In diesem Artikel geht es um ein bedeutsames und gleichzeitig schwieriges Thema: zu akzeptieren, dass wir anderen Menschen nicht immer helfen und dafür sorgen können, dass es ihnen gut geht.
Besonders wenn es um nahestehende Menschen geht, die körperlich krank, erschöpft oder unglücklich sind, macht uns das oft besonders zu schaffen. Wir leiden mit ihnen, fühlen ihre Not und wünschen uns von Herzen, dass sie wieder Kraft, Hoffnung und Lebensfreude finden.
Dann neigen wir schnell dazu, uns für diese Menschen verantwortlich zu fühlen. Wir wollen ihnen den Schmerz abnehmen, ihre Situation verbessern oder sie irgendwie aus ihrem Leid befreien.
Doch so verständlich dieser Wunsch ist – er bringt uns häufig an eine schmerzhafte Grenze.
Denn es gibt Situationen, in denen wir einem anderen Menschen nicht helfen können, so sehr wir uns auch bemühen.
Ein harmonisches Miteinander besteht natürlich auch darin, einander zu unterstützen. Menschen brauchen Gemeinschaft, Verständnis und manchmal auch Hilfe von außen. Wer Unterstützung annehmen kann und seine eigene Kraft aktiviert, wird mit Hilfe anderer wieder auf die Beine kommen.
Doch es gibt auch Menschen, die nicht aufhören zu leiden. Menschen, die viel klagen, aber nicht ins Handeln kommen. Menschen, die immer wieder über ihre Situation sprechen, ohne wirklich etwas zu verändern – selbst dann nicht, wenn sie Unterstützung, Rat oder Hilfe erhalten.
Kennst du solche Menschen?
Wenn du einer solchen Person helfen möchtest, wirst du schnell merken, dass deine Bemühungen nicht nachhaltig wirken. Vielleicht versuchst du es immer wieder – doch früher oder später kehrt alles wieder an den gleichen Punkt zurück.
In diesem Beitrag erfährst du, warum das so ist.
Eigenverantwortung: was sie bedeutet
Das Wohlbefinden anderer erwachsener Menschen liegt nicht in deiner Verantwortung, sondern in ihrer eigenen.
Damit ist jene Verantwortung gemeint, die jeder Mensch ab einem gewissen Alter und Reifegrad selbst tragen muss. Verantwortung für das eigene Leben, die eigenen Entscheidungen und das eigene Wohlbefinden.
Wer diese Eigenverantwortung nicht übernimmt, manövriert sich früher oder später in eine Haltung der Hilflosigkeit und in ein Opferbewusstsein.
Ein solcher Mensch wird beginnen zu leiden – und oft lange in leidenden Situationen feststecken.
Der Grund liegt darin, dass er nicht daran glaubt – oder nicht sehen möchte –, dass er selbst etwas an seiner Situation verändern kann.
Stattdessen wird er sich als Opfer sehen:
- als Opfer der Umstände,
- als Opfer seines schwachen Körpers,
- als Opfer anderer Menschen,
- oder als Opfer eines ungerechten Schicksals.
Menschen, die sich in dieser Haltung befinden, warten häufig darauf, dass jemand anderes sie rettet.
Sie hoffen, dass jemand kommt, der ihre Situation löst.
Dass andere ihnen helfen, sie erlösen oder befreien.
Oder dass sich die äußeren Umstände irgendwann von selbst verändern.
Doch selbst wenn sich etwas im Außen verbessert, dauert es oft nicht lange, bis ein neues Problem auftaucht. Denn solange die innere Haltung unverändert bleibt, entstehen immer wieder neue Situationen, in denen sich der Mensch erneut als Opfer erlebt.
Eigenverantwortung zu tragen bedeutet dagegen etwas anderes.
Es bedeutet, Verantwortung für das eigene Wohlbefinden und das eigene Leben zu übernehmen. Zu erkennen, dass man Einfluss auf die eigene Situation hat – auch wenn nicht alles kontrollierbar ist.
Nur wer diese Eigenverantwortung übernimmt, kann ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben führen.
Denn dieser Mensch erkennt:
- Ich bin nicht nur den Umständen ausgeliefert.
