßen und weiß nicht wie ich am besten reagieren soll. Ich habe irgendwie kein gutes Gefühl dabei… jetzt auf ein mal bin ich ihr wichtig, während ich in den letzten zwei Jahren unserer Freundschaft und vor allem während meiner Krankheit im Herbst dieses Interesse und diese Teilnahme an meinem Leben schmerzlich vermisst habe… mein Partner mein, ich könnte einen lockeren Kontakt zu ihr halten ohne große Erwartungen oder emotionale Invesitionen meinerseits… aber will ich das? Er meint auch, es wäre die Gelegenheit, ihr etwas Kontra zu geben und mit dem Thema besser abschließen zu können… denn unsere Trennung ist noch nicht so lange her… Liebe Betina, vielleicht kennst du einen Tipp wie man es am besten herausfindet. Ich wäre für jede Anregung sehr dankbar! Mit sonnigen Grüßen aus BHV

    • Bettina
      Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Oksana,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Und was für ein schönes Kompliment über meinen Blog. Dankeschön!
      Ich habe den Eindruck, dass du eure Freundschaft noch nicht in Frieden losgelassen hast. Dass da noch der Schmerz von damals mitschwingt (gerade weil du dich gekränkt fühlst, dass sie sich damals nicht für dich interessiert und es jetzt tut). das ist ein Zeichen, dass da noch Schmerz in dir ist. Ich ermuntere die Menschen immer, auf ihr Gefühl zu vertrauen. Wenn du dich nicht wohlfühlt, Zweifelst, dann möchte dir dieses Gefühl etwas sagen. Vielleicht ist es für dich (noch) nicht an der Zeit, euch neu zu begegnen. Soetwas kann gelingen. Auch ich habe das erlebt, jedoch nach über einem und sogar mehreren Jahren Trennung. Aber das hat nichts mit der Dauer der Trennung zu tun, sondern mit dem Reifen und dem Friedenschließen. DAs kann früher oder später sein. Ich habe den Eindruck, dass du dich bereits entschieden hast, dich jedoch von den äußeren Gegebenheiten (Mann/Ex-Freundin) beeinflussen lässt. Ich möchte dich keineswegs davon abhalten, den Versuch zu wagen. Sondern ich ermuntere dich nochmal tief in dich hineinzuspüren (ohne den Rat bei jemandem zu suchen, was du tun sollst) und dir vorzustellen wie es ist, sie zu treffen. Was fühlst du? Wie verhält sich dein Körper? Dein Herz? Dein Bauch? Wenn du still wirst, kannst du erkennen, ob du es wirklich willst. Und dann folge diesem Gefühl.
      Ich wünsche dir alles Liebe und das Vertrauen in dich
      Deine Bettina

  3. Avatar
    Oksana Antworten

    Liebe Bettina, vielen lieben Dank für deine rasche Antwort… Sie kam zum richtigen Zeitpunkt und hat mich ermuntert auf mein Bauchgefühl zu hören… und weiß was? Etwas hat sich in mir plötzlich gelöst, weil ich zu mir und meinem Gefühl stehen könnte. Dein Tipp, das Treffen mit meiner Ex-Freundin vorzustellen, erwies sich als sehr hilfreich. Ich fühlte mich innerlich verkrampft, etwas lag mir schwer im Magen (die Kränkung? Der Schmerz?) … du hast es absolut richtig erkannt – ich brauche noch Zeit und Abstand um meinen Frieden damit zu schließen und zu reifen. Außerdem habe ich noch den „Pro- und Contra-EntscheidungsTipp“ aus deinem Buch „Wach auf“ angewandt. Da war die Sache für mich ganz klar. Ich danke dir für deine Unterstützung, fühle dich umarmt, Oksana

    • Bettina
      Bettina Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Oksana,
      wow, was für eine schöne Entwicklung. Ich freue mich für dich und dass ich dazu beitragen konnte!
      Fühle dich ebenso umarmt
      Bettina

  4. Avatar
    Birdie Antworten

    Hallo Bettina,
    dein Artikel spricht mir aus dem Herzen, weil ich denke, er spiegelt wieder, was in einer Freundschaft wirklich wichtig ist.
    In der Vergangenheit musste ich leider erfahren, wie es ist, wenn eine Freundschaft an der von dir beschriebenen Erwartungshaltung zerbricht. Der harte Bruch und die in diesem Zusammenhang erfolgten Streitigkeiten waren sehr schmerzhaft für mich.
    Blicke ich auf meine jetzigen Freundschaften (darunter viele langjährige, bei denen Treffen nur 2 bis 3mal im Jahr stattfinden), finde ich alle genannten Merkmale, insbesondere das Angekommen- und Angenommen-Sein. Für die zerbrochene Freundschaft trifft aus meiner heutigen Sicht kein Mermal zu. So hat der Bruch am Ende seinen Sinn gehabt.