- Ich kann Entscheidungen treffen.
- Ich kann Schritte gehen.
- Ich kann Verantwortung für mein Leben übernehmen.
Das Wohlbefinden anderer, erwachsener Menschen liegt nicht in deiner Verantwortung, sondern in ihrer eignen. Ich spreche von jener Verantwortung, die ein jeder Mensch ab einem gewissen Alter und Reifegrad selbst tragen muss. Wer seine Eigenverantwortung nicht übernimmt, manövriert sich in eine Hilflosigkeit und in ein Opferbewusstsein. Ein solcher Mensch – ohne Verantwortung für sich – wird irgendwann zu leiden beginnen und oft in leidenden Situationen steckenbleiben. Der Grund liegt darin, dass er nicht daran glaubt (und sehen will), dass er etwas an seiner Situation verändern kann. Er wird sich als Opfer sehen – als Opfer der Umstände, als Opfer seines schwachen Körpers, als Opfer von Menschen, die ihm seine Möglichkeiten nehmen. Er wird ebenso warten und hoffen: dass andere ihn retten, ihn erlösen oder dass sich die Umstände endlich ändern.
Doch selbst wenn sie es täten, wird es nicht lange dauern, bis ein neues Leid auftaucht.
Eigenverantwortung zu tragen bedeutet, die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden und das eigene Leben zu übernehmen. Nur wer diese Eigenverantwortung übernimmt, kann ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben führen, weil er nicht mehr Opfer ist, sondern seinen Einfluss auf sich und das Leben erkennt und nutzt.
Warum sich Menschen der Eigenverantwortung entziehen
Wer Eigenverantwortung übernimmt, weiß: Ich muss aktiv dazu beitragen, dass es mir gut geht.
Das bedeutet, sich um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern, Entscheidungen zu treffen und manchmal auch unbequeme Schritte zu gehen.
Eigenverantwortung verlangt Aufmerksamkeit, Energie und oft auch Mut.
Es braucht Mut, Gewohnheiten zu verändern. Mut, Grenzen zu setzen. Mut, Entscheidungen zu treffen. Mut, Verantwortung für das eigene Leben zu tragen.
Manchmal bedeutet es auch, Fehler einzugestehen oder unangenehme Wahrheiten zu erkennen.
Viele Menschen scheuen genau diese Herausforderungen.
Deshalb ist es für manche einfacher, die Verantwortung für das eigene Leben nach außen zu verlagern – auf andere Menschen oder auf das Schicksal.
Wenn man nicht zuständig ist, muss man sich auch nicht bemühen.
Diese Haltung kann kurzfristig entlastend wirken. Doch langfristig führt sie häufig dazu, dass Menschen in leidenden Situationen stecken bleiben.
Sie wünschen sich Veränderung, erwarten aber, dass andere diese Veränderung herbeiführen.
Oder sie verharren in ihrer Situation und hoffen darauf, dass sich die Umstände irgendwann von selbst verbessern.
Über eine kurze Zeit kann das funktionieren.
Jeder kennt Phasen im Leben, in denen viel Stress herrscht, in denen man überfordert ist oder keine Kraft hat, Dinge zu verändern.
Doch wenn dieser Zustand zu einem dauerhaften Lebensmuster wird, kann er krank machen.
Körper und Geist erschöpfen sich. Die Energie sinkt. Und irgendwann fehlt die Kraft, aktiv etwas zu verändern.
Diese Menschen leben dann oft nur noch, um zu funktionieren.
Warum du die Verantwortung für andere übernehmen möchtest und warum das nicht möglich ist
Wenn ein Mensch, den du liebst, in einer solchen Situation steckt – leidet, aber nichts verändert – kann das sehr belastend sein.
Vielleicht fühlst du dich hilflos. Vielleicht hast du das Gefühl, etwas tun zu müssen.
Manchmal entstehen auch Schuldgefühle.
Dir geht es vielleicht gut – während der andere leidet. Und dieses Ungleichgewicht fühlt sich schwer an.
Dann kann dein eigenes Glück plötzlich wie etwas wirken, das du nicht ganz verdient hast.
Du möchtest helfen.
Du möchtest unterstützen.
Du möchtest die Last des anderen verringern.
Vielleicht versuchst du:
- Lösungen vorzuschlagen
- zu trösten
- Verantwortung abzunehmen
- die Situation zu verändern
- die Einstellung des anderen zu verändern
Es gibt Menschen, die solche Hilfe dankbar annehmen.
Sie sehen die Unterstützung als Ermutigung, selbst aktiv zu werden. Sie nutzen Hilfe als Kraftquelle, um ihr Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen.
Doch es gibt auch Menschen, die Hilfe zwar annehmen – solange sie angeboten wird –, ohne selbst etwas zu verändern.
Oder sie lehnen Hilfe komplett ab.
Der Umgang mit solchen Menschen ist oft besonders schwierig.
Du bemühst dich. Du möchtest helfen. Doch nichts verändert sich wirklich.
Und irgendwann wird dir klar:
Du kannst das Leben eines anderen Menschen nicht in Ordnung bringen.
Du kannst niemanden verändern, der sich selbst nicht verändern möchte.
Warum du die Verantwortung für andere nicht übernehmen kannst – ein Vergleich
Um das besser zu verstehen, stell dir folgendes Bild vor.
Ein Mensch ist in ein Schlammloch gefallen.
Dass diese Person hineingefallen ist, ist nicht dein Verschulden. Du bist nicht verantwortlich dafür, nur weil du daneben gestanden hast.
Du kannst helfen.
Du kannst deine Hand reichen.
Du kannst versuchen, die Person herauszuziehen.
Du kannst Unterstützung anbieten.
Was du aber nicht tun kannst: für die andere Person in das Schlammloch gehen und die Situation für sie durchstehen.
Dann wärt ihr beide im Schlamm.
Du kannst auch nicht für die andere Person stehen.
Wenn du ihr deine Hand reichst, muss sie selbst ihre Muskeln anspannen. Sie muss ihre Beine durchstrecken und aktiv versuchen aufzustehen.
Du kannst sie unterstützen – aber du kannst nicht für sie stehen.
Stell dir vor, du nimmst sie huckepack, damit sie wieder aufrecht steht.
Wie lange würdest du das durchhalten?
Irgendwann musst du sie wieder absetzen.
Und dann braucht sie wieder ihre eigenen Beine.
Wenn jemand gefallen ist, kannst du helfen aufzustehen.
Doch wer nicht stehen will, wird liegen bleiben – egal wie sehr du ziehst und dich bemühst.
Die Person muss eigenverantwortlich für ihr Leben einstehen und sich selbst dazu entscheiden, aufzustehen und weiterzugehen.
Manche Lektionen kann nur das Leben lehren. Eigenverantwortung zu übernehmen
So sehr du dich mit deinen Erfahrungen einbringen möchtest – manche Lektionen kann ein Mensch nur durch eigene Erfahrungen lernen.
Manche Menschen müssen erst Fehler machen.
Manche müssen erst in eine Krise geraten.
Manche müssen erst tief fallen.
Nicht weil sie schwach sind – sondern weil genau dieser Weg ihnen etwas zeigt, das sie sonst nicht erkennen würden.
Krisen und Schicksalsschläge gehören zum Leben.
Niemand ist davor vollständig geschützt.
Was wir jedoch beeinflussen können, ist unsere Reaktion darauf.
Und genau das ist der Punkt, den jeder Mensch irgendwann lernen muss.
Nur wer Eigenverantwortung übernimmt, kann aus leidenden Situationen herausfinden.
Bei Menschen, die deine Hilfe ablehnen und weiter leiden, bleibt dir letztlich nur eines:
Vertrauen.
Vertrauen darauf, dass das Leben ihnen die Erfahrungen schenkt, die sie brauchen.
Jeder muss für sich selbst sorgen
Jeder Mensch steht heute an dem Punkt, an den ihn seine Entscheidungen, Erfahrungen und inneren Haltungen geführt haben.
Auch Menschen, die sich in schwierigen oder unglücklichen Situationen befinden, haben letztlich nur selbst die Möglichkeit, daraus wieder herauszufinden.
Diese Aufgabe kannst du für niemanden übernehmen.
So sehr du es auch möchtest.