    • BETTINA HIELSCHER
      BETTINA HIELSCHER Autor des BeitragsAntworten

      Hallo Birdie,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar und deine Erfahrungen zu dem Thema. Wie schön zu lesen, dass du die gleichen Ansichten teilst und diese sogar so beispielhaft an deinen (ehemaligen) Freundschaften erkennen kannst.
      Liebe Grüße
      Bettina

  5. Avatar
    Charlotte Antworten

    Hallo,
    ein sehr schöner Artikel, dem ich im Großen und Ganzen zustimme.
    Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass ich inzwischen an dem Punkt angekommen bin Menschen nicht mehr als Freund zu bezeichnen. Auch wenn diese sich selbst so betiteln mögen.
    Denn ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass ich dachte von echten Freunden umgeben zu sein, und dann so richtig enttäuscht und verletzt wurde. Es ist in Ordnung, wenn man vier Jahre für den anderen ständig da ist. Aber braucht man selbst mal Hilfe, geht es nur um ein Gespräch in Form eines Telefonats oder mal einen Kaffee trinken, wird man via Handy ignoriert. Tatsächlich schon passiert. Bis dahin dachte ich sie sei eine gute Freundin, tja, las sie meine Nachricht und ignorierte das einfach. Rutschte ihr später bei einem Telefonat mal so beiläufig raus. Und die ehrlichste Reaktion als ich mich darüber aufregte war nur: “Na und”.
    Oder man wird belogen, manipuliert und ausgenutzt.
    Eine Bekannte von mir meldet sich nur, wenn es ihr schlecht geht. Klar, man muss sich nicht ständig nach dem anderen erkundigen. Aber wenn man spürt eine gestellte Frage zu meinem Leben wird eigentlich nur proforma gestellt, ohne wirkliches Interesse dahinter, tja, dann kann man den Kontakt nur noch überdenken.

    Inzwischen ist sogar so, dass wenn mir jemand zu nahe kommt im Sinne, es könnte sich zu einer Freundschaft entwickeln, dass ich gleich abblocke und den Kontakt beende.
    Denn ich könnte ehrlich gesagt keinen einzigen Menschen aufzählen, der mich nicht schon verletzt hätte.
    Entweder ausgenutzt, angelogen, meine Grenzen überschritten (mit dazugehöriger Egalhaltung wie ich mich dabei fühle) oder auch emotional erpresst, im Sinne von Drohungen mit Trennung, wenn ich nicht mache was der andere von mir verlangt etc.

    Ich würde mir einmal in meinem Leben dieses Gefühl wünschen einen ehrlichen Freund an meiner Seite zu haben. Einen echten und nicht diese ganzen Fakes.
    Aber ich wurde so oft eines Besseren belehrt, dachte mir den Menschen genau angesehen und ein Bild gemacht zu haben, dass derjenige ja ehrlich und lieb wäre, nur um dann des Gegenteils belehrt zu werden.
    Da frage ich mich auch was ich daraus lernen soll?
    Vertraue niemandem mehr?

    Oder eine Bekannte meldete sich auch immer nur, um über sich zu sprechen. Man muss sich ja nicht regelmäßig sehen, doch wenn der Kontakt seit einem Jahr nur per WhatsApp stattfindet und der Gesprächsverlauf sich immer nur um sie dreht, gibt mir das nichts.
    So gesehen kann man mit so jemandem weder gemeinsame Freizeit verbringen, noch interessiert es denjenigen was in mir vorgeht, wäre nicht für einen da. Und will eigentlich nur ständig über sich labern.
    Genauso wie die eine, die immer nur dann ankommt, wenn es ihr schlecht geht. Erst gestern wieder ob ich n paar Stunden Zeit hätte. Ja, ging es wieder mal darum, dass sie nicht alleine sein kann. Bin ich sozusagen der Lückenfüller. Erzähle ich ihr, dass ein Familienmitglied bei mir gestorben ist. Keine einzige Nachfrage. Hatte sie sogar bis zum nächsten Treffen vergessen, dass da ja was in meinem Leben war.

    Ist da meine Erwartungshaltung zu hoch?
    Ich denke nicht. Ich zumindest würde selbst bei einem Bekannten nachfragen oder das zumindest bis zum nächsten Treffen auf dem Schirm haben. Zeigt nämlich, dass einem der andere iwo wichtig ist. Nennt sich aufmerksames Zuhören und Mitgefühl.

    Freundschaften sollen das Leben ja auch auf gewisse Weise bereichern, durch Zusammenhalt, Gemeinsamkeiten, gegenseitige Anteilnahme und Akzeptanz. Doch ich empfinde all die Menschen in meinem Leben (bis auf die Ausnahme von 2) einfach nur als sinnlos und zeitverschwendend.
    Insofern habe ich mir vorgenommen einmal wieder auszumisten. Denn ich bin inzwischen lieber allein als in schlechter Begleitung.

  6. Avatar
    Andreas Eppacher Antworten

    Hallo Bettina, sehr schöner Artikel zum Thema Freunde und soziales Leben, wir würden uns freuen wenn du auch mal auf unserer Website Sozial Leben System vorbeischauen würdest, und eventuell einen unserer Blogbeiträge auf deiner Seite verlinken würdest wäre sehr freundlich von dir.

    Danke!

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