Du kannst mitfühlend sein.
Du kannst zuhören.
Du kannst unterstützen.
Doch am Ende kann jeder Mensch nur sich selbst helfen.
Deshalb ist es wichtig, dass du auch Verantwortung für dich selbst übernimmst.
Lass das Leiden anderer nicht dein eigenes Leben bestimmen.
Befreie dich von der Last, für das Glück anderer verantwortlich zu sein.
Lass Schuldgefühle und schlechtes Gewissen los.
Auch wenn du Entscheidungen anderer nicht immer verstehen kannst.
Auch wenn du glaubst zu wissen, was das Beste für sie wäre.
Jeder Mensch hat das Recht, seinen eigenen Weg zu gehen – und seine eigenen Erfahrungen zu machen.
Wer Eigenverantwortung übernimmt, wird Wege finden, für sich selbst zu sorgen.
Und wer dazu noch nicht bereit ist, muss diesen Schritt irgendwann selbst erkennen.
Ich wünsche dir viel Vertrauen auf diesem Weg.
Fühlst du dich manchmal stark für andere verantwortlich?
Und gelingt es dir, von diesem Gefühl ein Stück loszulassen?
Ich freue mich sehr über deine Gedanken dazu.
Weiterführende Links:
- Warum Eigenverantwortung im Job wichtig ist, erfährst du auf Karrierebibel.de

Hi, ich bin Bettina. Als Coach und Autorin helfe ich hochsensiblen Menschen dabei, Stabilität und Stärke in sich selbst zu entwickeln und ein Leben zu gestalten, das sie tief im Inneren zufrieden macht.
Liebe Bettina,
das ist in der Tat ein sehr heikles Thema, ich bin tatsächlich so jemand die sich um andere kümmert und bemüht und mein eigenes Leben dadurch vergesse. Und ja ch fühle mich oft für andere verantwortlich, möchte ihnen den schmerz nehmen und leide richtig mit. Deine Zeilen machen mir das sichtbar, ich werde das ändern, mich mehr um mein Leben und um mich kümmern.
Danke für diesen tollen Beitrag, herzlichst Nele.
Liebe Nele,
ich kann dich sehr gut verstehen, da es mir auch oft so geht. Ich leide mit anderen und möchte etwas tun, damit es ihnen wieder gut geht. Nur belastet man sich damit oft sehr, weil es einem einfach nicht möglich ist. In diesem Mitleid kann man sein eigenes Leben gar nicht mehr richtig wahrnehmen, schätzen und leben. Ich freue mich sehr, dass dich der Beitrag dazu anregt, dich mehr auf dich zu konzentrieren und loszulassen von dem Gefühl, verantwortlich sein zu müssen. Das ist nicht egoistisch von dir, du bist ja trotzdem da, wenn jemand deine Hilfe braucht. Es ist Eigenverantwortung, die du nun für dich übernimmst, damit es dir gut geht. Alles Liebe, Bettina.
Oh ich habe mich gerade selbst wieder gefunden. Bin auch in einer Situation in der ich gern jemanden helfen möchte, der diese Hilfe aber gar nicht will bzw. von mir nicht annehmen kann. Ist für mich sehr schwer auszuhalten, aber es ist so wie du schreibst. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und ich muss kein schlechtes Gewissen haben wenn ich „die Welt“ nicht retten kann ;). Danke für den Beitrag und liebe Grüße, Simona.
Hallo Simona,
schön, dass du dich in diesem Beitrag wiedergefunden hast und etwas für dich mitnehmen kannst. Das hast du schön und treffend gesagt: „Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich „die Welt“ nicht retten kannst. Denn genau so ist es! 😉 Tu dein Bestmögliches und sorge für dich. 🙂 Alles Gute und liebe Grüße, Bettina
Sehr schöner Text, kann ich alles so unterstreichen und eine wirklich tolle Seite!!!
Liebe Grüsse
Sarina
Hallo Sarina,
vielen lieben Dank für das Lob! 🙂
Liebe Grüße auch an dich
Bettina
Liebe Bettina,
ich bin heute, durch meine Nichte, auf diese wunderbaren Seiten gestossen.
Ich habe eine Tochter, 46 Jahre, sie wird im Mai 47 und wünscht sich nichts
sehnlicher als ein Kind. Leider gerät sie immer an die falschen Männer und keine
Beziehung hält. Ich weiss auch, dass sie diese Männer anzieht. Ich bin geschieden und sie hat bedingt durch die Scheidung schreckliche Verlustängste.
Sie sagt immer, irgendwann bin ich ganz allein. Du hast mich, ich hab
niemanden. Ich bin 66 und hab schon die Gedanken in meinem Kopf, dass ich nicht sterben darf, weil ich sie nicht
alleine lassen kann. Sie ist sehr depressiv und war auch schon 2 mal in einer
Klinik.
Es tut mir so weh, weil ich ihr nicht helfen kann.
Es hört sich ja gut an, wieder aufzustehen, wann man gefallen ist oder durch
die Angst zu gehen, oder in der Gegenwart zu bleiben.
Aber was kann meine Tochter tun, wenn sie kein Kind mehr bekommen kann und
Angst hat, alleine zu bleiben ?
Trotz allem ist meine Tochter sehr stark und hat schon viel bewältigt.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir antworten würden.
Liebe Grüße
Stilla
Liebe Stilla,
vielen Dank für das Lob und einen lieben Gruß an Ihre Nichte! Ich bewundere Ihre Einsicht, dass Sie erkennen, dass Ihre Tochter die falschen Männer anzieht. Nach vielen gescheiterten Beziehungen ist es nämlich wichtig zu erkennen, dass das Problem sehr wahrscheinlich in einem selbst liegt. Und das Problem Ihrer Tochter scheint die Verlustangst zu sein und die Angst, allein zu sein. Auch ihr Kinderwunsch zeugt aus dieser Angst. Ihre Tochter wird leider keine Kinder haben können, auch als Adoptivmutter ist sie nach unserem Gesetz zu alt. Sie sehnt sich demnach nach etwas, das sie nicht erreichen kann und hält daran fest.
Was ganz wichtig ist: dass Ihre Tochter sich von ihren Ängsten löst und von den festgefahrenen Gedanken:
• ein Kind haben zu wollen
Möchte sie das in ihrem Alter wirklich? Wenn das Kind 20 Jahre ist, wäre sie Ende 60. Hat sie dann die Kraft für ein Kind? Ist es nicht egoistisch, aus Angst allein zu sein, einem Kind im schlimmsten Fall mit Mitte 20 die Mutter zu nehmen? Ein Kind zu haben, um jetzt nicht allein zu sein, wäre im Hinblick auf die Zukunft sehr egoistisch. Möchte Sie ihrem Kind das wirklich antun oder kann sie sich von dem Wunsch, ein Kind zu haben, lösen?
• allein zu sein und zu bleiben
Zugegeben sie ist momentan ohne Mann oder Kind. Aber ist sie deswegen wirklich alleine? Viele Menschen haben keine Kinder und keinen Mann, aber es gibt andere Beziehungen, die man pflegen und neu knüpfen kann. Familie, Freunde, Arbeitskollegen. Sie ist nicht alleine. Nur wenn sie sich darauf versteift, alleine zu sein. Dann sieht sie nichts von alledem, was sie eigentlich Wertvolles besitzt und um sich hat. Sieht nicht all die Menschen, die sie lieben und für sie da sind. Wer sich zurückzieht und den Kontakt scheut, wird natürlich auch alleine bleiben. Man muss auf Menschen zugehen und etwas für Beziehungen tun, um sie aufzubauen und zu haben. Tut sie das?
• zu glauben, sie braucht jemanden
Eigentlich braucht Ihre Tochter niemanden. Ihre Gedanken reden ihr das ein. Sie ist ein wunderbarer und starker Mensch, der seine Mitte und seinen Halt in sich selbst noch finden muss. Nur dann ist sie bereit für jemanden und nur dann wird jemand in ihr Leben treten. Aus Abhängigkeit, weil sie nicht allein sein kann und möchte, kann keine gesunde Beziehung geführt werden und deswegen scheitert auch jede Beziehung. Deswegen erfährt sie auch keine Beziehung, die das Potential dazu hätte.
Ihre Tochter scheint zu diesem Gedanken und der Angst: „Ich bin und bleibe alleine“ geworden zu sein und zieht alles in ihr Leben, was ihr genau das bestätigt. Sie muss sich unbedingt von der Angst und diesem Gedanken lösen. Nur wenn sie im Inneren erkennt, dass sie das nicht braucht, wenn sie niemanden sucht von dem sie sich abhängig machen will, dann wird sie bereit für jemanden sein und dann wird jemand kommen. Dann zieht sie das in ihr Leben, was sie sich wünscht. Da bin ich mir sicher. Diese Lektion muss sie lernen und diese Lektion möchte auch das Leben sie lehren. Denn durch die Wiederholung ihrer gleichen negativen Erfahrungen möchte das Leben ihr etwas zeigen, was sie noch nicht begriffen hat. Wenn sie sich im Inneren ändert, wird sich die Welt um sie herum wie von selbst ändern. Dazu kann ich Ihrer Tochter auch diesen Artikel empfehlen: http://www.kreativgedacht.de/du-ziehst-an-was-du-bist/
Ich würde Ihr auch dringend raten, professionelle Hilfe zu beanspruchen und eine Therapie bezüglich dieser Angst zu machen. Der Weg aus dieser Angst ist nach jahrelanger Konditionierung auf diesen Gedanken nicht einfach zu gehen und alleine oft nicht zu schaffen. Aber ihre Tochter wird das schaffen und lernen. Sie ist stark und ein ganz wunderbarer Mensch. Aber sie kreist so sehr um sich und ihre Angst, dass sie das Leben gar nicht wahrnehmen kann und sich das Leben auch nicht mehr zeigt. Sie muss sich öffnen. Loslassen und weiter denken, als nur an ihr eigenes Wohl.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Tochter viel Erfolg und Kraft.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Rückmeldung geben würden, ob ich Ihnen in irgendeiner Weise etwas helfen konnte.
Alles Liebe Bettina
Hallo liebe Bettina,
vielen lieben Dank für Ihre schnelle Antwort.
Ich hab mich wirklich sehr gefreut.
Sie sprechen mir total aus dem Herzen. Das ist für meine Tochter
ein so wundes Thema, dass ich fast nicht wage, es anzusprechen,
weil sie dann noch verzweifelter erscheint.
Sie weiss, dass ihr nur eine Therapeutin helfen kann und ist schon seit Monaten
auf der Suche. Aber leider ist es nicht so einfach, die richtige zu finden.
Aber sie gibt nicht auf, denn wie ich schon sagte, ist sie trotz allem sehr stark.
Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie wohl mir Ihre Antwort tut und wie sehr ich
mich gefreut habe.
Nochmals vielen, vielen Dank !!!!
Herzliche Grüße und alles Liebe
Stilla
Liebe Bettina,
Eigenverantwortung…Selbstfürsorge…Begriffe, die seit einiger Zeit stärker Einzug in mein Leben gehalten haben.
Mein Leben war lange Zeit sehr fremdbestimmt. Wo sind sie, die eigenen Grenzen?
Wo ende ich, wo fängt der andere an?
Viele wissen, wo ihre Grenzen sind und sorgen für sich.
Ich sitze in einem Schiff, das Schiff ist mein Leben. Der Käpt’n bzw. der Steuermann, das bin ich…bislang haben andere oft das Schiff gesteuert…der Steuermann steuert nun selber, ohne große Eigenerfahrung…es gibt sehr viele Sandbänke im Leben…manche sieht man zuerst gar nicht (besonders wenn man (noch) nicht den geschulten Blick dafür hat). Oder man fährt nur im Kreis und „das Schiff dreht sich um seine eigene Achse“…was zu Lasten der Empathie mit anderen Menschen gehen kann…“da muss er selber raus“- leicht gesagt…“Wer kann sich selber mit den Haaren aus dem Sumpf ziehen?“
Natürlich ist man selbst für sein Leben verantwortlich und das kann (und soll) einem auch niemand abnehmen…dennoch ist ein Blick von außen schon mal ganz hilfreich…als Christ hoffe ich immer, dass Gott mir hilft…Er holt für mich nicht die „Kastanien aus dem Feuer“ und bei der Lösung von Probleme ist stets meine Mitarbeit gefordert.
Soweit zu mir…
Du hast immer lesenswerte und bedenkenswerte Beiträge! Weiter so!
Lieber Christoph,
vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast deine Situation bildlich sehr schön beschrieben und es freut mich zu hören, dass du dein Schiff nun selbst steuerst. Keiner von uns ist ein erfahrener Käpt’n, bis man auf die Reise geht und anfängt, seine Erfahrungen zu machen. Jeder wird auf Sandbänke fahren oder sich um die eigene Achse drehen. Jeder wird mit sich selbst Kämpfe führen, an sich zweifeln, hadern, aber auch Hoffnung und Zuversicht finden. Alles dient dazu, um persönlich zu wachsen und voranzukommen. Du hast vollkommen Recht, dass ein Blick von außen und auch mal eine „Ansage“ von nahestehenden Menschen nötig ist, um seine Situation überhaupt wahrnehmen und begreifen zu können, wo man gerade steht oder worauf man zusteuert. Und ich bin überzeugt, dass uns Gott bei diesem „Blick von außen“ auch hilft – durch Menschen und Situationen, die uns begegnen und uns etwas begreifebar machen sollen. Nur sehen und erkennen müssen wir selbst.
Lieber Christoph, du hast eine wunderbare Einstellung zum Leben und zu deiner Verantwortung und ich danke dir sehr für deine Worte. Ich wünsche dir alles Gute und freue mich, dich als Leser zu haben!
Oh dieser Artikel über Eigenverantwortung hat mir sehr gut gefallen und gut getan. Gibt es das als Buch? LG Gaby
Liebe Gaby,
vielen Dank für dein positives Feedback, es freut mich sehr, dass dir der Beitrag so gut gefällt. Das gibt es nicht als Buch, aber deine Frage danach bringt mich in die Überlegung, da eventuell ein Buch draus zu machen. Vielen Dank für die Idee! 🙂
Alles Liebe
Bettina
Ich stecke tatsächlich gerade selbst in so einer Situation. Jemand, der mir nahe steht, hat nun seit einer Weile ein körperliches Leiden, das sich auch auf die eh schon angeschlagene Psyche niederschlägt. Ich habe versucht, ihn zu unterstützen, aber dann muss immer ich zu ihm kommen, obwohl er durchaus in der Lage wäre, auch mal zu mir zu kommen. Schlimmer noch finde ich aber die Einstellung zu der Krankheit. Da wird davon geredet, dass eh kaputt sein und zum Abdecker müsse, und dann werden noch schlimmere sarkastische Witze gerissen. Kontaktaufnahme zu anderen Menschen inklusive Psychotherapeuten werden nur halbherzig angegangen, weil die Wartezeiten zu lange sind oder zu weit weg, und dann wird es halt gleich ganz gelassen. Tiefliegende Probleme sollen da eh nicht behandelt werden, sondern nur die aktuelle Belastung an der Oberfläche. Mir fällt es zunehmend schwer, für diese Person da zu sein. Mir fehlt da das Verständnis dafür, dass man nicht mal wenigstens ein bisschen kämpft um das eigene Wohlergehen. Dass man sich so aufgibt. Zu gehen fühlt sich aber auch falsch an, denn wer ist dann noch da für diese Person?
Deine Gefühle sind absolut nachvollziehbar. Du gibst dir Mühe, bist da – aber gleichzeitig kostet dich das enorm viel Kraft, und du bekommst wenig zurück. Es ist schwer zu ertragen, wenn jemand sich so aufgibt, und noch schwerer, wenn man das Gefühl hat, mit der Verantwortung allein zu sein.
Vielleicht hilft es, offen anzusprechen, wie belastend die Situation für dich ist. Wenn die Person bereit ist, das zu sehen und etwas zu verändern, ist das ein wichtiges Zeichen. Aber wenn nicht, darfst du dich trotzdem gehen – ohne schlechtes Gewissen. Du verlässt sie nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil du erkennst, dass du dich selbst schützen musst. Man kann nur helfen, wenn auch die andere Seite bereit ist, sich helfen zu lassen.